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Wahrscheinliche Ereignisse

In diesen Zeiten geht es um Ursachen und Wirkungen. Klingt kausal, ist es aber nicht. Denn merkwürdigerweise trifft eine Wirkung oft nicht ein, obwohl es Ursachen gibt. Das liegt an der Mathematik, genauer: der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Von ihr hat man in guten Schulen einiges gehört und sogar gelernt, mit ihr umzugehen. In der Medizin wissen wir schon länger, dass aus Ursachen (Rauchen, Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck) mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit Wirkungen folgen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs). Diese Wirkungen treten aber nicht automatisch ein. Wer von einer Wirkung (Krankheit) verschont bleibt, obwohl er die Ursachen nicht gemieden hat, der kann sich einfach nur glücklich preisen. Vielleicht ist er einfach besonders robust. Auch beim Wetter gibt es Wahrscheinlichkeiten. Ein angekündigter Regen tritt oft nicht ein, wenn seine Wahrscheinlichkeit nur 30 % beträgt, bei 80 % regnet es schon eher. Auch in Sachen Corona sind wir von Wahrscheinlichkeiten umgeben. Die Ausbreitung des Virus wird verlangsamt, wenn durch Abstandsregelungen und Ausgangssperren die Zahl der Begegnungen von Infizierten und Nichtinfizierten reduziert wird. Auch die vielbeschworene „zweite Welle“ kommt nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Leider schaffen es die Virologen nicht, diese zahlenmäßig zu benennen. Das liegt auch daran, dass sie nicht wissen, wie viele Kontakte zwischen den Menschen tatsächlich stattfinden. Auch die Wirkung des Mund- und Nasenschutzes ist mathematisch nicht genau zu beziffern. Der Aufdruck N95 suggeriert einen 95-prozentigen Schutz. Aber die restlichen 5 % können mich trotzdem anstecken. Manche Menschen möchten mehr Sicherheit aus dem Munde der Wissenschaftler und Politiker. Aber die können sie nicht geben. Tun sie so, als könnten sie es, sollten wir skeptisch sein. Von hoher Wahrscheinlichkeit ist aber auch: Verschwörungserfinder wissen erst recht nichts Genaues, auch wenn sie es behaupten.