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Achtfacher OB

Es gibt in Sindelfingen eine Stadtzeitung, das „Amtsblatt“, wie es auch genannt wird. Auf einer Seite kann die Verwaltung darin der Bürgerschaft kundtun, was ihr wichtig geworden ist in der zurückliegenden Woche. Der inzwischen in den Ruhestand getretene OB zeigte sich auf dieser Seite gerne auf Fotos mit Bürgerinnen und Bürgern. Sein Rekord: sieben Konterfeis auf einer Seite. Seit August hat die Stadt einen neuen OB. Man durfte gespannt sein, wie er sich in der Fotofrage platzieren würde: zurückhaltender oder noch eitler. Nun wissen wir es. In der neuen Ausgabe der Stadtzeitung, Nummer 38 vom 19. September, sieht der beglückte Bürger „seinen“ OB gleich acht Mal: unter anderem bei einer Mode Fashion, in einem Ruderboot, als Maurer und im Freibad. Er ist offenbar ständig unterwegs und lächelt in die Kamera. Natürlich ist dem Schreiber dieser Zeilen klar, dass der Neue alles tun muss, um bekannt zu werden. Die Sindelfinger sollen wissen: Ihr habt einen Bürgermeister, der überall präsent und sich nicht zu schade ist, die Aktivitäten in „seiner“ Stadt (Modeschauen, Festivitäten, sogar die Altenpflege) zu würdigen. Man fragt sich: Wann arbeitet der Mann eigentlich? Wann sitzt er an seinem Schreibtisch, wann berät er sich mit seiner Mitarbeiterschar, wann leitet er eine Sitzung der gewählten Gremien? Aber vielleicht sehen wir davon demnächst auch Fotos in der Stadtzeitung.

2 Antworten auf „Achtfacher OB“

Ich kenne Sie, Herr Häcker, schon bald Jahrzehnte – wenn auch nicht immer aus nächster Nähe. Aber – ich habe oft Ihre Meinungen als Diskussionsbeitrag geschätzt.
Aber was ist nur mit Ihnen in den letzten Monaten geschehen? Man kann es nicht erkennen oder nachvollziehen. Aber leider sind Ihre Mitteilungen von zunehmender Niveaulosigkeit geprägt. So auch Ihr Beitrag hier und als Leserbrief in der Sindelfinger Zeitung. Wirklich schade, welche Entwicklung Sie genommen haben! Wenn man die „Präsenz“ von Ihrem Politikliebling Maximilian Reinhardt in allen Straßen und Plätzen – und täglich in der Sindelfinger Zeitung (!) – wahrnehmen musste, irritiert Ihre undifferenzierte Wahrnehmung. Und die Bevölkerung fand diesen medienintensiven und sehr kostspieligen Wahlkampf zurecht als maßlos.
Ich wünsche Ihnen persönlich eine Rückkehr zu Ihrem früheren wirklich inspirierendem Format. Aber das scheint ein längerer Weg zu werden!

Es ist natürlich schade, wenn man langjährige Weggefährten wie Herrn K. enttäuscht. Allerdings wird mir nicht ganz klar, was ihn zum Vorwurf der Niveaulosigkeit meines Beitrags „Achtfacher OB“ veranlasst. Ich stelle ja nur etwas fest, was anderen auch aufgefallen ist. Der Hinweis auf meinen „Politikliebling“ und dessen Wahlkampf ist nicht nur Schnee von gestern, sondern auch ein Eigentor. Denn auch der Kandidat K. hat die Stadt eifrig mit seinen Konterfeis geschmückt. Er darf nun als OB zeigen, was er drauf hat, und nicht nur, wo er drauf ist.

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