Das Eindrucksvollste am schmählichen Aus der deutschen Kicker bei der Weltmeisterschaft ist nicht so sehr deren Unfähigkeit, gegen eine mittelmäßige Mannschaft Tore zu erzielen, sondern die Äußerung des gescheiterten Trainers Nagelsmann, seinen Job behalten zu wollen, und die Zusage des übergeordneten Chefs Völler, dass der Trainer „im Amt“ bleiben soll. Ist der Mann denn „beamtet“, hat er wie ein Beamter trotz Erfolglosigkeit Kündigungsschutz? Irgendwie scheinen die Funktionäre des bezahlten Fußballs der Wirklichkeit enthoben zu sein. Die Impertinenz des großen Infantino an der Spitze des Fußballweltverbands strahlt offenbar auf die kleinen Infantinos in den Landesverbänden ab. Das Spiel am 29. Juni, das bis in den 30sten hineinging, war für den zahlenden Kunden am TV-Gerät eine Zumutung. Ein unentwegtes Ballverteilen, quer über den Platz, ein Zögern weit vor dem Strafraum, immer wieder Ballverluste, die den Paraguayern Möglichkeiten zu Kontern boten. Es war grauslich anzusehen und zum Weinen. Man hatte den Eindruck, dass die Männer, die Deutschland auf dem Platz in Boston repräsentieren sollten, es mit der Repräsentanz ihres Landes zu ernst nahmen. So wie die große Politik viel von Torschüssen (grundlegenden Reformen) redet, aber das Tor (den Schlüssel zu diesen grundlegenden Reformen) nicht findet, so machten auch die Kicker in Weiß nicht den Eindruck, sie wüssten, wo der Ball letztlich hinmuss: ins Tor. Der Gegner versperrte ihnen den Blick und so trafen sie eben nicht. Es führt kein Weg daran vorbei: Der deutsche Fußball ist in klägliche Mittelmäßigkeit versunken. Er schafft es bei Weltmeisterschaften schon lange nicht mehr ins Achtelfinale. Der Trainer hat uns glauben lassen, wir gehörten zur Weltspitze. Schon deshalb muss er gehen. Goethe hat es auf den Punkt gebracht: Ein großer Aufwand, schmählich ist vertan.
Monat: Juni 2026
Man könnte an das täglich grüßende Murmeltier denken, wenn man die Berichte über den neuesten Bildungsbericht liest. Es hat sich nichts geändert. Die schulischen Leistungen sind wenig erhebend. Ein Viertel der Neuntklässler liegt unter dem Mindestlevel. Und es sind weiter die gleichen Herkünfte, die über das Bildungswohl des Kindes entscheiden. Die aus dem Milieu der Alleinerziehenden und der Migranten haben es besonders schwer. Ich weiß nicht, wie lange wir das schon wissen. Es heißt, die Kultusministerien würden sich anstrengen, aber dass sie sich Mühe gegeben haben, wird an keinerlei Erfolg messbar. Etwas bedeckt hält man sich mit der Ursachenforschung. Dass es in den Schulen immer schwieriger wird, gedeihliche Arbeitssituationen zu schaffen, wird nicht erwähnt. Es fehlt an der Erziehung und an der Bereitschaft der Kinder, sich anzustrengen. Woran das wohl liegt? Dazu kommt, dass der Zustand ihres sprachlichen Könnens beklagenswert ist. Viele sprechen nach der Kita-Zeit nur rudimentär Deutsch. Da fragt man sich schon, was in dieser wichtigen Phase an Sprachvermittlung geschehen ist. Offenbar wenig. Nun hat die Bundesbildungsministerin eine (uralte) Idee: Die Vierjährigen sollen einem verpflichtenden Sprachtest unterzogen werden. Man darf gespannt sein, ob sie das gegenüber den Ländern durchsetzen kann. Denn die müssten es machen. Es würde Geld und Personalressourcen benötigen. Aber die Länder gerieren sich gerne arm. Wenn der Bund nicht alles zahlt, wird es nichts mit dem Test. Nach seiner Durchführung wissen wir über den desolaten Sprachzustand der Kinder bestens Bescheid. Und was dann? Wie beheben wir die Defizite? Indem die Kitas das machen, wozu sie eh verpflichtet sind: die Kinder sprachlich zu fördern. Dann mal los!
Bürokratische Bürde
Alle wollen ihn, den Bürokratieabbau, und das schon lange. Aber offenbar ist er nicht so einfach. Was ist das Problem? Es ist nicht die Bürokratie, an der ein Abbau scheitert, sondern es sind Gesetze und Verordnungen, die sie ständig befeuern. Die sind voller Regelungen, die einzuhalten sind. Es gibt eine einfache Lösung des Problems: Was vorgeschrieben ist, wird eingehalten. Dazu bedarf es keiner Kontrolle, nur Vertrauen. Derlei gibt es auch: Auf den Straßen innerhalb einer Ortschaft ist Tempo 50 verlangt. Dies wird nicht überall kontrolliert, sondern nur ab und zu. Die meisten halten sich an das Limit, ein paar aber nicht. Sie werden manchmal „erwischt“ und bekommen einen Strafzettel. In diesem Augenblick wird die Bürokratie aktiv: Sie ordnet eine Kontrolle an, der gehen sündige Autofahrer ins Netz. Die erhalten einen schriftlichen Bescheid über ihre „Ordnungswidrigkeit“. Der Eingang des Geldes wird von der Behörde kontrolliert. Wird nicht bezahlt, sind weitere bürokratische Schritte nötig. Wenn allen Straßenabschnitte kontrolliert würden, müssten viele Kameras aufgestellt und reichlich Menschen beschäftigt werden: ein Wachstumsprogramm für die Bürokratie. Manche verbreiten die Idee, Gesetze und Verordnungen abschaffen. Das hätte einen Abbau der Bürokratie zur Folge. Aber warum Gesetz abschaffen, die aus guten Gründen eingeführt wurden. Der Verzicht auf Tempo 50 innerorts hätte schlimme Folgen. Ich schlage vor, nicht die Gesetze abzuschaffen, sondern die übertriebene Kontrolle. Die Stichprobe ist bereits erfunden. Wenden wir sie doch einfach an.