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Abgelehntes Dienen

Es gab einmal eine Zeit, in der einige Schülerinnen und Schüler den Schulstreik für das Klima ausriefen und dem Unterricht fernblieben. Das war ein Verstoß gegen die Anwesenheitspflicht. Die Schulleitungen haben das auch deutlich machen müssen. Aber man hatte Verständnis für dieses Engagement. Nun gibt es einen neuerlichen Schulstreik. Diesmal geht es um die Ablehnung der Wehrpflicht. Die ist zwar noch nicht eingeführt, könnte aber drohen, wenn sich zu wenig für den Freiwillige für die Armee melden. Während es beim Klimastreik um ein uneigennütziges Thema ging, die Sorge um die Zukunft unseres Planeten, steht beim Wehrpflichtstreik der Eigennutz im Vordergrund: die Freizeit. Man ist dagegen, dass „der Staat“ ein halbes Jahr der Lebenszeit in Anspruch nehmen will. Wehrdienst oder ein freiwilliges soziales Jahr kommen für sie nicht in Frage. „Ich zuerst“ ist ihre Maxime. Der Verfasser dieser Zeilen kann sich noch gut an die Zeit der Wehrpflicht erinnern. Wer den Wehrdienst verweigern wollte, musste vor einem mehrköpfigen Ausschuss seine Gründe darlegen. Das war die Voraussetzung für die „Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer“. Die Verweigerer mussten einen sozialen Dienst ableisten, der länger dauerte als der Wehrdienst. Es ging damals nicht um die Maximierung der Freizeit, sondern um die ethische Frage, ob das Führen eines Krieges mit Atomwaffen vertretbar sei. Wer sich damals gegen den Dienst in der Bundeswehr entschied, handelte nicht aus Eigennutz. Man „diente“ dennoch, wenn auch anders.

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