Die Überschrift lässt sich wörtlich verstehen: Wir haben einen kalten Winter. Dass es am frühen Morgen zweistellige Minusgrade gibt und sogar Schnee liegt, das hatten wir schon lange nicht mehr. Wir dachten, die Winter würden in Zeiten des Klimawandels milder, aber haben nicht gehört, dass der auch Extremwetter hervorbringen kann. Das derzeit als extrem Empfundene war einst die Normalität. Derzeit werden die häuslichen Heizungen einem Härtetest unterzogen und in ein paar Monaten folgt der Härtetest der Haushaltbudgets, wenn die Rechnungen fürs Heizen auf den Tisch kommen. Soweit die Überschrift in ihrer wörtlichen Bedeutung. Metaphorisch ist sie ebenfalls ergiebig. Das Gemeinwesen muss durch eine frostige Phase. Außenpolitisch weht dem Land kalter Wind ins Gesicht. Es ist umgeben von Aggressoren, mit denen man nichts Rechtes anfangen kann. So beschränkt man sich darauf, die Armee zu vergrößern und aufzurüsten. Vielleicht beeindruckt das sogar unseren Feind im Osten und unseren problematischen Verbündeten im Westen. Aber auch innenpolitisch geht es frostig zu. Wir leiden unter einer lahmenden Wirtschaft, der aufzuhelfen es der Regierung an Ideen und vor allem Geld mangelt. Wir haben ein schönes, aber teures Sozialsystem, dessen Finanzierung in den nächsten Jahrzehnten völlig ungeklärt ist. Es soll, so heißt es, eine Reform der Altersversorgung, des Gesundheitswesens und der Pflegeversicherung kommen. Wird man sich trauen, den Bürgern zu sagen, dass sie „Abstriche“ werden hinnehmen müssen, oder wird man – wie gewohnt – die Probleme durch eine Erhöhung der Verschuldung lösen? Jene, die diese Beschlüsse fassen, werden längst im Ruhestand oder verblichen sein, wenn es ans Bezahlen geht. Die Rechnung dafür wird den nächsten Generationen präsentiert. Die können einem schon jetzt leidtun. Zu den frostigen Aspekten gehört auch die Zunahme der Radikalen rechts und links. Dass mit ihnen kein Staat zu machen ist, zeigte sich jüngst in Brandenburg. Vermutlich werden unsere Brüder und Schwestern im Osten noch weitere Versuche dieser Art „wählen“. Wir werden sehen, was daraus wird.
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