Der amerikanische Präsident muss in seinem Element sein. Er, der beste Deal-Maker der Weltgeschichte, zu Besuch bei einem anderen Großen der Welt, den er sogar seinen Freund nennen darf. Es wird T wurmen, dass X ein noch größeres Reich regiert, als es die Vereinigten Staaten bisher noch sind. Daher wird er nicht rasten und ruhen, bis er sich neben Grönland und Kuba auch noch Kanada einverleibt hat. Noch mehr allerdings dürfte ihn beunruhigen, dass China den USA bei der technologischen Entwicklung den Rang abläuft. Haben die doch tatsächlich bei den E-Autos und sogar bei der KI einen Vorsprung. Gerade deshalb sind ein paar gute Deals fällig. X könnte T helfen, den lästigen Krieg gegen den Iran gesichtswahrend zu beenden. Der würde dafür Taiwan drangeben, wenn den Chinesen so viel daran liegt. Dafür werden sie ihm sicher die dringend benötigten seltenen Erden zu einem Sonderpreis überlassen. Von Zöllen wird man künftig nicht mehr reden. Schon jetzt kann man das Schlussprotokoll formulieren: Es wird ein äußerst erfolgreicher Besuch gewesen sein, der zum Nutzen beider Länder sein wird. T wird X als großen Staatsmann würdigen und X sich zu freundlichen Bemerkungen über T durchringen. Wie gut, wenn sich die Welt in den Händen zweier so großartiger Staatsmänner weiß. Wir leben, so scheint es, in der besten aller Zeiten.
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Blasphemisches Gerede
Nun, nachdem er im Iran-Krieg einen Waffenstillstand erzwungen hat, wird sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika noch mehr als Friedensfürst sehen, der den gleichnamigen Nobelpreis verdient hat, und leider auch als einen von Gott der Welt gesandten Retter, um das Wort „Messias“ zu vermeiden. Seine Sprache habe sich in den letzten Tagen immer mehr der alttestamentlichen Prophetie angenähert, urteilt die Zeitung heute. Überhaupt kommen ihm religiöse Begriffe immer leichter über die Lippen. Da stellt sich die Frage: Ist das alles nur propagandistisches Getöse oder glaubt der Amerikaner wirklich, was er da über sich und seine gottähnliche Rolle sagt? Häckerling hofft für uns alle, dass Ersteres zutrifft, denn religiöse Eiferer sind das Letzte, was die Welt braucht. Wenn das ganze Kriegsgetue nur seine Popularität und die Chancen bei den nächsten Wahlen erhöhen soll, kann man das irgendwie einordnen – ohne es zu billigen. Wenn sich hier aber einer allen Ernstes als einen von Gott Erwählten sieht, dann steht es schlecht um die Menschheit. Was ein von der „Vorsehung“ auserkorener „Führer“ anrichten kann, wissen wir Deutschen aus der eigenen Geschichte. Deuten wir also das blasphemische Gerede des US-Präsidenten als raffinierten Schachzug im Kampf um die Stimmen der amerikanischen Frommen. Dann besteht die Hoffnung, dass er nach einem Sieg bei den Herbstwahlen wieder „normaler“ wird. Wenn nicht er sich selbst, so werden ihm dann hoffentlich seine Beraterinnen und Berater einen Rest an Rationalität verordnen.
Lustige Politik
Natürlich geht diese Überschrift gar nicht. Alles, was derzeit passiert, ist furchtbar ernst und ein Grund für große Besorgnis. Aber andererseits kann man den Auftritten des mächtigsten Mannes der Welt auch Humoristisches abgewinnen. Er füllt seine mächtige Rolle auf eine Weise aus, die den erfahrenen Comedian verrät. Er sagt etwas und alle blicken entsetzt. Darüber kann er sich köstlich amüsieren. Er verkündet Zölle, weidet sich an der Aufregung der Betroffenen, nimmt dann seine Ankündigungen ganz oder teilweise wieder zurück. Er will eine Insel haben und löst mit dieser Forderung eine Krise des mächtigsten Militärbündnisses der Welt aus. Das nötigt ihm ein Lächeln ab. Er hält einen Vortrag auf einem renommierten Forum. Darin preist er sich als den größten, erfolgreichsten und klügsten aller Politiker. Seine Zuhörer schauen betreten. Meint er das ernst? Will er uns provozieren oder nur auf den Arm nehmen? Seine Kunst besteht darin, die anderen im politischen Spiel zu verwirren. Aus der Verwirrung zieht er seine Vorteile. Er nennt sie Deals. Meistens verschaffen die ihm einen propagandistischen Vorteil oder – noch wichtiger – eine Steigerung seiner Einnahmen. Er ist Präsident geworden, weil es ihm Spaß macht, seinen Spaß dabei zu haben. Dabei fehlt es ihm nicht an Sadismus. Andere zu quälen, ihnen Angst einzuflößen, das bereitet ihm offenbar ein höllisches Vergnügen. Wenn wir nicht seine Opfer wären, könnten wir diesem politischen Unterhaltungsprogramm mit einem Lächeln im Gesicht zusehen.