Keine Frage – das Tier ist arm dran. Es ist krank und desorientiert und wird wohl bald das Zeitliche segnen. Es ist auch ein gutes Zeichen, dass die Öffentlichkeit so viel Anteil an seinem Schicksal nimmt, ein vorösterliches Schicksal, das von Leiden und Sterben kündet. Aber das gestrandete Tier ist auch zum Symbol für unser Land geworden. Alle Bemühungen, Deutschland wieder flott zu machen, waren bisher vergeblich. Es gelingt uns nicht mehr, ins offene Meer zu gelangen. Die Wirtschaft siecht, die Reformen kommen nicht in Gang. Das liegt natürlich auch an äußeren Umständen, die unserem Zugriff entzogen sind. Es gibt einen Krieg in Europa, gegen den wir machtlos sind, es gibt einen anderen Krieg im Nahen Osten, den wir nicht beeinflussen können, der uns aber schwer zu schaffen macht. Dazu kommt ein Amerika, das außer Rand und Band ist. Und im ferneren Osten wächst ein Land zur Großmacht heran, dessen Pläne wir nicht durchschauen und dessen wirtschaftlicher Expansion wir nichts entgegenzusetzen haben. Unsere Regierung sieht die Gefahren und weiß auch um die hausgemachten Probleme. Sie strengt sich an, aber ob sie das gestrandete Deutschland aus seinem Siechtum befreien kann, ist nicht gewiss. Ob der Wal in der Ostsee noch den Willen zum Leben hat, entzieht sich unserer Kenntnis, ob Deutschland die Kraft aufbringen wird, sich von seinen lähmende Fesseln zu befreien, wird die Zukunft lehren. Zu einem Vogel sagt man: Friss oder stirb. Unserem Land müsste man sagen: Pack endlich deine Probleme an, sonst bleibt es nicht beim Stranden, sondern es droht der Untergang!
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