Es heißt, er sei als Einziger der NS-Führung im Volk beliebt gewesen, der 1893 in Rosenheim geborene Hermann Göring. Auch der Vater von Andreas Molitor ist einst dem Charme des Reichsmarschalls erlegen und hat sich freiwillig zur „Division Hermann Göring“ gemeldet. Sein Sohn erzählt nun die Lebensgeschichte dieses beliebten Nazi, allerdings ohne Sympathie. Das Buch ist erschienen im Verlag C. H. Beck. Schon in der Kindheit hat sich Hermanns Machtwille gezeigt. Im Spiel mit Gleichaltrigen wollte er immer der Anführer sein. Im Ersten Weltkrieg zeichnete er sich als Jagdflieger aus. Nach der Niederlage Deutschlands kultivierte er den Hass auf jene, die 1918 kapituliert haben. Auch die Juden hasste er; sie trügen die Schuld am Niedergang des Landes. Ansonsten führt Göring in der Nachkriegszeit ein Lotterleben, wird drogenabhängig und muss sich (in Schweden) einer harten Entziehungskur unterziehen. Erst durch die Begegnung mit Hitler bekommt sein Leben wieder einen Sinn. Er verfällt dem Weltkriegsgefreiten und seiner Ideologie. Hitlers Machtergreifung 1933 wäre ohne Görings rücksichtslos agierende SA-Truppen nicht gelungen. Der „Führer“ zeigt sich anschließend dankbar. Er macht Göring zum Stellvertreter und beauftragt ihn mit dem Aufbau einer Kriegswirtschaft. Der technisch unbedarfte Göring bekommt sogar die Zuständigkeit für die Luftwaffe. Gesetze und Menschenrechte interessieren ihn nicht. Er organisiert die Verfolgung und Vernichtung der Juden. Vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal wird er das später bestreiten. Im Krieg versagt „seine“ Luftwaffe kläglich. Hitler wendet sich von ihm ab. Göring verfolgt nun verstärkt vor allem persönliche Interessen. Er lebt auf großem Fuß, legt an Leibesfülle zu, bereichert sich an jüdischem Vermögen und eignet sich Unmengen wertvoller Kunstschätze an. Sie werden in seiner Luxusresidenz Carinhall gelagert. Beim Nürnberger Prozess behauptet er, die Kriege gegen England und die Sowjetunion abgelehnt zu haben. Leider habe er sich gegen den Führer nicht durchsetzen können. Seiner Hinrichtung durch den Strang entzieht er sich durch Suizid.
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