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Durchschnittliche Schulergebnisse

Wieder einmal durften wir eine Art Ranking der Schüler- und Schülerinnenleistungen lesen und wieder heißt die Botschaft: nur Durchschnitt. Der propagierte Aufschwung des Schulsystems lässt auf sich warten, wir verharren weiter im Mittelmaß, nicht zuletzt in Baden-Württemberg. Es wiederholen sich die sattsam bekannten Prozentsätze bei den Neuntklässlern. In der Mathematik geht es nicht voran. Im Fach Deutsch erst recht nicht. Die Schuldigen sind ausgemacht: die Flüchtlinge und Migranten, die mit prekärer Lebenssituation, die Verwöhnten. Sie werden und werden nicht besser. Und wie steht es mit denen, die vor den Klassen stehen, den Lehrerinnen und Lehrern? Haben Sie in den letzten Jahren Fortschritte gemacht? Haben Sie endlich gelernt, wie man mit unterschiedlichen Lernern umgeht? Hat sich etwas an den Grundschulempfehlungen getan? Vielleicht geschieht ja alles Gute im Verborgenen. Dumm nur, dass in der Öffentlichkeit ein irgendwie gearteter Fortschritt nicht zu erkennen ist. Zum Glück sagt niemand mehr den Satz, die Bildung sei unsere einzige Ressource. Wenn dem so wäre, gute Nacht, Deutschland. An aktuellen Bildern fehlt es ja nicht. Eine bleierne Müdigkeit liege auf dem Land. Der Herbstnebel mache die Regierenden lustlos. Entscheidungen würden „auf Eis“ gelegt. Auch Häckerling konstatiert: Wir leben in einer Ankündigungsgesellschaft, in der es schier ewig dauert, bis aus der Verkündigung einer guten Absicht handgreifliche Realität wird. Das gilt nicht nur für Flughäfen und Bahnhöfe, für Eisenbahnen und Straßenbahnen, für Klimarettungen und Digitalpakte, für die soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Gesellschaft vor ungesunder Ernährung, es gilt auch für die Schulen.

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Mühsame Schulbildung

Wenn ein Schuljahr beginnt, muss Aufschwung signalisiert werden. Das Kultusministerium von B-W schwingt sich zu organisatorischen Neuerungen auf. Es schafft ein neues „Institut“ und ein „Zentrum“ und schafft ein bestehendes Institut ab. „Zu Beginn des Jahres 2019 richten wir das „Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung“ und das „Institut für Bildungsanalysen“ ein. Damit erhält die Kultusverwaltung eng miteinander verzahnte Einrichtungen, die die Qualität der Schulen dauerhaft sichern sollen. Was nicht gesagt wird: Das Landesinstitut für Schulentwicklung wird aufgelöst. Es befindet sich bereits in Auflösung, was die Schulentwicklung lähmt. Und was bringen die neuen Einrichtungen? Das „Institut für Bildungsanalysen“ soll mit einem systematischen Bildungsmonitoring eine solide Datenbasis bereitstellen. Diese dienen dann für datenbasierte und wissenschaftlich unterlegte bildungspolitische Entscheidungen. Ein Institut braucht Jahre, bis es zuverlässig arbeitet, danach dauert es weitere Jahre, bis es „solide“ Daten liefern kann und noch einmal Jahre, bis die Bildungspolitik Entscheidungen trifft. Und diese umzusetzen dauert ebenfalls Jahre. In frühestens einem Jahrzehnt also ist mit Fortschritten zu rechnen. Weiter im ministeriellen Text: Um zu wissen, wo das Land steht, sollen zentrale Lernstanderhebungen über alle Schularten hinweg Standard werden. Diese Lernstandserhebungen in Gestalt von Vergleichsarbeiten hatten wir bereits. Dann wurden sie ausgehebelt. Nun werden sie neu entwickelt. So stellt man sich selbst ein bildungspolitisches Bein. Und was noch? Auch Fortbildungs- und Unterrichtskonzepte werden wir künftig vor ihrem Einsatz auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Mit zentralen Vorgaben des „Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung“ gewährleisten wir, dass wir künftig landesweit Angebote in hoher und gleicher Qualität zur Verfügung stellen. Wer erstellt, wer prüft die Unterrichtskonzepte? Wer verbessert sie nach der Prüfung? Wie werden sie eingeführt? Wer überprüft, ob und wie sie eingeführt werden? Das „Zentrum“ wird einiges zu tun haben. Vielleicht ist es ja schneller als das „Institut“.