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Neuer Oberbürgermeister

Die große Kreisstadt S. im Kreis BB musste einen neuen Oberbürgermeister wählen. Der alte hatte nach 24 Jahren genug davon und vielleicht auch die Bürger von ihm. Am ersten Wahlgang nahmen acht Kandidaten und eine Kandidatin teil. Er brachte kein Ergebnis, weil niemand die 50%-Marke knackte. So musste zwei Wochen später noch einmal gewählt werden, nach dem neuen Recht, das eine Stichwahl unter den zwei Kandidaten vorsieht, die bei der ersten Wahl vorne liegen. Sieger wurde Herr K., der gut 70 Stimmen mehr bekam als Herr R. Nachdenklich stimmen ein paar Beobachtungen. Erstens: Die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang war mit gut 36% noch etwas schlechter als im ersten (etwa 38%). Der Sieger wurde also von etwa 18% der Wahlberechtigten gewählt. Zweitens: In der Kernstadt hatte Kandidat R. die Nase vorn, im Teilort M. war es K., der die meisten Stimmen bekam. Der Teilort hat also das Ergebnis der Wahl bestimmt. In der Kernstadt hat der neue OB keine Mehrheit. Drittens: Es haben relativ wenige junge Menschen an der Wahl teilgenommen. Im Wahllokal des Blogschreibers hat sich kein 16-Jähriger gezeigt, obwohl diese Altersgruppe bei kommunalen Wahlen stimmberechtigt ist. Das Wahlalter zu senken genügt also nicht, um das demokratische Bewusstsein der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu stärken. Viertens: Gegen den Kandidaten R. wurde vorgebracht, er sei mit 25 Jahren „zu jung“ für ein solches Amt. Das Mindestalter für die Wählbarkeit zum Bürgermeister beträgt 18 Jahre. Der Kandidat war also sieben Jahre älter als notwendig. Es ist ein bedenkliches Zeichen, wenn der politische Diskurs mit Diskriminierungen aufgrund des Alters geführt wird. Fünftens: Der erfolgreiche Kandidat warb mit seiner Bürgermeister-Erfahrung in einer Gemeinde mit weniger als achttausend Einwohnern. In der Stadt S. wohnen fast zehn Mal so viel und sie hat ganz andere Probleme. Ob Herr K. den Sprung von der Kreisklasse in die zweite Bundesliga schaffen wird? Er hat acht Jahre Zeit dazu.

Eine Antwort auf „Neuer Oberbürgermeister“

Sie sprechen mir aus dem Herzen, lieber Herr Prof. Häcker! Ich teile Ihre Einschätzung bezüglich dieser Wahl, ihrem Verlauf und ihrem Ergebnis.

Durch den Artikel in der SZBZ hab ich Ihre Internetseite entdeckt. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, an Ihrem Literaturclub teilzunehmen. Ich werde von nun an dabei sein. Das Buch von Martina Hefter hatte ich mir und Verena geschenkt. Spröde und ungewöhnlich (traurig) habe ich es empfunden. Vielen Dank auch an Herrn Dr. Vogt! Herzlichen Gruß
Ihre Ingrid Bitter

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