Unverständliche Sprachhilfe

Die Landesverwaltung Baden-Württemberg hat ein Problem identifiziert und es sogar gelöst. Unverständliche Behördentexte werden künftig von einer Software überprüft und überarbeitet. Komplexe Satzbauten, dubiose Passivsätze, verwinkelte Rechtsauskünfte werden – so macht es die Zeitung heute glauben – von dieser Software erkannt und ihrer Komplexität beraubt. Das hat sich das Land schlappe 280.000 Euro kosten lassen, die jährlichen Updates kosten nur 72.000 Euro. Finanziert wird das von den Lehrkräften in Ausbildung und den Aushilfslehrkräften. Sie werden nach altem Brauch über die Sommerferien entlassen. Das spart dem Staat einige hunderttausend Euro und sorgt dafür, dass in den Kaufhäusern und Industriebetrieben über die Ferien genügend Hilfskräfte vorhanden sind. Häckerling ist allerdings der Meinung, es wäre besser gewesen, auf die Software zu verzichten und dafür die Lehrerentlassungen zu vermeiden. Warum, fragt er sich, kann ein gut bezahlter Beamter nicht selbst einen Text verständlich formulieren? Vielleicht sollte man für ein paar überzählige Deutschlehrer Nebenjobs in den Ministerien schaffen. Die könnten die unverständlichen Texte überarbeiten. Kosten würde das sehr viel weniger als diese Schadsoftware für beschädigte Sprache. Im Übrigen würden auch viele mündliche Äußerungen einen Beckmesser vertragen. Was an Redundanz und sprachlicher Schludrigkeit bei einer einzigen Ausschusssitzung (wie gestern in Sindelfingen) produziert wird, wie viel Zeit durch das Vorlesen von Powerpoint-Folien, sinnlose Wiederholungen der immer gleichen Sätze und identischen Inhalte sowie durch unsinnige, pseudohöfliche Floskeln totgeschlagen wird, es geht auf keine Kuhhaut. Wie viel Langeweile dieses dröge Gerede erzeugt, welches Quantum an Politikverdrossenheit in endlosen Sitzungsstunden produziert wird – das kann sich nur vorstellen, wer diese Sprechfolter selbst erlebt hat.

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Bleibende Verlierer

Man hätte es sich denken können. Während Verlieren im Fußball-Vereinssport immer mit dem Rauswurf des Trainers endet, sogar bei den kickenden Frauen im Nationaltrikot war das so, geht der Deutsche Fußballbund bei den männlichen Balltretern den umgekehrten Weg. Der Verlierer wird belohnt; er darf im Amt bleiben. Offenbar hat er die peinlichen Auftritte seiner Mannschaft nicht zu verantworten. Aber wer dann? Häckerling ist entsetzt. Statt auf einen Neuanfang und Neuaufbau dieses faulen Haufens, genannt Nationalmannschaft, zu setzen, wird ein übles Weiter-So praktiziert. Dass die Zeitungen von Löw fordern, dass „er sich neu erfinden“ müsse, geschenkt. Seit wann erfinden sich 58-Jährige neu? Aber dieses Gebaren liegt auf der derzeitigen Linie. Da hat der senile Alte aus Bayern endlich seinen Rücktritt angeboten, und was geschieht? Alle hätten erfreut jubeln können, aber nein, sie drängen den Provinzfürsten, im Amt zu bleiben. Der Löw der CSU braucht sich nicht einmal neu zu erfinden, er darf weiter der bleiben, der er in den letzten geworden ist: ein Wichtigtuer, der mit seiner Sturheit und unsinnigen Forderungen (PKW-Maut, Müttergeld, Obergrenze) unserer Demokratie und damit unserem Land Schaden zufügt. Hierzulande dürfen alte Männer offenbar machen, was sie wollen. Ein trostloses Signal für die Zukunft Deutschlands!

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Wohlige Antriebsschwäche

Deutschland verspielt die Zukunft oder Das Ende einer Märchenzeit, man könnte es so ausdrücken, das Aus der Nationalmannschaft bei der WM in Russland. Dann klänge es aber sehr allgemein, politisch, gesellschaftskritisch, und es läge die Unterstellung darin, dass uns nicht nur fußballerisch schlecht, sondern ganz allgemein schlecht geht. Doch es fällt schwer, das Spiel von Kasan nicht als Symbol zu nehmen. Was da sich auf dem Platz bewegte, das war das gegenwärtige Deutschland: behäbig, satt, ohne Elan, langsam, ohne Ideen, wie gefesselt, doch in dem Gefühl, die Besten zu sein. So kann man nicht gewinnen, so verspielt man tatsächlich seine Zukunft, nicht nur in einem Turnier, sondern auch global. Häckerling kommt sein Land vor wie der gefesselte Gulliver, fest verschnürt, bewegungslos, statisch. Man lebt von den großen Taten der Vergangenheit, von Reformen, die alte Fesseln zum Reißen brachten und die man jetzt diffamiert. Dabei kamen dadurch viele Menschen in Arbeit. Sie wurden von den Fesseln der staatlichen Leistungen befreit und zu eigenverantwortlichen Bürgern. Die Fußballmannschaft spielt nach einem System, das früher Erfolg bescherte. Jetzt haben wir die Bescherung: das System ist nicht mehr zeitgemäß. Die Zeiten wandeln sich, tempora mutantur, wer stehen bleibt, fällt zurück – eine uralte Banalität. In der nächsten Zeit werden wir das Wort vom „Prüfstand“ hören, auf den alles müsse. Doch dieses Bild ist nach dem Dieselskandal obsolet. Halten wir es lieber mit Paulus, der empfohlen hat, alles zu prüfen (nicht im Labor, sondern in der Wirklichkeit), und das Gute zu behalten. Aber werden wir das Gute, das Richtige, das Zukunftsträchtige erkennen? Werden wir stark genug sein, die Sommermärchenzeit hinter uns zu lassen? Oder wird die Beharrlichkeit dieser gefesselten Republik sie weiter in Wohlfühlschwäche dahindämmern lassen?

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