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Ausgebuhter Kanzler

Er hat das Buhen – soll man sagen „stoisch“? – über sich ergehen lassen. Es war die Folge einiger unangenehmer Aussagen, die das Gemüt der Gewerkschafter in Wallung gebracht haben. Merz täte allerdings gut daran, seine Aussage, dass alle zusammenwirken müssen, wenn es mit der Reform des Wirtschaftsstandorts Deutschland vorankommen soll, mit Taten zu belegen. Er sollte sich nicht länger dagegen sperren, auch den Wohlhabenden, den Staatsdienern, Ruheständlern, den Autofahrern und den Erben etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Woher soll das Geld für die „Entlastung der kleinen und mittleren Einkommen“ sonst kommen? Der Eindruck, er wolle seine Klientel aus wahltaktischen Gründen schonen, darf keinesfalls aufkommen. Wenn „alle“ ihren Beitrag leisten müssen, dann sollen es auch alle tun. Wenn die Führung des DGB meint, man könne den jetzigen Sozialstaat weiterhin finanzieren, ohne den eigenen Mitgliedern etwas zuzumuten, dann irrt sie. Man kann und darf natürlich laut buhen, wenn der Kanzler spricht, und damit seinen Unmut zeigen. Aber es zeugt von wenig Einsicht in die Notwendigkeiten. Weder Merz noch Bas sind den Gewerkschaften verpflichtet, sondern dem „ganzen deutschen Volk“. Das haben sie geschworen. Dabei sollte es auch bleiben. Dass die Arbeitnehmervertretung nur die Interessen und die Geldbeutel ihrer Mitglieder im Auge hat, muss man ihr nachsehen. Dass sie diese Interessen rücksichtslos durchzusetzen vermag, hat sie oft genug bewiesen. Aber dass sie für ihre Streiks auch noch die Sympathie von uns anderen erwartet, ist weltfremd. Man darf gespannt sein, ob die Regierung ihre (hoffentlich ausgewogenen) Reformvorhaben angesichts der zu erwartenden Proteste weichspült oder ob sie sich vom Wohl des ganzen Landes leiten lässt und ihre Pläne gegen allen Widerstand „durchboxt“.

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