Gewähltes Debakel

Die Bayernwahl am Sonntag hat nicht unter einem Mangel an Kommentaren zu leiden. Die Medien überschlagen sich mit Versuchen, das Ergebnis für CSU und SPD mit passenden Wörtern zu kennzeichnen. Am beliebtesten ist das Wort „Debakel“. Wir haben es seit dem 19. Jahrhundert als Fremdwort im deutschen Wortschatz. Ursprünglich kommt es aus dem Französischen; dort bezeichnete es den „Eisgang“ bzw. seine Ursache: die plötzliche Auflösung des Eises durch Schmelzen. Das Bild hilft beim Verstehen des bayerischen Wahlgeschehens. Offenbar haben die beiden Volksparteien dort (und auch in Berlin?) schon seit Längerem auf dünnem Eis agiert. Der Schmelzvorgang wurde nun akut und die Eisläufer, die politischen Akteure, sind eingebrochen. Aber zum Glück hat die deutsche Publizistik Auguren, die in die Zukunft blicken und die weitere Entwicklung voraussagen können. Allerdings sehen sie Unterschiedliches. Die einen meinen den Abgang von Seehofer zu erkennen, der dann zu einem Opfer des Eisgangs würde. Aber andere meinen zu sehen, dass er bleibe. Auch die Kanzlerin wird von den einen als Verschwindende wahrgenommen, während andere sie noch eine Weile im Amt sehen. Leichter ist die Prognose, dass erst in zwei Wochen etwas geschehen wird, nach der Hessenwahl. Man darf gespannt sein, welches Wort dann zur Beschreibung der Lage Konjunktur haben wird.

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Neutrales Unterrichten

Die Alternativen beklagen sich über Lehrkräfte, die sie in ihrem Unterricht negativ darstellen. Darüber regen sie sich mit Recht auf, denn der Unterricht hat sich politisch (und religiös) neutral zu geben. Die Aufgabe eines Lehrers besteht nicht darin, die Schüler von seiner Meinung zu überzeugen, sondern sie zu selbstständig denkenden, mündigen Menschen zu bilden. Solange die AfD keine vom Verfassungsgericht verbotene Partei ist, darf sie ihr politisches Geschäft betreiben, darf ihre Meinung haben und ihre Forderungen in den Raum stellen. Darüber kann man im Unterricht schweigend hinweggehen oder die Lernenden mit geeignetem Material zu einer eigenen Meinung gegenüber der politischen Rechten (und natürlich auch der Linken) verhelfen. Allenfalls auf Anfrage darf ein Lehrender kundtun, dass er (oder sie) diese Partei wähle oder nicht wähle. Aber wie gesagt: Solche Bekenntnisse von Pädagogen sind nicht der Sinn von Schule. Nun wollen die von der A-Partei aber mehr: Wenn ein Lehrer im Unterricht gegen sein Neutralitätsgebot gegenüber den Rechtsaußen verletzt, sollen die Schüler dies (auch anonym) auf einer elektronischen Plattform kundtun. Man könne dann geeignete Schritte unternehmen, um solches schulisches Fehlverhalten zu unterbinden. So verständlich es ist, dass eine umstrittene Partei ihren Gegnern das Handwerk legen will, so unanständig ist es, dafür einen Pranger zu schaffen und die Schüler zum Aushorchen ihrer Lehrer anzustiften. Wenn schon, dann muss ein solches Gespräch schulintern geführt werden, mit den betreffenden Lehrkräften oder ggf. auch zusammen mit der Schulleitung. Öffentliches Anprangern ist gefährlich für das Schulklima.

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Teure Alte

Die Alten sind und werden zunehmend mehr zum Problem, als Wähler, als Rentner, als Kranke. Die Medien stürzen sich auf das Thema, große Artikel in den Zeitungen malen Schrecken an die Wand, die sich wie Untergangsorakel lesen. Als Wähler sind die Alten ein Ärgernis, weil sie wählen. Sie gehen eher zur Wahl als die Jüngeren, also bestimmen sie auch mehr als diese die Politik in der Altenrepublik Deutschland. Wahrscheinlich wäre es besser, nur noch der Hälfte der alten Wahlberechtigten das Stimmrecht zu belassen, um diese Unwucht zu beseitigen. Als Rentner und Pensionäre sind die Alten schon länger ein Problem, weil ihre Renten und Pensionen die Renten- und Staatskassen in unziemlicher Weise belasten. Es ist eine Zeitbombe. Jedes Jahr fließt mehr Geld auf die Girokonten der Ruheständler. Und jedes Jahr bleibt weniger Geld für andere Aufgaben übrig. Kommen wird der Tag, an dem Renten und Pensionen unbezahlbar sein werden. Wahrscheinlich wäre es besser, man fröre sie auf dem Stand von 2018 ein. Dann hätten die Etats wieder mehr Luft. Es könnten Schulen und Krankenhäuser, Kitas und Straßen gebaut und repariert werden. Denn als Kranke sind die Alten das größte Problem. Je älter sie werden, desto teurer werden sie. Oft ist das letzte Lebensjahr das teuerste. Nun lässt sich dieses letzte Lebensjahr formallogisch nicht abschaffen. Aber es wäre wahrscheinlich besser, es träte früher ein. Die Alten werden immer älter, ein Trend, den es zu stoppen gilt. Die Segnungen der Medizin sind zum Fluch der Gesellschaft geworden. Es hülfe eigentlich nur, wenn man die medizinischen Ausgaben von einem bestimmten Alter an deckelte. So wüchsen sie nicht ins Unermessliche. Oder hat jemand eine bessere Idee?

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