Weihnachten ist ein Kinderfest, das Fest, in dem ein Kind (und mit ihm jedes Kind) im Mittelpunkt steht. Jesus, von dessen prekärer Geburt die christliche Legende so anschaulich erzählt, rät Jahre später, als 30-Jähriger, seinen Freunden – und damit im Sinne der christlichen Tradition auch uns – ab und zu in die Rolle des Kindes zu schlüpfen. Was würden wir als Kinder sehen und erleben? Uns würde auffallen, wie maßlos dumm und rücksichtslos die Erwachsenen, die Menschen überhaupt, mit der Erde umgehen. Als Kinder würden wir deutlicher die Ungerechtigkeit der Lebensverhältnisse, die Unterschiede zwischen Arm und Reich, erkennen. Wir wären als Kinder wahrscheinlich noch entsetzter über die kriegerischen Staatenlenker, die Menschen töten, weil es ihnen etwas nützt. Als Kinder wären wir noch sensibler, wenn pathetische Reden gehalten werden. Vielleicht hätten wir sogar den Mut, diese Schwätzer auszulachen. Wir könnten mit unserem kindlichen Empfinden unmittelbarer wahrnehmen, wie kaltblütig viele Menschen ihre eigenen Interessen durchsetzen. Als Kinder brauchen wir viel Liebe und würden daher den Mangel an herzlichem Miteinander sehr vermissen. Wir würde als Kinder auf die Kirchen blicken und uns fragen, warum sie es nicht schaffen, die Menschen zu bessern, wo es doch ihre Heilige Schrift gebietet. Vielleicht würde unser kindliches Denken so weit gehen, Jesu Vision von einer menschlichen, friedlichen und gerechten Welt als unerfüllbaren Wunschtraum anzusehen. Aber vielleicht sagt uns Kindern jemand, der schon erwachsen ist, dass dieser Jesus unerschütterlich in seinem Glauben an uns ist. Er würde gegen allen Anschein die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir uns verändern können. Es wäre viel gewonnen, wenn wir diese Hoffnung teilen könnten.
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