Tramp

Manchmal ist es gut, zum Beispiel an Tagen wie dem 20. Januar 2017, sich an die Lektüre der Kindheit zu erinnern. Aus Karl Mays „Schatz im Silbersee“ weiß ich, was Tramps sind: Umherziehende mit bösen Absichten und niedrigen Beweggründen. Man konnte ihnen nicht über den Weg trauen, ging es ihnen doch vor allem um persönliche Bereicherung. Vor schlimmen Taten scheuten sie nicht zurück. Beruhigend für den jugendlichen Leser: Sie nahmen ein schlimmes Ende. Heute und hierzulande denken wir differenzierter über unstete Landfahrer. Wir respektieren ihren Lebensstil, bedauern ihre Verfolgung in früheren Zeiten, wissen, dass man nicht von Einzelnen auf alle schließen darf und akzeptieren, dass sie wenig Ambitionen haben, sich in unser Gemeinwesen einzubringen. Die amerikanischen Tramps sind offenbar anders gestrickt als die hiesigen. Sie tarnen sich als Wohlhabende, streben öffentliche Ämter an, sogar höchste. Und sie erreichen sie sogar. Einer von ihnen ist dieser Tage sogar Präsident geworden. In seiner Rede zur Inauguration hat er die Maske des Biedermanns fallen lassen. Er droht, dass nun seinesgleichen das Volk repräsentieren würden, dass künftig seine Interessen und die seiner Freunde im Vordergrund stünden und dass die Bedürfnisse der anderen zurückzustehen hätten. Zuerst kämen er und seine Klientel, womit er wohl seine Wähler meint. Bei Karl May werden die Tramps besiegt. Heute bleibt nur die Hoffnung, dass sie ihren Wohnsitz häufig wechseln, also nach einiger Zeit in der Versenkung verschwinden.

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Breymaier

Die Überschrift nennt den Namen der Vorsitzenden einer Partei, die bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg auf 12,7 Prozent gekommen ist. Immerhin, das muss man zugeben, waren das mehr, als die FDP erreicht hat. Frau B. ist nun bald 100 Tage im Amt und da pflegen die Medien aufzumerken. Sie haben – so in der heutigen (2ß.1.17) Zeitung – Leni B. gefragt, wie es ihr gehe und was sie uns zur Politik der SPD zu berichten weiß. Wichtig sei ihr, dass „Parteiarbeit“, also die bei den Sozialdemokraten, „wieder Spaß macht.“ Aber haben auch wir Leser Spaß? Schauen wir uns an, was sie zur Bildungspolitik sagt. Da habe die SPD Großes geleistet, „die Türen aufgemacht und Luft reingelassen“. Als harmloser Mensch denkt man da an den redensartlichen „frischen Wind“. Aber der war in den letzten fünf Jahren offenbar so stark, dass manchen Schülern die Luft ausging. Wie sonst ist zu erklären, dass es bei der IQB-Studie einen „Absturz“ des Landes gegeben hat? Ein Schlüsselsatz von Breymaier ist: „Im Bildungsbereich haben Akademikerkinder immer noch die besseren Chancen.“ Das ist er wieder, der linke Reflex. Was unterstehen sich die Akademiker eigentlich? Sie fördern ihre Kinder – mit der Folge, dass die dann bessere Chancen haben. Das, so lese ich den Satz, muss unterbunden werden oder wenigstens anders. Das häusliche Fördern endlich muss aufhören, Vielleicht hülfe hier ein Malus weiter: Wer Akademikerkind ist, bekommt an den Noten immer was abgezogen. Oder will B. sagen, dass man die Nichtakademikerkinder auch fördern soll? Dann entwickelt mal ein Konzept, Ihr Herren Stoch, Breymaier und Co!

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Kaemka

In der Überschrift sieht sie merkwürdig aus, die KMK, aber sie wurde halt so geschrieben, wie man sie ausspricht. Doch sie ist auch etwas Merkwürdiges. Die Konferenz der Kultusminister ist kein Verfassungsorgan, jedenfalls ist im Grundgesetz nicht von ihr die Rede. Sie wurde nach der Gründung der Bundesrepublik geschaffen, weil man bald merkte, dass die Schulsysteme auseinanderdriften würden, wenn man der „Kulturhoheit der Länder“ kein Korrektiv zur Seite stellte (Konjunktiv 2). Leider kann die KMK nur Empfehlungen geben, gesetzt den Fall, sie einigt sich einstimmig auf eine Regelung. Die dann umzusetzen obliegt den Regierungen der einzelnen Bundesländer. Das ist ein träges Verfahren. Es wundert daher wenig, dass es lange dauert, bis eine Innovation überall implementiert ist. Im Jahr 2017 ist Frau Dr. Eisenmann, ihres Zeichens Kultusministerin des Musterlandes Baden-Württemberg, Vorsitzende der KMK. Ihr Schwerpunkt werde die berufliche Bildung sein, sagt sie. Dazu gehöre auch die digitale Welt, denn – so die Erkenntnis der Ministerin – ohne „digitale Bildung“ habe ein junger Mensch kaum Chancen in der modernen Arbeitswelt. Dazu passt eine Meldung in der Zeitung von heute (19.1.17): Von den 600 Millionen Euro, die der Bund 2016 für die Breitbandverkabelung zur Verfügung gestellt habe, seien nur 5 Millionen abgerufen worden. Den Bundesfinanzminister wird es freuen, jenen aber, die sich um Deutschlands Zukunft Sorgen machen, läuft es eiskalt den Rücken hinunter, nicht nur der augenblicklichen Frostphase wegen.

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