Gesuchte Lehrkräfte

Eigentlich suchen die Schulverwaltungen bundesweit keine „Lehrkräfte“, auch keine „Lehrenden“, sondern junge Menschen, weibliche und männliche, die Lehrer werden wollen, meinetwegen auch Lehrerin oder Lehrer. Sie fehlen, aber nicht allenthalben, sondern besonders an den Grundschulen und bei den anderen Schularten in bestimmten Fächern, Mathematik oder Physik oder Religionslehre. Den Werbern stellt sich die Frage: Wie bringt man jemand, der das Abitur „in der Tasche“ hat (was tatsächlich nie passiert, man legt das Zeugnis, das den gymnasialen Abschluss bescheinigt, in der Regel in einen Ordner oder eine Mappe), wie bringt man sie dazu, sich für das Lehramt zu interessieren und ein Studium dafür zu beginnen? Gewiss nicht mit dem Hinweis auf ein sehr gutes Gehalt, es ist nämlich allenfalls gut, auch nicht so sehr mit den Karrierechancen, die sind begrenzt, sondern eigentlich nur mit dem Hinweis auf die Tätigkeit: Man lernt etwas und bringt es den Kindern bei. Ein Fachstudium in Chemie, Germanistik oder Kunst hat seinen Reiz, die dabei erworbenen Kenntnisse an Jüngere weiterzugeben kann ebenfalls eine erfüllende Aufgabe sein. Sie ist es nicht immer, das liegt auch an den Inhalten. Ihre Komplexität so zu vereinfachen, dass Kinder und Jugendliche „mitkommen“, ist eine schwierige Aufgabe. Das weniger Vergnügliche am Lehrerberuf kann sich auch in der täglichen Begegnung mit den „Lernenden“ zeigen, den Mädchen und Jungen, wenn man es einfach ausdrücken will. Die wollen oft nicht, haben anderes im Sinn, sind faul, geschwätzig, desinteressiert, haben Probleme zu Hause oder mit Freunden, kurz: Sie wollen nicht lernen. Das kann man ihnen oft nicht verdenken. Damit klarzukommen übersteigt oft die Kräfte der Lehrkräfte. Sie leiden auch an den Korrekturen, am Unsinn, den man ihnen zu lesen zumutet. Alles wahr, dennoch: Es gibt sie auch, die anderen Momente, in denen es gelingt, etwas „rüberzubringen“, die jungen Köpfe anzuregen. Ihretwegen wird man Lehrer.

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Befremdliche Entwicklung

Eine neue statistische Erhebung zeigt, dass die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland gewachsen ist. Ein Drittel der Deutschen lehne Fremde ab, heißt es, im Osten sei es mehr als ein Drittel (45 %), im Westen etwas weniger als ein Drittel. Nun bin ich mir nicht im Klaren, ob ich auch zu denen gehöre, die was gegen Fremde haben. Es fällt mir nicht schwer, zugegeben, dass ich mich mit manchen Mitmenschen schwer tue. Sie verhalten sich so, dass es mir zuwider ist, sie machen Aussagen, die ich borniert finde, sie geben mit ihrem Besitz an, sie schaden der Umwelt, sind eingebildet und arrogant. Solche Menschen lehne ich ab. Es ist mir nicht möglich, diese Unausstehlichen sympathisch zu finden. Ich kenne einige nette Menschen, die aus „dem Osten“ kommen, aber ich finde es armselig, dass offenbar viele dort ihrer alten DDR nachtrauern, dass sie „den Westlern“ vorwerfen, sie erobert und gedemütigt, ihnen ihre Identität, ihren Besitz genommen zu haben. Es geht nicht darum, die Untaten mancher aus der alten BRD zu beschönigen, die sich am Osten bereichert haben. Aber ich persönlich habe denen im Osten nichts genommen, im Gegenteil: Sie bekommen seit vielen Jahren bares Geld von mir, den Solidarzuschlag. Da geht es um Beträge von mehreren tausend Euro. Das haben sie bekommen und ohne Widerspruch angenommen. Aber sie sind immer noch unzufrieden, warum auch immer, und sie nehmen mich auf in die Gruppe von Menschen, die sie hassen. Ich hasse niemanden, aber ich tu mich schwer mit den Ostlern. Dort kultiviert man gern seine Fremdenfeindlichkeit und seine Ressentiments gegen die Menschen aus dem Westen der Republik, ich nehme mir die Freiheit, meine Antipathie gegen diese „neuen Deutschen“ zu pflegen. Sie sind mir fremd, sie sind Fremde.

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Journalistische Verwertungsoptimierung

Wenn man mit Zeitungen aufgewachsen ist, mag man sie ungern missen. Die tägliche Lektüre von wichtigen oder belanglosen Ereignissen war schon für Hegel ein fast religiöser Akt mit alttestamentlicher Dimension. Erfährt man doch alles Schlimme, welches die Welt zu bieten hat. So bleibt man realistisch, gefeit gegen jedweden Illusionismus. So weit, so gut. Aber nun mischen sich in die tägliche Presseschau Gefühle des Unmuts. Denn die Inhalte zweier einst sehr unterschiedlicher Postillen, der regionalen Böblinger Kreiszeitung (mit dem Mantel der Stuttgarter Nachrichten) und der überregionalen Stuttgarter Zeitung gleichen sich mehr und mehr. Natürlich sind die Tagesthemen schon immer ähnlich, das Weltgeschehen ist nun mal so, aber die Texte ähneln sich nicht nur, sie sind fast immer identisch. Es handelt sich nicht um Einzelfälle, sondern um zehn bis zwanzig Berichte pro Tag, die sich bis in die Druckfehler gleichen. Nur die Fotos sind manchmal verschieden und das Layout und natürlich stehen die Berichte auf unterschiedlichen Seiten. Was waren das noch für Zeiten, als man am Montagmorgen zwei verschiedene Berichte vom letzten Spiel des VfB lesen konnte! Noch raffinierter ist übrigens der zeitversetzte Abdruck („War das nicht vorgestern schon in der X-Zeitung?“). Vor kurzem erschien derselbe Artikel zum dritten Mal. Häckerling muss also feststellen, dass die einst heftig konkurrierenden beiden Stuttgarter Tageszeitungen inzwischen in froher Harmonie ihre Arbeit tun. Ich stelle sie mir im selben Haus einträchtig nebeneinander sitzend vor und ihre Texte verfassen, sie auf den hauseigenen Rechner schicken, wo sie dann von einem Oberredakteur auf die beiden Blätter verteilt werden. Nun könnte man einwenden, eine Zeitung genüge künftig. Aber welche? Die regionale bringt mehr Regionales, die überregionale mehr Kulturelles. Wie schön, wenn man sich eine Zeitung zusammenbasteln könnte: das von der einen und jenes von der anderen. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert, das Zeitunglesen schon gar nicht.

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