Es gibt einige Probleme, deren Lösung schon immer als unmöglich gegolten hat, z. B. die Quadratur des Kreises. Auch das Waschen eines Pelzes, ohne ihn nasszumachen, wird für unmöglich gehalten. Nun ist ein weiteres solches Problem hinzugekommen: die Reform des Gesundheitswesens. Alle wissen, dass es unbezahlbar geworden ist. Alle wissen, dass mehr Einnahmen hermüssen und die Ausgaben gedeckelt. Das geht nur, wenn man die Leistungen kürzt, die Beiträge und die staatlichen Zuschüsse erhöht, die Kosten für Krankenhäuser, Medikamente und Ärzte senkt. Das würde bedeuten: So komfortabel wie bisher kann das System nicht bleiben. Nun hat eine Kommission Vorschläge gemacht. Sie schlägt Einschnitte für alle vor. Ob sie gerecht und fair verteilt sind, müsste man nun prüfen. Aber was wird in den nächsten Monaten geschehen? Die einen werden sagen, dass Maßnahme A auf keinen Fall getroffen werden kann, weil sie unsozial oder ungerecht ist und die falschen treffe. Auch die andere Maßnahme B dürfe auf keinen Fall umgesetzt werden, denn sie bedeute einen so gravierenden Bruch mit dem Gewohnten, dass daraus soziale Konflikte entstehen werden. Das wird auch für die Sparvorschläge C, D und F gelten. Mit ihnen sei das nicht zu machen, sagen die Parteien X, Y und Z. Am Ende wird keine Maßnahme umgesetzt werden, denn wer will schon die Koalition dafür aufs Spiel setzen? Schließlich dürfe man die Wähler nicht den radikalen Parteien in die Arme treiben bzw. die Akzeptanz der Demokratie aufs Spiel setzen. Dann lieber keine Reform. Der Pelz bleibt ungewaschen.
Schlagwort: Gesundheit
Süßes Gift
Man kann es witzig nehmen, man kann sich auch darüber aufregen. Dass der Nachschub für Nutella ins Stocken geraten ist, weil die Fabrik in Frankreich die Produktion unterbrochen hat, könnte erheitern. Die heutige Zeitung jedenfalls albert an dem Thema herum – das traditionelle Frühstück sei in Gefahr. Aber just das ist das ernste Problem im Hintergrund. Denn Nutella besteht zu 56 % aus Zucker und zu 31 % aus Fett. Und die restlichen 13 %? Wahrscheinlich aus braunem Farbstoff. Ob Eltern, die ihren Kindern mit Nutella-Broten eine Freude machen wollen, sich im Klaren sind, welche gesundheitlichen Unfug sie da begehen und welchen Schaden sie anrichten? Selbst normale Schokolade hat weniger Zucker als dieser Brotaufstrich. Und in dem Fett ist auch noch Palmöl. Über dessen globale Problematik weiß man inzwischen Bescheid. Die französischen Bauern haben im letzten November zu Recht vor der Nutella-Fabrik demonstriert und darauf hingewiesen, dass es auch anderes Öl gibt. Vielleicht ist es den bäuerlichen Gelbwesten ja gelungen, die Produktion zu stören. Ihnen dafür mit Sympathie zu begegnen kann sich Häckerling kaum enthalten. Die schlechte Nachricht: Am heutigen Montag ist die Nutella-Produktion wieder aufgenommen worden.
Unpassender Einstieg
Unter der etwas verquälten Überschrift „Ohne Gesundheit geht nichts einfach“ wird in der SZBZ (vom 5.8.09) eine „Sommerserie“ über Krankenhäuser anmoderiert. Die an sich verdienstvolle Berichtsreihe hätte allerdings einen besseren Start verdient. Der Redakteurin ist als Einstieg leider nichts Besseres eingefallen als ein Wort des pessimistischen und hypochondrischen Philosophen Schopenhauer, nämlich sein sattsam bekanntes und missbrauchtes Diktum, dass Gesundheit nicht alles sei, aber ohne Gesundheit „alles nichts“.
Nun sind die meisten unter uns nicht ganz gesund. Manche hören oder sehen schlecht, manche haben Schmerzen in der Hüfte oder in den Beinen, manche sind allergisch oder haben die Sommergrippe, manche haben es mit dem Herzen oder leiden unter zu hohem Blutdruck. Wer fühlt sich schon uneingeschränkt gesund?
Und da lesen wir in der Zeitung, dass für den, der nicht gesund ist, „alles nichts“ ist. Müssen wir nicht mit unseren Leiden leben? Müssen wir nicht versuchen, auch bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit dem Alltag zurechtzukommen? Ist wirklich „alles“ in unserem Leben nichts mehr, wenn es uns irgendwo wehtut oder wir nicht mehr so können, wie wir wollen?
Nein, da irrt Schopenhauer, und auch die SZBZ befindet sich auf dem Holzweg, wenn sie ihn zitiert. Sie sollte ein wenig sensibler sein, wenn es ums Kranksein geht.