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Orthografische Nachhilfe

Die Ministerin für die Schulen in Baden-Württemberg hat endlich eine Lösung für das Rechtschreibproblem der hiesigen Kinder gefunden. Sie packt das Übel an der Wurzel an, nämlich bei den Lehrerinnen und Lehrern. Denn wenn die nicht wissen, welche Regeln gelten und wie man sie umsetzt, dann wird es auch bei den Schülern nichts. Die Lehrkräfte sollen eine Handreichung bekommen, in der alles steht, was sie zur Orthografie und Zeichensetzung wissen müssen. Nun ist Häckerling seit je skeptisch, was die Regeln angeht. Natürlich ist es schön, wenn man sie kennt, aber noch besser ist es, wenn man sie anwenden kann. Aber dieser Graben ist groß. Ihn zu überwinden kann nur durch kräftiges Üben gelingen. Ob es ausreicht, wenn man bei der Korrektur von Klassenarbeiten die Handreichung auf den Schreibtisch legt? Wohl kaum. Wem das richtige Schreiben nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist, der wird beim Korrigieren auch künftig über falsch geschriebene Wörter, sinnlose Kommas und fehlende Beistriche hinweglesen. Was also tun? Zuerst sollte die Lehrerausbildung, also vor allem die in den Seminaren, ihre Aufgabe wahrnehmen und mit „null Toleranz“ (Seehofer) an das Rechtschreibthema herangehen. Bei Stundenentwürfen oder Seminararbeiten muss der Rotstift in Betrieb gehen. Die Ausbilder müssen nicht nur methodischen Unsinn, didaktische Fehler zur Sprache bringen, sondern auch die formalen Mängel der schriftlichen Ergüsse. Sonst wird das nichts. Und wenn die Lehrer an den Schulen schon angekommen sind und orthografisch schlampen, ist die Schulleitung gefragt. Hoffentlich ist wenigstens die sicher im korrekten Schreiben.

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Kermit

Nein, nicht der Frosch aus der Muppet-Schau ist gemeint, sondern ein an den Hamburger Schulen praktizierter Vergleichstest: Kompetenzen ermitteln. Als Baden-Württemberger reibt man sich die Augen. In Hamburg müssen die Schüler der Klassen 2, 3, 5, 7, 8 und 9 jedes Jahr zentral gestellte standardisierte Aufgaben lösen. So erhält die Schulbehörde aktuelle Daten über den Leistungsstand ihrer Schulen. Es ist “vor allem ein Instrument für Unterrichtsentwicklung. Die Ergebnisse liefern Hinweise zur weiteren Unterrichtsgestaltung und zur gezielten Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler. Der Umgang mit den Ergebnissen unterstützt Lehrkräfte und -teams bei der Diagnose von Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler“. Schulen und Behörde sehen also, wo sich Probleme zeigen, sie können steuern und fördern. Diese Praxis steht ganz im Gegensatz zur hiesigen, wo Vergleichsarbeiten nur in den Klassen 3 und 8 geschrieben werden. Deren Wirkung verpufft, weil außer einer „Besprechung“ der Ergebnisse keine weiteren Konsequenzen gezogen werden. Im Übrigen wird das mit der Durchführung beauftragte Landesinstitut für Schulentwicklung bald aufgelöst. Zu den gängigen Reaktionen auf vergleichende Tests gehört der Satz, dass eine Kuh durch Messen nicht fetter werde. In Hamburg hat man das Gegenteil bewiesen. Durch das kontinuierliche Messen sind die dortigen Schüler zwar nicht fetter, aber besser geworden, jedenfalls besser als die im Musterland Baden-Württemberg. Die sind im Ranking des IQB „abgestürzt“.

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Digitalrat

Dass es um die IT-Ausstattung der Schulen mau bestellt ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Mit diesem, wie es auf den ersten Blick scheint, völlig unangemessenen Bild reagiere ich auf die heutige Meldung zu diesem Thema in der heimischen Zeitung. In Stuttgart sehe es schlecht aus mit der Digitalisierung, muss ich lesen. Es bedürfte etlicher Millionen Euro, um bei diesem Problem weiterzukommen. Aber diese Millionen hat die arme Stadt Stuttgart natürlich nicht. Und die noch ärmeren Kommunen landauf, landab haben sie erst recht nicht. So wird es also für Deutschland beim Rang im Mittelfeld bleiben, hinter der tschechischen Republik. Aber für Stuttgart wären vielleicht doch die Spatzen eine Lösung oder genauer gesagt: die Tauben. Denn deren gibt es in Stuttgart sehr viele. Man stolpert überall über sie, haben sie doch keinerlei Scheu vor den Menschen. Mein Vorschlag: Wie wäre es, die kommunalen Tauben zu Brieftauben umzuschulen? Mit denen hat man früher als Kommunikationshelfer gute Erfahrungen gemacht. Selbst das Volkslied würdigt sie: „Kommt ein Vogel geflogen“. Gewiss, die Tauben brauchen etwas länger zum Überbringen von Botschaften als die elektronischen Medien, aber es handelt sich immerhin um ein Naturprodukt. Es könnte ja sein, dass die grüne Stadtverwaltung und die grün-schwarze Landesregierung dafür ein paar Euro locker machen. Ein Spitzenplatz in dieser Kommunikationstechnik wäre uns dann sicher.