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Automobile Schrumpfkur

Die Zeitungen melden einen beträchtlichen Stellenabbau bei Audi und Daimler. Allerdings soll niemandem gekündigt werden. Man nimmt erfreuliche Rücksicht auf die Mitarbeiter. Die Schrumpfung ist nötig wegen der E-Mobilität, dem Rückgang beim Verkauf von Dieseln und der finanziellen Folgen des Dieselbetrugs. Zugleich braucht man viel Geld fürs Forschen. Was den Dieselbetrug angeht, so hat die Autobauer niemand gezwungen, ihn zu begehen. Daher fehlt es dem Blog-Schreiber am Mitleid für die Konzerne. Daimler musste schon immer zur Umweltrücksicht getrieben werden. Es bedurfte in Sindelfingen vor Jahren einer starken Protestkampagne („Luft und Leben“), bis man sich bequemte, den Ausstoß von Giften abzustellen. Dass man beim Diesel auch erst juristisch angegangen werden musste, bis sich etwas änderte, ist keine Überraschung. Jetzt klagt man über den Mangel an Geld für die Forschung und den Umbau der Produktion. Auch da kann man sich nur wundern. Das Geld wäre dagewesen, wurde aber jahrelang großzügig an die Mitarbeiter verteilt, die eh schon deutlich mehr verdienen als die anderen Sindelfinger Berufstätigen. Mit diesen großzügig verteilten Milliarden hätte man auch forschen können. Warum, fragt sich Häckerling, fehlt es diesen Globalplayern an Weitblick?

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Sprechblasige Autozukunft

Heute findet ein Autogipfel statt: Was dazu in der Zeitung steht, ist auch sprachlich der Gipfel. Der Artikel (auf Seite 1 der Stuttgarter Zeitung) beginnt mit dem sattsam bekannten Bild vom Weichenstellen. Die Weiche soll den Zug in Richtung Erhalt der Arbeitsplätze leiten. Wie war sie vorher gestellt? In Richtung Arbeitsplatzverluste? Beim abendlichen Gipfel soll ein „Zukunftsplan“ entstehen – gibt es eigentlich Pläne, die rückwirkend angelegt sind? Der Plan wird „gemeinsam getragen“. Müsste er nicht erst entstanden sein, ehe man ihn tragen kann? Etwas ganz Besonderes soll diesem Plan eigen sein: er soll „auch tatsächlich umgesetzt“ werden. Hatten wir nicht immer den Verdacht, dass Pläne nur auf dem Papier stehen und an ihre Umsetzung nie gedacht wird? Dann wiederholt sich der Text. Es sei das „primäre Ziel“ des Wirtschaftsministers, den „größten Teil der Arbeitsplätze zu erhalten“. Und wie wird dieses hehre Ziel erreicht? Durch Batterieproduktion. Davon wird zwar schon seit Langem geredet, aber jetzt folgt ein Datum: „2022 soll es losgehen“ – in drei Jahren also. Bis dahin wird wahrscheinlich der Zukunftsplan durch die Gegend getragen – und auf eine Milliarde von der EU gewartet. Zum Glück „muss“ die einen solchen Zuschuss genehmigen. Ganz innovativ ist der Plan, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien „in Gas umzuwandeln“. Dahinter steckt eine „Wasserstoffstrategie“. Manchmal geben zusammengesetzte Substantive Rätsel auf. Hier fehlt das Wort „Antrieb“. Über diese Form der Bewegung von Automobilen wird zwar schon lange geredet, aber heute Abend kommt sie nach langer Wanderung auf dem „Autogipfel“ an. Und was ist der Beitrag der Autoindustrie bei der Job-Rettung? Sie sollen attraktive Autos anbieten. Wenn es die Autobauer allein nicht schaffen, sollen sie sich zusammenschließen – Altmaiers Lieblingsidee. Als ob der Zusammenschluss von Unfähigen und Unwilligen je eine Leistung erhöht hätte.

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Behinderte Autos

Die KFZ-Reparaturbranche schlägt Alarm, weil manche Werkstätten nicht mehr angefahren werden dürfen, wenn die angekündigten Dieselfahrverbote tatsächlich in Kraft treten. Es soll sich um tausende Autos handeln, die dann nicht mehr gewartet oder repariert werden können, weil ihnen der Weg zur Werkstatt verboten ist. Eine listige Maßnahme. Wenn Autos nicht mehr fahrtüchtig sind, müssen sie notgedrungen stillgelegt werden. So lässt sich auf einem Umweg erreichen, was zuzugeben man sich bisher nicht getraut hat: die Diesel müssen weg! Dass sich die Besitzer dieser Fahrzeuge darüber nicht freuen werden, ist klar, müssen sie doch künftig Straßenbahnen, Busse und S-Bahnen oder gar das Fahrrad benutzen, müssen für größere Transporte einen PKW mieten oder ihren Einkauf im Supermarkt mit dem Rucksack durch die Straßen tragen. Es sei denn, sie entschließen sich zum Kauf eines neuen Fahrzeugs, zum Nachteil ihres Geldbeutels, aber zum Vorteil der Autobranche. Was für schöne Geschichten da auf die Medien warten! Nun hätte man das Ganze allerdings auch einfacher haben können. Wenn die mit Fahrverbot belegten Autos erst gar nicht zugelassen worden wären, hätte sie niemand gekauft. Oder wenn die Autoindustrie ihre skandalösen Milliardengewinne in den Umbau der inkriminierten Fahrzeuge gesteckt hätten, anstatt das Geld den Shareholdern in die Tasche zu stecken. Es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass es den politisch Verantwortlichen nicht gelungen ist, den Druck auf die Autobauer so zu verstärken, dass die ihre „Hausaufgaben“ hätten machen müssen. Jetzt haben die Besitzer dieselbetriebener Kraftfahrzeuge den Schaden und die Autohersteller lachen sich ins Fäustchen.