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Verboosterte Gesellschaft

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man einen Lachanfall bekommen. Die Inzidenz steigt und mit ihr die Nervosität der politisch Verantwortlichen. Jeden Tag senden sie uns neue Botschaften. Zuerst hieß es, man wolle mit der gebührenpflichtigen Testung die Bereitschaft der Ungeimpften erhöhen, sich piksen zu lassen. Die Folge: Es wurde weniger getestet; die Testzentren fuhren ihre Kapazitäten zurück. Nun hat der der amtierende Berliner Gesundheitsminister von einem Tag (Freitag, 12.11.21) auf den anderen (Samstag, 13.11.21) verfügt, dass die Tests wieder kostenlos sein sollen. Aber jetzt fehlt es natürlich an Testkapazitäten, denn wer kann von heute auf morgen ein Testzentrum „hochfahren“? Die nächste Idee: die Einführung von 2G+. Was ist das? Es dürfen dann nur noch Geimpfte, Genesene, die auch getestet sind, eine Veranstaltung (Sport, Kultur und?) besuchen. Die zu erwartende Folge: Die Ungeimpften sparen sich das Testen, denn sie dürfen eh nirgends mehr rein. Wenn sie aber nicht getestet werden, erfährt man such nicht, ob sie möglicherweise infiziert sind. Und die anderen 61 Millionen brauchen täglich einen Test. Da bedarf es des gesamten Staatsapparats, der in 24-Stunden-Schichten diese Regelung umsetzt. Und dies neueste Idee: Verkürzung der Halbjahresfrist für Geimpfte. Sie sollen früher (einen Monat, zwei Monate?) geboostert werden. Leider scheitert auch dieser Plan an einem Mangel an Impfstellen. Häckerlings Hausarzt ist schon jetzt für 2021 ausgebucht. Wie soll er sich früher drittimpfen lassen, wenn niemand da ist, der es macht. Oder sollen wir jetzt wieder in die Zeit des Impftourismus zurückfallen? Schon jetzt hört man von Betagten der Risikogruppe über 70, dass sie ins Umland gefahren sind, um nach einem Impfer (oder einer Impferin) zu fahnden. Es wäre einfach schön, wenn unsere Staatslenker erst denken und dann handeln würden.

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Religiöse Impfgedanken

Natürlich kann man bei Pandemien an die göttlichen Strafmaßnahmen im Alten Testament denken. Mit der Sintflut wurde die Menschheit und das Getier eliminiert. Nur Noah war weitblickend genug, sich und seine Familie und etliche Tiere mit einem Schiff zu retten. Warum sind die anderen nicht auf diese Idee gekommen? Sie haben die Katastrophe nicht kommen sehen. Ein Impfgegner, denke ich mir, wäre Noah nicht gewesen. Manche Fromme sehen alles Schlimme als von Gott verhängt. Naturkatastrophen wollen sie mit Gebeten überstehen. Gott prüfe oder strafe die Menschen für ihre Sünden, glauben sie. In dieses Schema passt auch das Virus. Weil die Menschheit sich nicht mehr an die göttlichen Gebote hält, reagiert der Herr mit Attacken auf sie. Zum Glück sterben nur die Sündigen an Covid, die guten Menschen überleben es. Und wenn es mal anders kommt, so wird sich Gott schon was dabei gedacht haben. Krankheiten sind der Test unseres Glaubens. Josua Kimmich, der wahrscheinlich nicht zu den Frommen gehört, will sich nicht impfen lassen. Er meint, der Impfstoff sei noch nicht lange genug erprobt. Misst man seine Haltung am Kernstück des christlichen Glaubens (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst), dann besteht seine Liebe der Nächsten darin, sie als Versuchskaninchen für die eigene Impfung zu sehen. Wenn diese Kaninchen die Impfung gut überstehen, dann kann ich mich auch irgendwann unbesorgt impfen lassen. Es gibt auch Impfgegner, die einfach warten, dass die anderen sich impfen lassen und so eine „Herdenimmunität“ entsteht, die auch sie schützt. Hier steht die Selbstliebe über allem. Was scheren mich die andern? In den Gottesdiensten muss man Zettel ausfüllen und ständig Maske tragen, auch beim Singen. Ob man Luft genug hat, ob man unter Sauerstoffmangel leidet, das interessiert die Kirchenleitungen nicht. Sie verzichten auf 2G oder 3G, weil sie „offen“ sein wollen für alle, auch für Impfverweigerer. Hier triumphiert die „Nächstenliebe“, auch wenn der ungeimpfte Gottesdienstbesucher dafür sorgt, dass der geimpfte sich unter seiner Maske schwer tut, auf religiöse Gedanken einzulassen.

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Sinkende Bildungskurve

Die deutsche Bildungsforschung schlägt Alarm. Allerdings hört man ihn kaum. Die Bündelung aller Studien zum Stand der „Bildungsrepublik Deutschland“ (Merkel) hat ergeben, dass die nach PISA 2000 zu erkennende Steigerung der Bildungsleistungen 2010 nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern in den Sinkflug übergangen ist. Das hat, auch, mit der Zunahme der aus anderen Ländern zu uns Gekommenen zu tun. Offenbar ist es nicht gelungen, die Kinder dieser Bevölkerungsgruppe schulisch zureichend zu integrieren. Dazu kommt: In keinem vergleichbaren Land hängt das Bildungsniveau in solchem Umfang von der sozialen Zuordnung ab wie in Deutschland. Rund ein Fünftel aller Schülerinnen und Schüler verlässt die Schule ohne ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen zu können. Das ist fatal. Und dabei seien, heißt es, die Folgen der Pandemie noch gar nicht berücksichtigt. Da hat sich gezeigt, dass es nicht nur am Technischen mangelt, sondern auch (und vor allem) am pädagogisch sinnvollen Umgang mit den digitalen Ressourcen. Nun ist Bildung Ländersache. Der aktuelle Befund müsste dort eigentlich für Aufregung sorgen. Aber weit gefehlt. Man preist die (unsichtbaren) Erfolge der schulischen Arbeit und erkennt die grundsätzlichen Defizite nicht. Eine andere dieser Tage publizierte Studie hat ergeben, dass die Schreibleistungen der Abiturient*innen (das Formulieren von Sätzen, das korrekte Schreiben von Wörtern und die regelkonforme Setzung der Kommas) in den letzten 50 Jahren stetig gesunken sind. Das konnte man sich denken. Aber unsereins hat den Eindruck, dass dies den Verantwortlichen ziemlich egal ist.