Scheitert die Digitalisierung Deutschlands an der Rücksicht auf die Alten? Das wäre nach der Rente der nächste Bereich, bei dem man aus Rücksicht auf die Älteren reformunfähig ist. Man glaubt in der politischen Szene von deren Stimmen abhängig zu sein. Es gibt sie natürlich, diese Menschen, die damit kokettieren, dass sie sich nicht mehr mit dem „Elektronischen“ beschäftigen und erwarten, dass man die ihnen liebgewordene analoge Welt bewahrt. Indem man diese Klientel schützt, bewahrt man Deutschland vor dem Sprung in die IT-Modernität. Das Digitale mag einem gefallen oder nicht, aber es ist real. Merkwürdigerweise lässt sich die Welt um uns herum nicht aufhalten. Wenn selbst ein im Krieg befindliches Land wie die Ukraine digital fortgeschrittener ist als wir hier, kommt man ins Grübeln. Inzwischen soll es sogar afrikanische Staaten geben, die digital weiter sind als die Bundesrepublik. Machen die etwas falsch oder sind wir es, die auf dem Irrweg wandeln? Einige Zahlen der letzten Zeit sprechen Bände: Deutschland ist nicht nur im Digitalen, sondern auch bei den Bildungsausgaben im hinteren Drittel, bei den Sozialausgaben und bei der bürokratischen Administration aber weit vorne. Das haben mit ihrer Rücksichtnahme auf die altgewordenen Wählerinnen und Wähler die Regierungen der letzten 20 Jahre verbockt, die Sozialdemokraten vorneweg. Nun ist es aber leider so, dass man es den weniger Routinierten beim Digitalen nicht gerade leicht macht. Es gibt transparente und einfach zu bedienende Internetadressen, aber es gibt auch welche, bei denen gutwillige Alte wie der Schreiber dieser Zeilen verzweifelt, weil ein entscheidender Hinweis fehlt. Den Programmierern mangelt es oft an Vorstellungskraft, wie der ungeübte Nutzer denkt, welche Hilfen er braucht, wie die Hinweise formuliert sein müssen, dass sie auf Anhieb verständlich sind. Die Digitalisierung kann auch an den Digitalisierern scheitern.
Monat: November 2025
Was sind das bloß für Gestalten, in deren Händen das Geschick der Welt liegt? Bei der Klimakonferenz in Belem sind sie nicht bereit, einem Plan für den überfälligen Ausstieg aus der fossilen Energie zuzustimmen. Was schert sie die Zukunft der Menschheit? Es geht ihnen nur um die Zukunft ihrer Gewinne. Niederschmetternd ist auch, wenn man hört, dass in der Ukraine Menschen in hohen Ämtern Geld, das für die Energieversorgung des Landes bestimmt war, in die eigenen Taschen haben fließen lassen. Der Eigennutz ist offenbar auch hier größer als die Verantwortung gegenüber dem leidenden Volk. Und jüngst hat der US-Präsident einen neuen Friedensplan herausgehauen, der seinem Freund Putin signalisiert, dass wohl noch mehr zu holen ist. In der sonntagabendlichen Miosga-Talkshow rätselte man, welche Zeile der Trampler jenseits des Atlantiks verfolge. Es gehe ihm um sich, hieß es, um die Vermehrung seines Vermögens durch gute Geschäfte mit Russland, es gehe ihm wohl auch ein wenig um die Zustimmung der Menschen in den USA, denen die Ukraine egal ist, die wahrscheinlich nicht einmal wissen, wo dieses Land liegt, und es gehe ihm um weltweites Lob für seine Friedenstätigkeit. Die Hoffnung auf den Friedensnobelpreis dürfte ihn noch immer beflügeln. Dabei ist sein letzter Friedensplan, der für Gaza, noch keineswegs umgesetzt. Dort sterben noch immer Menschen und diesmal nicht von israelischer Hand. T wird ungeduldig mit den Füßen scharren, denn aus Gaza ließe sich eine ertragreiche Gegend mache, wenn man nur die Menschen dort anderswo unterbrächte. Aber dieses Problem werden T und sein Freund N auch noch lösen. Was die Ukraine angeht, so erhebt der amerikanische Präsident Anspruch auf die dort in der Erde lagernden wertvollen Rohstoffe und die eingefrorenen Gelder der russischen Milliardäre. Es zeigt sich, dass Tramps Friedensplan ein Finanzplan zu seinem eigenen Wohl ist. Was schert ihn das ukrainische Volk? Dem würde es doch unter der Herrschaft des russischen P gut gehen. Derzeit scharwenzeln die europäischen Staatenlenker um den Amerikaner herum, loben ihn über den Schellenkönig für sein Friedenswirken und hoffen wahrscheinlich auch insgeheim, wie sie möglichst billig aus der Ukraine-Sache herauskommen.
Schrumpfende Gemeinde
Demnächst sind die Kirchenwahlen. Da sind ein paar Bemerkungen vorab angezeigt. In den Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts expandierte und prosperierte Sindelfingen. Auch die hiesige protestantische Gemeinde wuchs. Die Kirchengemeinde schuf immer neue Filialen, baute Kirchengebäude und Gemeindehäuser und bekam eine Pfarrstelle nach der anderen. Zu den drei Pfarrern der Kerngemeinde, von denen einer später der Viehweide zugerechnet wurde, kamen Pfarrer für die Christuskirche und sogar für das angegliederte Hinterweil: Die Johanneskirche hatte zusammen mit der Eichholzgemeinde zwei Pfarrer und auch auf dem Goldberg, der Versöhnungskirche, gab es eine feste Pfarrstelle. Derzeit expandiert Sindelfingen immer noch, es hat mittlerweile über 65000 Einwohner, aber die evangelische Kirchengemeinde schrumpft. Inzwischen ist sie wieder auf dem Stand der Nachkriegszeit oder eher kleiner. Es gibt noch zwei Pfarrstellen. Die Filialen Johannes-Eichholz, Christus-Hinterweil, Goldberg und Viehweide wurden aufgelöst. Aus sieben Gemeinden wurde wieder eine einzige. Das zeigt, wie weit es die evangelische Kirche gebracht hat. Woran liegt es? Die Menschen treten aus den verschiedensten Gründen aus (Geldnot, Missbrauchsfälle, Säkularisierung), Also lohnt sich allenfalls noch eine Kirchengemeinde. Aus der Volkskirche ist eine Minderheitenkirche geworden, die noch weiter schrumpfen wird, weil sie überaltert ist und ihre Mitglieder sterben. Was der Blogschreiber noch anmerken will: Es fehlt der evangelischen Kirche nicht an Verwaltung, der Oberkirchenrat hat sich unlängst in Stuttgart einen neuen Prachtbau für 60 Millionen genehmigt, auch nicht an einem Parlament – Ende November wählen wir wieder eine „Landessynode“. Was fehlt ist der Geist, der Geist der Erneuerung. Vielleicht hätte uns die hauptamtliche Geistlichkeit sogar etwas zu sagen, aber sie tut es nicht. Nur selten regen Gottesdienste an und nicht auf. Wir brauchen Reformen, wir brauchen wahrscheinlich einen Reformator oder eine Reformatorin.