Im Gesundheitssystem herrscht Reformbedarf. Die Kosten ufern aus, die Krankenkassen erhöhen die Beiträge, Leistungskürzungen stehen bevor. Auch als Nicht-Mediziner hat man den Eindruck, dass es so nicht weitergehen kann. Die renommierte, in Augsburg lehrende Umweltmedizinerin Traidl-Hoffmann zeigt in ihrem neuen Buch („Die Medizin der Zukunft“) einen Weg aus der Misere. Sie beschreibt den wachsenden Anteil von Umwelteinflüssen an Krankheiten wie Neurodermitis, Asthma, Herz-Kreislauf und Darmbeschwerden. Auch der Klimawandel verschlimmert die Lage. Die bloße „Behandlung“, etwa durch Verschreibung von Medikamenten, helfe nicht auf Dauer, sagt Traidl-Hoffmann, man müsse den kranken Menschen als Ganzes sehen und seine Lebenssituation kennen, um ihm wirksam helfen zu können. Es seien oft äußere Einflüsse, die unsere Atemwege und das Immunsystem stören. Dazu gehören: die Zunahme der Hitze, die stärkere Belastung der Luft und der wachsende Lärm. Auf diese „Krankmacher“ gelte es zu reagieren. Daher müssten sich die Städte verändern: mehr Grün, weniger Verkehr, andere Bebauung. Nur wenn die Umwelt gesünder wird, können auch die Menschen gesünder werden. Investitionen in lebenswertere Wohnbereiche führen nachweisbar zu einer Senkung der Kosten für das Gesundheitswesen. Andere Länder haben das bereits bewiesen. Deutschland habe da Nachholbedarf, betont die Autorin. Was wir immer schon ahnten, Traidl-Hoffmann weist es mit Zahlen nach: Prävention, Vorsorge, Änderungen im Lebensstil sind der Schlüssel zur persönlichen Gesundheit und zur Gesundung des Gesundheitswesen. Das Buch ist gut zu lesen, auch dank Katja Trippels bewährter Arbeit als Ghostwriterin. Es erklärt verständlich häufige Krankheiten und ihre Ursachen. Dabei ist es nicht pessimistisch, sondern nährt die Hoffnung, dass wir die Probleme in den Griff bekommen.
Schlagwort: Gesundheit
Nasser Pelz
Es gibt einige Probleme, deren Lösung schon immer als unmöglich gegolten hat, z. B. die Quadratur des Kreises. Auch das Waschen eines Pelzes, ohne ihn nasszumachen, wird für unmöglich gehalten. Nun ist ein weiteres solches Problem hinzugekommen: die Reform des Gesundheitswesens. Alle wissen, dass es unbezahlbar geworden ist. Alle wissen, dass mehr Einnahmen hermüssen und die Ausgaben gedeckelt. Das geht nur, wenn man die Leistungen kürzt, die Beiträge und die staatlichen Zuschüsse erhöht, die Kosten für Krankenhäuser, Medikamente und Ärzte senkt. Das würde bedeuten: So komfortabel wie bisher kann das System nicht bleiben. Nun hat eine Kommission Vorschläge gemacht. Sie schlägt Einschnitte für alle vor. Ob sie gerecht und fair verteilt sind, müsste man nun prüfen. Aber was wird in den nächsten Monaten geschehen? Die einen werden sagen, dass Maßnahme A auf keinen Fall getroffen werden kann, weil sie unsozial oder ungerecht ist und die falschen treffe. Auch die andere Maßnahme B dürfe auf keinen Fall umgesetzt werden, denn sie bedeute einen so gravierenden Bruch mit dem Gewohnten, dass daraus soziale Konflikte entstehen werden. Das wird auch für die Sparvorschläge C, D und F gelten. Mit ihnen sei das nicht zu machen, sagen die Parteien X, Y und Z. Am Ende wird keine Maßnahme umgesetzt werden, denn wer will schon die Koalition dafür aufs Spiel setzen? Schließlich dürfe man die Wähler nicht den radikalen Parteien in die Arme treiben bzw. die Akzeptanz der Demokratie aufs Spiel setzen. Dann lieber keine Reform. Der Pelz bleibt ungewaschen.
Süßes Gift
Man kann es witzig nehmen, man kann sich auch darüber aufregen. Dass der Nachschub für Nutella ins Stocken geraten ist, weil die Fabrik in Frankreich die Produktion unterbrochen hat, könnte erheitern. Die heutige Zeitung jedenfalls albert an dem Thema herum – das traditionelle Frühstück sei in Gefahr. Aber just das ist das ernste Problem im Hintergrund. Denn Nutella besteht zu 56 % aus Zucker und zu 31 % aus Fett. Und die restlichen 13 %? Wahrscheinlich aus braunem Farbstoff. Ob Eltern, die ihren Kindern mit Nutella-Broten eine Freude machen wollen, sich im Klaren sind, welche gesundheitlichen Unfug sie da begehen und welchen Schaden sie anrichten? Selbst normale Schokolade hat weniger Zucker als dieser Brotaufstrich. Und in dem Fett ist auch noch Palmöl. Über dessen globale Problematik weiß man inzwischen Bescheid. Die französischen Bauern haben im letzten November zu Recht vor der Nutella-Fabrik demonstriert und darauf hingewiesen, dass es auch anderes Öl gibt. Vielleicht ist es den bäuerlichen Gelbwesten ja gelungen, die Produktion zu stören. Ihnen dafür mit Sympathie zu begegnen kann sich Häckerling kaum enthalten. Die schlechte Nachricht: Am heutigen Montag ist die Nutella-Produktion wieder aufgenommen worden.