Scheitert die Digitalisierung Deutschlands an der Rücksicht auf die Alten? Das wäre nach der Rente der nächste Bereich, bei dem man aus Rücksicht auf die Älteren reformunfähig ist. Man glaubt in der politischen Szene von deren Stimmen abhängig zu sein. Es gibt sie natürlich, diese Menschen, die damit kokettieren, dass sie sich nicht mehr mit dem „Elektronischen“ beschäftigen und erwarten, dass man die ihnen liebgewordene analoge Welt bewahrt. Indem man diese Klientel schützt, bewahrt man Deutschland vor dem Sprung in die IT-Modernität. Das Digitale mag einem gefallen oder nicht, aber es ist real. Merkwürdigerweise lässt sich die Welt um uns herum nicht aufhalten. Wenn selbst ein im Krieg befindliches Land wie die Ukraine digital fortgeschrittener ist als wir hier, kommt man ins Grübeln. Inzwischen soll es sogar afrikanische Staaten geben, die digital weiter sind als die Bundesrepublik. Machen die etwas falsch oder sind wir es, die auf dem Irrweg wandeln? Einige Zahlen der letzten Zeit sprechen Bände: Deutschland ist nicht nur im Digitalen, sondern auch bei den Bildungsausgaben im hinteren Drittel, bei den Sozialausgaben und bei der bürokratischen Administration aber weit vorne. Das haben mit ihrer Rücksichtnahme auf die altgewordenen Wählerinnen und Wähler die Regierungen der letzten 20 Jahre verbockt, die Sozialdemokraten vorneweg. Nun ist es aber leider so, dass man es den weniger Routinierten beim Digitalen nicht gerade leicht macht. Es gibt transparente und einfach zu bedienende Internetadressen, aber es gibt auch welche, bei denen gutwillige Alte wie der Schreiber dieser Zeilen verzweifelt, weil ein entscheidender Hinweis fehlt. Den Programmierern mangelt es oft an Vorstellungskraft, wie der ungeübte Nutzer denkt, welche Hilfen er braucht, wie die Hinweise formuliert sein müssen, dass sie auf Anhieb verständlich sind. Die Digitalisierung kann auch an den Digitalisierern scheitern.
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