Die Überschrift lässt erwarten, dass es in diesem Text um den unanständigen Reichtum einiger weniger deutscher Staatsbürger geht. Das ist in der Tat ein Skandal, aber die sollen ein anderes Mal in den Fokus rücken. Diesmal geht es um die Wirtschaftsministerin mit dem sprechenden Namen, die es geschafft hat, weite Teil der Bevölkerung gegen sich aufzubringen. In der Unbeliebtheit kann sie es sogar mit der Vorsitzenden der blauen Partei aufnehmen. Andererseits, so heißt es, sei sie in Teilen der der CDU sehr beliebt, weil sie christdemokratische Werte verteidige. Dazu gehören offenbar die Schonung des Wohlstands der Reichen, die Förderung der Großindustrie, die Abkehr vom Verbrenner-Aus und das Ende einer wirksamen Klimapolitik. Wie man erfahren konnte, hat Reiche große Erfahrungen in der Lobby-Arbeit für die fossile Industrie. Wie schön, dass sie die nun als Ministerin weiterbetreiben kann. Sie wird uns mit einer Verstetigung der bisherigen Energiewirtschaft beglücken, der Automobilindustrie finanziell unter die Arme greifen, sie von der Transformation verschonen und damit ihre Geschäfte stabilisieren. Es geht ja auch nicht an, dass dort keine Boni mehr bezahlt werden können. Wenn jemand Autos herstellt, dann muss ihm ein deutlich höheres Gehalt gezahlt werden, als wenn er nur handwerklich oder mittelständisch beschäftigt ist. Es war ein Geniestreich des Kanzlers, diese Ministerin an Land gezogen zu haben. Sie wird mit dem ganzen linken und grünen Unfug ein Ende machen und Deutschland endlich wieder in ruhiges Fahrwasser bringen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Welt um uns herum mitzieht und dem Rechtsruck in Deutschland folgt. Aber es sieht ganz gut aus: Macron und Stamer machen es nicht mehr lange, dafür sitzt Meloni fest im Sattel. Nicht ganz verstehen mag man in diesem Zusammenhang, warum die Ungarn auf ihren Orban verzichten wollten.
Schlagwort: Wirtschaftsminister
Sprechblasige Autozukunft
Heute findet ein Autogipfel statt: Was dazu in der Zeitung steht, ist auch sprachlich der Gipfel. Der Artikel (auf Seite 1 der Stuttgarter Zeitung) beginnt mit dem sattsam bekannten Bild vom Weichenstellen. Die Weiche soll den Zug in Richtung Erhalt der Arbeitsplätze leiten. Wie war sie vorher gestellt? In Richtung Arbeitsplatzverluste? Beim abendlichen Gipfel soll ein „Zukunftsplan“ entstehen – gibt es eigentlich Pläne, die rückwirkend angelegt sind? Der Plan wird „gemeinsam getragen“. Müsste er nicht erst entstanden sein, ehe man ihn tragen kann? Etwas ganz Besonderes soll diesem Plan eigen sein: er soll „auch tatsächlich umgesetzt“ werden. Hatten wir nicht immer den Verdacht, dass Pläne nur auf dem Papier stehen und an ihre Umsetzung nie gedacht wird? Dann wiederholt sich der Text. Es sei das „primäre Ziel“ des Wirtschaftsministers, den „größten Teil der Arbeitsplätze zu erhalten“. Und wie wird dieses hehre Ziel erreicht? Durch Batterieproduktion. Davon wird zwar schon seit Langem geredet, aber jetzt folgt ein Datum: „2022 soll es losgehen“ – in drei Jahren also. Bis dahin wird wahrscheinlich der Zukunftsplan durch die Gegend getragen – und auf eine Milliarde von der EU gewartet. Zum Glück „muss“ die einen solchen Zuschuss genehmigen. Ganz innovativ ist der Plan, überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien „in Gas umzuwandeln“. Dahinter steckt eine „Wasserstoffstrategie“. Manchmal geben zusammengesetzte Substantive Rätsel auf. Hier fehlt das Wort „Antrieb“. Über diese Form der Bewegung von Automobilen wird zwar schon lange geredet, aber heute Abend kommt sie nach langer Wanderung auf dem „Autogipfel“ an. Und was ist der Beitrag der Autoindustrie bei der Job-Rettung? Sie sollen attraktive Autos anbieten. Wenn es die Autobauer allein nicht schaffen, sollen sie sich zusammenschließen – Altmaiers Lieblingsidee. Als ob der Zusammenschluss von Unfähigen und Unwilligen je eine Leistung erhöht hätte.