Während dieser Text entsteht, ist immer noch unklar, ob sich die schwarz-rote Regierung bei der Reform der Pflegeversicherung einigen kann. Diese Reform ist dringend, weil der Pflegekasse das Geld ausgeht. Pleite gehen kann sie zwar nicht, weil ihr der Staat im Notfall unter die Arme greift. Aber das Geld, das auf diese Weise ausgegeben wird, fehlt an anderer Stelle oder es wird über Schulden erzeugt. Das jedoch verschärft ein anderes Problem: Die Belastung der Jüngeren durch Zinsen (und Tilgung) wird weiter steigen. Die Nachfolgenden müssen also auch noch das teure Leben der zu Pflegenden schultern. Teuer ist es vor allem wegen der Heimkosten. Seit die Löhne der Pflegerinnen und Pfleger gestiegen sind, sind folgerichtig auch die Kosten der Heimunterbringung gestiegen, für manche ins Unbezahlbare. Manche müssen Immobilien verkaufen, wenn sie welche haben, um sie zu finanzieren. Denn die Kommunen springen erst dann als Zahler ein, wenn bei den Familien nichts mehr zu holen ist. Das Dilemma ist gewaltig: Ein Pflegenotstand, der Mangel an Personal, wurde durch einen neuen abgelöst, den Mangel an Geld zur Bezahlung der Pflege. Wenn man diesem Notstand durch staatliche Zuschüsse begegnet, hat es einen weiteren zur Folge, die Verschuldung der „Öffentlichen Hand“. Nun gibt es einen Ausweg: die Einbeziehung der Privatversicherten in die gesetzliche Pflegeversicherung. Die Folge wäre eine Erhöhung der Beiträge dieser Personengruppe. Vielleicht würden die Betroffenen das auch gerne hinnehmen, wenn man ihnen erklärte, dass ihr Geld für einen guten Zweck verwendet wird, nämlich für die Bezahlung der Pflege ärmerer Menschen. Die Ghostwriter der Politiker sind gefordert. Sie müssen das „Narrativ“ (so sagt man dazu) dieser Vermögensumverteilung formulieren.
Monat: September 2026
Komplizierter Fußball
Das Handauflegen des Fußball-Messias Klopp hat nicht gereicht, die deutschen Kicker kickten gegen Griechenland auch nicht besser als bei der vergeigten WM. Als Entschuldigung wird vorgebracht, dass der neue Chefcoach keine Zeit hatte, den Spielern seine Philosophie zu vermitteln. Vielleicht war die Gruppenarbeit zu kurz oder zu ineffektiv oder die Arbeitsblätter haben nichts getaugt? Die Vorstellung Klopps vom Fußballspiel wird oft mit dem Adjektiv „ballorientiert“ beschrieben. Das sollte nicht so schwierig sein. Seit jeher wird Fußball mit dem Ball am Fuß gespielt. Den Ball muss man treffen und nach Möglichkeit in eines der Tore „schießen“, die an den Enden des Feldes platziert sind. Dort steht allerdings ein Torhüter oder Torwart, der das Spielgerät daran hindert, dass es ins Tor geht. Auch die griechische Mannschaft hatte einen Torwart. Er steht jeder Mannschaft zu. Dieser ließ es einfach nicht zu, dass der von den deutschen Kickern auf den Weg geschickte Ball ins Tor ging. Doch halt: Einem ist es gelungen, dem deutschen Mannschaftsführer, den man auch Kapitän nennt. Er schlenzte den Ball ins Tor und düpierte den Torwächter. Allerdings verwechselte er das eigene Tor mit dem gegnerischen. Die Ballorientiertheit ist den Klopp-Schülern meines Erachtens durchaus gelungen. Sie haben es geschafft, sich das „Leder“ gegenseitig zuzuschieben, aber es fehlte eine andere Orientierung: die in Richtung griechisches Tor. Aber wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Nachdem die erste Auswahl mit der Spielphilosophie ihre Schwierigkeiten hatte, könnte die andere erste Mannschaft beweisen, dass es gar nicht so schwierig ist, den Ball ins richtige Tor zu bringen.
Angeschwiegene Kinder
Den deutschen und den eingedeutschten Kindern mangelt es an der deutschen Sprache. Sie tun sich schwer mit dem Lesen, dem Verstehen des Gelesenen, dem Schreiben und dem Reden. Das ist der neue (und alte) Befund der PISA-Studie. Das ist kein Wunder. Es wird zwar in unserer Gesellschaft furchtbar viel geredet und auch kommuniziert, aber mittels der Geräte, in die gesprochen oder etwas eingetippt wird. Zwischen denen in der Fernen besteht über die Geräte ein ausschweifender Austausch. Dafür kommen die in der Nähe Lebenden zu kurz Man sieht Mütter, die zwei Kinder mit sich herumschleppen, aber nicht mit ihnen, sondern mit ihrem Handy in Kontakt sind. Da ist etwas verloren gegangen: Sprechen lernt man durch Sprechen, Sprechen lernt das Kind von der Mutter (auch vom Vater), man nennt das auch Muttersprache. Schreiben lernt man durch Schreiben, also in der Schule. Wie man hört, wird dort immer seltener geschrieben. Vom Üben des Schreibens halten sie in der Grundschule offenbar nicht mehr viel. Lesen lernt man durch Lesen. Das Vorlesen ist eine der schönsten Pflichten der Eltern. Wissen die das noch? Wer vorgelesen bekommt, will auch selbst lesen. In der Grundschule und in den Klassen fünf müsste jedes Kind jeden Tag mindestens fünf Minuten am Stück laut vorlesen. Besser mehr. Zu Hause sollte es den Eltern oder Geschwistern vorlesen. Wenn es dann auch noch über das Gelesene sprechen dürfte, würde man bald Fortschritte merken. Vielleicht schon in vier oder acht Jahren, beim nächsten PISA-Test. Und die armen Migrantenkinder? Für sie gilt dasselbe. Den Eltern müsste man einhämmern, dass nicht nur ihre Kinder, sondern auch sie selbst Deutsch lernen müssen. Es gibt Angebote im Fernsehen in deutscher Sprache, es gibt Werbespots im Radio, es gibt einfache Hörbücher. Es gibt sogar Sprachkurse. Man muss nur wollen. Oder vielleicht auch müssen.