Die Schriftstellerin Caroline Wahl ist eine Meisterin der provozierenden Selbstvermarktung. Damit erhöht sie ihren Bekanntheitsgrad. Kritik an ihrem Medienrummel lässt sie an sich abperlen. „Falsche Bescheidenheit“ lehnt sie entschieden ab. Sie kann sich das leisten. Ihre ersten drei Romane waren Erfolge beim Publikum und haben sie wohlhabend gemacht. Der Reichtum wird nun noch weiterwachsen, denn dieser Tage erscheint ihr vierter Roman. Er wird sicher auch wieder ein Bestseller. Zeitgleich wird auch Wahls publizistisches Engagement für Mercedes-Benz publik gemacht werden. Diese Zusammenarbeit hatte sich abgezeichnet. Im ersten Wahl-Roman „22 Bahnen“ fährt eine der Hauptpersonen einen Mercedes der M-Klasse. Die Symbiose zwischen dem jungen Mann, einem erfolgreich in der IT-Branche Beschäftigten, und seinem Mercedes, ist innig. Damit hat sich Wahl wohl in die Herzen des Daimler-Managements geschrieben. Natürlich werden wir nicht erfahren, wie das publizistische Engagement zwischen der trendigen Autorin und dem schwächelnden Autohersteller honoriert wird. Aber lumpen werden sich die Autobauer nicht lassen. Es ist ein Joint-Venture, das beiden nützt. Die Autobauer geben sich eine kulturelle Noten, die Autorin ist in aller Munde. Das wird die Verkaufszahlen erhöhen. Manche wundern oder ärgern sich über diese Nähe der Literatur zur Autobranche. Aber ist das nicht kleinlich? Wahl liegt es fern, kritische Töne über den Kapitalismus oder die Klimaprobleme zu äußern. Da ist sie ganz entspannt. Fröhlich huldigt sie in ihren Büchern dem Zeitgeist. Die Schreibbranche hat Probleme, die Autobranche auch – was liegt näher, als sich gegen den negativen Trend zu beider Nutzen zu verbinden?
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