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Digitalisierung Medien

Undurchsichtiger TV-Anbieter

Der klassische Fernsehzuschauer hat es nicht leicht. Das Fernsehen kommt heutzutage übers Internet. Es gelangt von einem „Übergabepunkt“ aus über eine „Leitung“ in sein Gerät. „Das Fernsehen“, das sind einige hundert Kanäle mit bekannten und unbekannten Sendern. Sie erscheinen nach einem „Suchlauf“ auf einer Liste und können dann eingeschaltet werden. Der Anbieter dieser Kanäle hieß früher „Kabel BW“, dann „unitymedia“. Nun heißt der „Versorger“ Vodafone. Dabei muss es sich um einen riesigen Konzern handeln, bei dem die eine Abteilung nicht weiß, was die andere tut. Der „Hausbesuch“ eines Mitarbeiters von V, der angeblich den „Anschluss“ im Keller überprüfen wollte, entpuppte sich bald als Werbeaktion. An soll doch das ganze Internet von V beziehen und nicht mehr von der Konkurrenz. Der Werber stellte dann fest, dass unsereins für das Kabelfernsehen zu viel bezahle (20 € im Monat). Er „verkaufte“ einen Vertrag, der sieben Euro billiger ist als der bestehende. So weit, so gut. Es kam sogar eine schriftliche Bestätigung des neuen Vertrags und die Mitteilung über die Kündigung des alten. Das Dumme daran ist, dass die „alte Abteilung“ nichts von dem neuen Vertrag weiß. Sie bombardiert den Kunden, mich, seit Wochen mit Aufforderungen, die Kündigung zu überdenken und einen neuen Vertrag abzuschließen. Zwei Anrufe bei der angebotenen Nummer offenbarten, dass man dort von dem Vertragswechsel nichts wusste. Das sei eine andere Abteilung. Ob der neue Vertrag denn irgendwo registriert sei, fragte ich. Das wurde von der Dame nach längerem Forschen in den Tiefen ihres PC bejaht. Aber auch danach kommen ständig „Mahnungen“, die Kündigung zu stornieren, weil man sonst gezwungen sei, „das Fernsehen“ am Tag XY „abzuschalten“. Mein Versuch, der Firma V den Unsinn ihrer Aktion zu vermitteln, scheiterte schon im Ansatz, weil es keine Möglichkeit gibt, ihr eine Nachricht zukommen zu lassen. Der riesige Medienkonzern hat keine E-Mail-Adresse, an die man sich wenden kann – aus Angst vor dem Kunden?

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Irreführende Ankündigungen

Ein Phänomen, das beträchtlich zur Politikverdrossenheit beiträgt, ist die Ankündigung– Man hört sie im Radio bei Interviews, liest sie in der Zeitung, in den Parteiprogrammen. Da heißt es, man möchte dies oder jenes ändern, wenn man gewählt werde. Auf Parteitagen werden großartige Beschlüsse gefasst. Politiker behaupten, sie würden etwas tun, wenn man ihnen die Macht überlasse. Der Strauß der Ankündigungen ist bunt: Man will den Zucker höher besteuern, die Altersschwelle für den Alkoholerwerb erhöhen, die Erbschaftssteuer gerechter gestalten, eine bestimmte Waffe an die Ukraine liefern, die Energie um der Wirtschaft oder der Gerechtigkeit willen verbilligen oder des Klimawandels wegen verteuern. Man will mehr Wohnungen bauen, die Sicherheit der Infrastruktur erhöhen, die Wehrpflicht wieder einführen oder keineswegs wieder einführen. Flüchtlinge sollen vermehrt abgeschoben, Arbeitskräfte verstärkt angeworben werden. Die Bürokratie soll abgebaut und die Digitalisierung verbessert werden. Die Renten müssen sicherer gemacht, die Pflege verbessert werden. Schüler sollen dieses oder jenes lernen oder nicht mehr lernen. Das Heizungsgesetz wird abgeschafft oder verbessert werden. Die Schulden sollen sinken oder steigen. Vieles klingt lobenswert, manches eher nicht. Was der einfache Bürger übersieht: Es handelt sich um Ankündigungen und nicht um Taten. Die Wirklichkeit soll besser werden, aber zunächst bleibt sie, wie sie ist. Denn der Weg von der Ankündigung zur Realisierung ist steinig und lang. Es gibt Einsprüche und Widersprüche. Man verhandelt darüber mit denen, die dagegen sind. Man schreibt eine Verordnung oder ein Gesetz. Letzteres muss beschlossen werden. Dafür braucht es Mehrheiten. Die muss man erst einmal finden. Und wenn ein Gesetz schließlich in Kraft ist, gibt es Übergangsfristen. Bei diesem Prozedere gehen Jahre ins Land. Inzwischen haben wir Bürger die Ankündigung vergessen oder meinen, es sei alles schon längst Wirklichkeit. Was für ein Irrtum!

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Frostige Zeiten

Die Überschrift lässt sich wörtlich verstehen: Wir haben einen kalten Winter. Dass es am frühen Morgen zweistellige Minusgrade gibt und sogar Schnee liegt, das hatten wir schon lange nicht mehr. Wir dachten, die Winter würden in Zeiten des Klimawandels milder, aber haben nicht gehört, dass der auch Extremwetter hervorbringen kann. Das derzeit als extrem Empfundene war einst die Normalität. Derzeit werden die häuslichen Heizungen einem Härtetest unterzogen und in ein paar Monaten folgt der Härtetest der Haushaltbudgets, wenn die Rechnungen fürs Heizen auf den Tisch kommen. Soweit die Überschrift in ihrer wörtlichen Bedeutung. Metaphorisch ist sie ebenfalls ergiebig. Das Gemeinwesen muss durch eine frostige Phase. Außenpolitisch weht dem Land kalter Wind ins Gesicht. Es ist umgeben von Aggressoren, mit denen man nichts Rechtes anfangen kann. So beschränkt man sich darauf, die Armee zu vergrößern und aufzurüsten. Vielleicht beeindruckt das sogar unseren Feind im Osten und unseren problematischen Verbündeten im Westen. Aber auch innenpolitisch geht es frostig zu. Wir leiden unter einer lahmenden Wirtschaft, der aufzuhelfen es der Regierung an Ideen und vor allem Geld mangelt. Wir haben ein schönes, aber teures Sozialsystem, dessen Finanzierung in den nächsten Jahrzehnten völlig ungeklärt ist. Es soll, so heißt es, eine Reform der Altersversorgung, des Gesundheitswesens und der Pflegeversicherung kommen. Wird man sich trauen, den Bürgern zu sagen, dass sie „Abstriche“ werden hinnehmen müssen, oder wird man – wie gewohnt – die Probleme durch eine Erhöhung der Verschuldung lösen? Jene, die diese Beschlüsse fassen, werden längst im Ruhestand oder verblichen sein, wenn es ans Bezahlen geht. Die Rechnung dafür wird den nächsten Generationen präsentiert. Die können einem schon jetzt leidtun. Zu den frostigen Aspekten gehört auch die Zunahme der Radikalen rechts und links. Dass mit ihnen kein Staat zu machen ist, zeigte sich jüngst in Brandenburg. Vermutlich werden unsere Brüder und Schwestern im Osten noch weitere Versuche dieser Art „wählen“. Wir werden sehen, was daraus wird.