Bei Wahlen gibt es Gewinner und Verlierer. Die kleinen Verlierer, Linke, Liberale und Sozialdemokraten, haben ihre Schlappe akzeptiert und suchen nun nach Wegen aus dem Schlamassel. Offenbar ist ihnen klar, dass sie die Gründe für das schlechte Ergebnis bei sich selbst suchen müssen. Der große Verlierer, die CDU, hat die Schlappe noch nicht verwunden. Weil man der Meinung ist, alles richtig gemacht zu haben, kann die Niederlage nur an anderen liegen. Man eifert über den Wahlsieger Ö., der nicht als Grüner aufgetreten sei, sondern sich von seiner Partei distanziert habe. Dazu sei festgestellt, dass im hiesigen Wahlkreis die Grünen-Plakate alle grün eingefärbt waren, man also durchaus in der Lage war, sie den Grünen zuzuordnen. Auch habe der Kandidat nichts über das Klima gesagt, heißt es. Hierzu ist zu bemerken, dass an den Straßenrändern mehrere Plakate mit dem Wort „Klima“ zu sehen waren. Die waren grün eingefärbt und nicht etwa schwarz, rot oder blau. Der schlimmste Vorwurf, der aus der schwarzen Parteizentrale nun an die Öffentlichkeit dringt, ist allerdings der: Die Grünen verdanken ihren Wahlsieg einer „Schmutzkampagne“. Es geht um ein Video, in dem sich der CDU-Kandidat über die rehbraunen Augen einer Realschülerin wohlwollend auslässt. Dieses Video ist nicht von einer KI generiert worden, sondern von der Wirklichkeit. Es geisterte schon länger im Netz herum. Seine Löschung wurde offenbar nicht betrieben. Dass es „Mist“ sei, fiel dem christlichen Spitzenkandidaten erst ein, als er es wieder sah. Aber was ist daran „Mist“? Dass es bekannt wurde? Dass die Augen „Mist“ sind oder der Satz darüber? Warum gibt der Mann nicht zu, dass ihm das Mädchen gefallen hat? Weil ein Politiker sich so etwas nicht leisten kann? Ich sehe es so: Die CDU hat „Mist“ gemacht. So unprofessionell darf man mit einer solchen Geschichte nicht umgehen. Doch Selbstkritik geht nicht. Die andern sind schuld: Die Grünen sind die Mistkerle, die den CDU-Mist in unanständiger Weise publiziert haben. Wann wird man sich in der CDU-Zentrale zu der Einsicht durchringen, dass es am Kandidaten lag, nicht weil er rehbraune Augen schön findet, sondern weil er seine Politik langweilig verkörpert hat. Nun bleiben ihm fünf Jahre, um an Professionalität zuzulegen. Die schmutzigen Querelen der künftigen „Partner“, die allseits konstatierte „vergiftete Atmosphäre“, lassen Schlimmes für die Zukunft des Landes BW befürchten. Dabei sieht die schon trübe genug aus.
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