Kategorien
Medien Politik Schule

Digitale Querelen

Die baden-württembergische Landesregierung hat sich vorgenommen, im Digitalen einen Spitzenplatz anzustreben. Das ist ein löbliches Unterfangen und ein anspruchsvolles dazu, weil man derzeit allenfalls im Mittelfeld herumkrebst. Nun ist der Streit darüber entbrannt, ob es zur Realisierung der digitalen Welt eines eigenen Ministeriums bedarf oder ob die derzeitige Lösung, die Kooperation verschiedener Ministerien, ausreicht. Leider wissen wir um die Schwerfälligkeit der Entscheidungsprozesse in den Ministerien. Bis alle Zuständigen ihren Segen gegeben haben, dauert es Wochen, Monate, Jahre. Wenn dann auch noch mehrere Ministerien zusammenarbeiten sollen, ergeben sich weitere Hindernisse. Verwaltungen sind nun mal langsam, das liegt an den komplizierten Zuständigkeiten, an den oft verwirrenden rechtlichen Vorgaben, an der Resignation der Mitarbeiter, deren gute Vorschläge oft im Dickicht der Administration versanden. Auch ein Digitalministerium ist nicht der Weisheit letzter Schluss, wenn dort keine Experten sitzen und wenn man nicht die Entscheidungsabläufe optimiert. Das Thema „Abbau der Bürokratie“ ist in fast jedem Wahlprogramm zu finden, der tatsächliche Abbau indes findet eher selten statt. Vor geraumer Zeit, es dürften bald zwei Jahre her sein, hat die Bundesregierung einen Digitalpakt beschlossen, einen für die Schulen wohlgemerkt, aber die Meldung, dass Geld „vor Ort“, also in den Rektoraten angekommen sei, lässt immer noch auf sich warten. Etwas zu wollen und zu beschließen ist eines, es Realität werden zu lassen, etwas anderes. Daran ist kein Einzelner in diesem Staat schuld, es ist offenbar das System, an dem es krankt.

Kategorien
Politik

Langsamer Digitalpakt

„Der Fortschritt ist eine Schnecke“ – wenn man es noch nicht gewusst hätte, am Digitalpakt lässt es sich trefflich zeigen. Letztes Jahr, 2018, haben Bund und Länder ihre Absicht kundgetan, die elektronisch unterbelichteten deutschen Schulen mit etlichen Milliarden Euro informationstechnisch zu ertüchtigen. Es dauerte gut ein Jahr, bis die hehre Absicht Wirklichkeit wurde und Bund und Länder sich einig waren. Dafür musste eigens das Grundgesetz geändert und dann nochmals geändert werden. Nun seien alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, das Geld könne fließen, heißt es. Aber gemach! Keiner hatte vorher einen Plan, wie der Geldfluss zu managen sei. Man kann ja nicht einfach jeder Schule einen Scheck übersenden. Da müssen erst die fürs Schulische zuständigen Länderministerien „ins Boot“ geholt werden und natürlich auch die Kommunen, sind sie es doch, die für die „sächliche Ausstattung“ der Schulen verantwortlich sind. Und ehe auch nur ein Federstrich erfolgen kann, bedarf es in Deutschland, immerhin einem Rechtsstaat, einer Verordnung, die alle Abläufe regelt, ohne Verordnung kein Verwaltungshandeln. Ob es diese Verordnung schon gibt – wer weiß? Danach, so hört man, soll der Bedarf der Schulen abgefragt werden. Dazu müssen sie einen Bedarfsplan vorlegen. Diese Anträge werden von den Städten und Gemeinden gesammelt, wahrscheinlich noch einmal gründlich durchgearbeitet und dann an die jeweilige Landesregierung geschickt. Die drängt zur Eile. Die Anträge müssen bis 2022 vorliegen. Dann werden sie, wie man sagt, “gebündelt”, sodass sie noch im selben Jahr oder spätestens 2023 an die Bundesregierung geschickt werden können. Aber dann geht es schnell, dann kann das Geld fließen: von Berlin nach Stuttgart, von Stuttgart ins Rathaus Sindelfingen. Vom Rathaus kommt dann – ich denke 2024 – ein Schreiben an die Schulen: „Ihr könnt jetzt die 10000 Euro aus dem Digitalpakt ausgeben, aber nur für Glasfaserkabelanschlüsse.“ Und was ist, wenn die Schulen die längst haben? Dürfen sie dann auch Endgeräte kaufen oder Lehrkräfte zu Schulungen schicken oder den bereits veralteten Server austauschen? Ein Pakt, bei dessen Umsetzung einen die Verzweiflung packt! Aber beim Klima geht es ja auch nicht schneller.

Kategorien
Politik

Ausgeschlossene Zöglinge

Offenbar sind sie nicht nur als Bildbearbeiter Fortgeschrittene, auch das Veröffentlichen elektronischer Bildwerke bereitet ihnen keinerlei Mühe. Also, könnte man denken, handelt es sich um Musterschüler, die vielen anderen Jugendlichen zum Vorbild werden könnten. Dem ist aber mitnichten so. Sie können was, aber sie haben ihr Kompetenzen missbraucht. Das Problem sind die Inhalte ihrer digitalen Arbeiten. Sie haben zwei Lehrpersonen in verfängliche Bildzusammenhänge gebracht und diese entstellten und verunstalteten Lehrkörper im Netz publiziert. Ein klarer Verstoß gegen deren Persönlichkeitsrechte! Die Strafe der Schule folgte offenbar auf dem Fuß: vier Wochen Ausschluss, schreibt die Zeitung, „vorläufig“. Doch warum vorläufig? Eine Maßnahme nach Paragraf 90 des Schulgesetzes ist nicht vorläufig, sondern endgültig, sofern der Schulleiter sie beschlossen und zuvor die Klassenkonferenz sowie die Erziehungsberechtigten angehört hat. Vier Wochen Schulausschluss sind möglich, es ist die Höchststrafe bei befristetem Ausschluss. Sie könnte gekoppelt werden mit der Androhung des endgültigen Ausschlusses, sozusagen als „rote Linie“, mit der Botschaft: beim nächsten Mal seid ihr ganz draußen. Man hätte den vollständigen Schulausschluss auch gleich verhängen können. Die Begründung wäre einfach: Es ist den beiden Lehrkräften nicht zuzumuten, mit denen, die sie verhöhnt haben, im gleichen Haus zu tätig zu sein. Aber vielleicht hat die Schulleitung Grund zur Milde: Möglicherweise zeigen die beiden tätige Reue, im Netz.