Olympische Dopingspiele

Heute sollen in einem Ort Koreas mit einem unaussprechlichen Namen die sogenannten Winterspiele beginnen. Ihr Markenzeichen sind fünf ineinander verflochtene Ringe. Entgegen anderer Vermutungen handelt es sich hier nicht um die Darstellung einer chemischen Verbindung, sondern um die Verknüpfung der fünf Erdteile. Sie eint der gemeinsame Sport und das gemeinsame Doping. Gewinnen werden die Wettbewerbe jene „Sportler“, die am unauffälligsten gedopt wurden. Denn längst geht es nicht mehr nur darum, leistungssteigernde Präparate zu entwickeln. Sie müssen auch so wirken, dass man sie mit den herkömmlichen Methoden nicht nachweisen kann. Eine Art olympischer Chemiewettbewerb. Dabei haben naturgemäß größere und reichere Länder einen gewissen Vorteil. Nur sie können sich die teuren Labore leisten. Am Ende wird man am Medaillenspiegel ablesen können, wer die beste Dopingindustrie hat. Das könnte Häckerling eigentlich egal sein. Wenn sich jemand nach der Einnahme chemischer Substanzen auf Eis und Schnee mit anderen Gedopten messen will, mag er/sie das tun. Möglicherweise ist das die Zukunft des Sports. Was mich allerdings stört ist die Verstopfung des Fernsehprogramms mit stundenlangen Berichten über Veranstaltungen, bei denen Ski gefahren, gerodelt und über Schanzen gesprungen wird. Mit dem bloßen Auge lassen sich Unterschiede nicht erkennen. Deshalb laufen für den TV-Konsumenten Uhren mit, die auf Bruchteile von Sekunden genau angeben, wer schneller war. Am Ende ist es dann klar, wer gewonnen hat, dann, wenn die Medaillen vergeben und die Nationalhymnen gespielt werden. Muss man sich das ansehen? Nein!

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Närrische Dummheit

Diesmal ist die alljährliche Narretei, die auszuhalten das verinnerlichte Toleranzgebot unsereinem auferlegt, nicht einmal vor fahrlässiger Körperbeschädigung zurückgeschreckt. Eppinger Hexen haben einer jungen Frau in ihren Hexenkessel getaucht und ihr schwere Verbrennungen zugefügt. Ist das nun ein Zeichen der Gewaltbereitschaft des Narrentums oder einfach nur die Dummheit von Narren, die sich mit den Gesetzen der Wärmelehre nicht auskennen? Schlimm wäre beides. Schlimm ist auch, dass offenbar kein Wort des Bedauerns gefallen ist und das Narrentreiben weiterging, als ob nichts geschehen wäre. Auch der Südwestrundfunk gab sich große Mühe, diese Untat herunterzuspielen. Die Meldung war ihm nur wenige Sekunden wert. Dafür gab es in den Abendnachrichten am Sonntag Sexagesimä jede Menge Bilder vom „Narrentreiben“ des Wochenendes. Ansonsten präsentiert sich das Dritte von SWR ganz besonders verrückt. Weil es offenbar an des Sendens werten Narrenveranstaltungen mangelt, hat man sich aufs Wiederholen verlegt. Wer so blöd ist, das Dritte einzuschalten, bekommt Narrensitzungen der letzten zehn Jahre zu sehen. Bei „Mainz, wie es singt und lacht“ hat man besonders tief in die Mottenkiste gegriffen und Filmchen aus den 1980er Jahren abgespielt. Und das auch noch in einer ganz miesen Bildqualität. Den Satz „Dafür zahle ich …“ verkneife ich mir. Dafür stehe ein anderer am Schluss: Wie gut, dass heuer die „närrische Zeit“ so kurz ist!

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Gymnasiale Zunahme

Nein, es stimmt nicht, was vom Ministerium behauptet wird: dass die Übergangsquoten in die weiterführenden Schulen stabil seien. Im Gegenteil, jedes Jahr nimmt der Prozentsatz derer zu, die ins Gymnasium wollen. Man kann auch nicht sagen, der Übergang in die Gemeinschaftsschule stagniere, nein, er hat signifikant abgenommen. Die Zahlen sind auf der Homepage der Landesregierung nachzulesen. Man sollte sich die Lage nicht schönreden, sondern sie zur Kenntnis nehmen. Die gymnasiale Zunahme kann man zwar als „Abstimmung mit den Füßen“ deuten, als Beweis für die Attraktivität dieser Schulform. Aber man sollte zur Kenntnis nehmen, dass sich damit nicht erreichen lässt, was der Politikermund immer mal von sich gibt: Man wolle das Niveau des Gymnasiums halten. Hier gibt es kein Halten mehr. Das Niveau sinkt. Das bestätigen die Vergleichsstudien, das beklagen die Lehrerinnen und Lehrer, deren Kraft und Zeit von Fördermaßnahmen, Einzelhilfen für Schwächere, von ständigem Üben und immer wieder neu Erklären in Anspruch genommen werden. Anspruchsvolle, selbstständige Gedankengänge der Schüler, die Auseinandersetzung mit komplexen Sachverhalten, das Betreten unwegsamer intellektueller Bereiche, die kritische Auseinandersetzung mit der bedrohlichen Realität, dafür ist kaum noch Zeit. Das Gymnasium ist auf dem Weg zur Regelschule. Und die Gemeinschaftsschule? Sie arbeitet sich ab an ihrer unlösbaren Aufgabe: allen gerecht zu werden, jeden individuell zu fördern, dem Kind mit Defiziten und dem mit geistigen Ansprüchen jeweils das Seine zu geben, die Kluft zwischen den sozialen Schichten zu überwinden, die Fremden zu integrieren, die Schwachen und die Leistungswilligen zusammen sinnvoll arbeiten zu lassen. Das kann nicht gelingen. Wann werden es die Verantwortlichen schaffen, die schulischen Holzwege zu verlassen?

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