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Sinnvolle Ferienbeschäftigung

Am kommenden Montag, dem letzten Tag im August 2020, geschieht in den Schulen des Landes Merkwürdiges. Kinder und Jugendliche sitzen in den Ferien mehr oder weniger freiwillig in den frisch geputzten Klassenräumen und werden von mehr oder weniger freiwillig dafür eingesetzten Lehrkräften beschult. Weil es heutzutage immer eines griffigen Ausdrucks bedarf, nennt das Kultusministerium diese Aktion „Lernbrücke“. Brücken dienen der Überquerung von Flüssen oder anderer Hindernisse. Offenbar gibt es unter den Schülerinnen und Schülern welche, die jenseits des Abgrunds stehen geblieben sind, während das Gros ihrer Lerngenossinnen und –genossen diesen offenbar schon überquert haben und bereits weitergewandert sind. Zur Erinnerung: Beim ersten Lockdown haben es die Verantwortlichen für ratsam gefunden, Kitas und Schulen zu schließen und die Kinder und Jugendlichen der Obhut von Mutter und Vater zu überlassen. Gelegentlich wurden die Familien mit analogem oder digitalem Lernmaterial versorgt. Eine Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden fand naturgemäß (oder sagen wir besser: dem Stand der Technik gemäß) nur sporadisch statt. Die Folge: Manche haben zu Hause regelmäßig gelernt und vielleicht sogar was dazugelernt, manche aber kaum. Letztere sind vor dem Abgrund der Schwierigkeiten des Lernstoffs stehen geblieben. Nun hat man ihnen eine Brücke gebaut, um ihnen das Weitergehen auf dem schulischen Wanderpfad zu erleichtern. Hoffentlich nutzen sie das Angebot und hoffentlich ist das Lernprogramm auf der Brücke so, dass es Nutzen bringt.

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Hausaufgaben über die Ferien

Heute (am 29.7.10) ist in Baden-Württemberg der erste Tag der Sommerferien. Die Bezeichnung ist ein wenig irreführend, denn der Sommer war schon, im Juli, aber da mussten die Schülerinnen und Schüler bei brütender Hitze über Klassenarbeiten brüten. Wir können zwar angeblich alles, wir Südstaatler, außer Hochdeutsch natürlich, und wir kennen auch alles, außer Sommerferien. An dieser Tradition zu rütteln ist aussichtslos. Um im Sommer Herbstferien zu haben, sind wir sogar vor Jahren aus dem rollierenden Feriensystem der KMK ausgestiegen.

Nun hat man die Kinder und Jugendlichen für 45 Tage in den Urlaub geschickt. Sie sollen sich jetzt erholen. Ein renommierter Erziehungsberater rät in der Zeitung von heute, sie sollten sich dabei auf keinen Fall mit Schulischem beschäftigen, sondern sich lieber langweilen bzw. lernen, ihre Langeweile selbst zu überwinden. Wichtig sei der Abstand zur Schule, gelinge er nicht, schade das den Kindern und mache sie krank. Daran ist sicher etwas Wahres. Wahr ist aber auch, dass ein solches Konzept der Schulvergessenheit auch das Vergessen von Gelerntem befördert. Am Ende der Ferien sind die Schüler erholt, hoffentlich, und wollen wieder etwas Neues lernen, hoffentlich, aber das Alte ist nachhaltig weg. Leider. Und es fehlt im neuen Schuljahr die Zeit, es wieder zurückzuholen.

Das soll nun nicht heißen, dass man den Schülern auch über die Sommerferien Hausaufgaben geben soll, nein, eine Hausaufgabe obliegt den für die Schule Verantwortlichen. Sie sollten Konzepte entwickeln, wie dem eklatanten Verlust an Gelerntem durch ferienbedingte Löschung begegnet werden kann. Dann müsste sich die Lehrkraft im kommenden Schuljahr nicht mehr darüber aufregen, dass „die im letzten Jahr offenbar nichts gelernt haben“.

(Blog-Eintrag Nr. 203)