Übergangen – Hamburger Schulbegehren

In diesen Tagen erfahren wir, dass sich etwa 190000  Bürger von Hamburg übergangen fühlen und nicht gut finden, was die schwarz-grüne Koalition der Hansestadt vorhat: Sie will die Grundschulzeit auf sechs Jahre verlängern; so sieht es der Koalitionsvertrag vor. Als Grund wird angegeben: Je länger die Kinder miteinander lernen, desto besser sei es für sie. In den erfolgreichen PISA-Staaten habe sich das deutlich gezeigt.

Diese These klingt gut, sie ist aber alles andere als gesichert. Finnische Verhältnisse kann man, das wissen wir inzwischen, nicht so einfach auf deutsche übertragen. Bayern und Baden-Württemberg sind bekanntlich durchaus erfolgreich bei PISA; sie haben aber nur eine vierjährige Grundschule. Berlin hat schon lange eine sechsjährige und hängt beim PISA-Test ziemlich weit zurück. Es liegt also offenbar nicht so sehr am System Schule, sondern an der Art, wie dort unterrichtet wird.

Die Umstellung auf eine sechsjährige Grundschule ist ein hartes Stück Arbeit. Sie kostet viel Geld, bringt viel Unruhe und beschäftigt Schulverwaltung und Lehrerschaft über Jahre. Den Gymnasien wird ein Viertel der Schulzeit genommen, den Realschulen ein Drittel. Wie sie das überstehen, ist ungeklärt. Aber man kann Geld sparen: eines von vier Gymnasien und eine von drei Realschulen dürfte man schließen, dafür aber wären die Kapazitäten der Grundschulen um jeweils die Hälfte erhöhen. Insgesamt jedoch ergäbe sich durchaus eine Ersparnis.

Doch rechnen wir weiter: Ein Drittel der Lehrkräfte in den Realschulen und ein Viertel derer an den Gymnasien würden entbehrlich, dafür brauchte man an den Grundschulen 50% mehr. Also wären Umschulungen in großem Stil nötig. An denen müssten auch die Grundschullehrerinnen teilnehmen, denn in den Klassen 5 und 6 muss man anders unterrichten als in 1 und 2 oder 3 und 4. Gewiss: alle diese Probleme lassen sich lösen, aber mit welchem Aufwand?

Und ob sich dann dereinst die erwünschte Steigerung der Schulniveaus einstellt und die Kinder tatsächlich „miteinander lernen“ – wir werden es sehen – oder auch nicht. Hat dann Hamburg noch eine christlich-grüne Regierung?
(Blog-Eintrag Nr. 111)

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