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Spontane Kriege

Wer einen Krieg anfängt, ist überzeugt, dass er ihn gewinnt. Das glaubte Putin, als er die Ukraine angriff, das glaubt Trump im Hinblick auf den Iran. Dabei hatten ihn seine militärischen Ratgeber im Vorfeld gewarnt. Aber er hat auf die Fachleute nicht gehört. Nun stecken alle im Schlamassel, die Iraner natürlich, mit denen allerdings kaum jemand Mitleid hat, die Amerikaner, weil sie merken, dass die Sache nicht so einfach ist wie gedacht und überdies teuer, viele asiatische Staaten, denen plötzlich das Öl ausgegangen ist, die Europäer, die zwar nicht mit von der Kriegspartie sind, aber das Unternehmen über höhere Energiepreise mitfinanzieren, und die Israelis, die sich plötzlich in einem Zwei-Fronten-Krieg befinden. Wer einen Krieg anfängt, will am Ende nicht als Verlierer dastehen. Das zieht die Sache in die Länge, denn aufhören kann man nur dann, wenn man das Gesicht nicht verliert. Der Zweite Weltkrieg hat sechs Jahre gedauert, weil Deutschland zu spät kapituliert hat. Der Koreakrieg (1950 – 1953) hat nur deshalb „aufgehört“, weil er immer noch nicht zu Ende ist. Beide Koreas befinden sich immer noch im Kriegszustand. Der Krieg gegen die Ukraine geht weiter, weil Russland immer noch glaubt, ihn gewinnen zu können. Der Iran-Krieg wird aufhören, wenn beide Seiten ihr Pulver verschossen haben. Das kann dauern. Die Kollateralschäden werden wir alle bezahlen. Für den deutschen Kanzler hat es den Vorteil, dass er besser erklären kann, warum seine Wirtschaftspolitik keine Erfolge vorweist. Denn gegen „höhere Gewalt“ sind wir machtlos. Wie praktisch.

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