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Sinkende Bildungskurve

Die deutsche Bildungsforschung schlägt Alarm. Allerdings hört man ihn kaum. Die Bündelung aller Studien zum Stand der „Bildungsrepublik Deutschland“ (Merkel) hat ergeben, dass die nach PISA 2000 zu erkennende Steigerung der Bildungsleistungen 2010 nicht nur zum Stillstand gekommen, sondern in den Sinkflug übergangen ist. Das hat, auch, mit der Zunahme der aus anderen Ländern zu uns Gekommenen zu tun. Offenbar ist es nicht gelungen, die Kinder dieser Bevölkerungsgruppe schulisch zureichend zu integrieren. Dazu kommt: In keinem vergleichbaren Land hängt das Bildungsniveau in solchem Umfang von der sozialen Zuordnung ab wie in Deutschland. Rund ein Fünftel aller Schülerinnen und Schüler verlässt die Schule ohne ausreichend Lesen, Schreiben und Rechnen zu können. Das ist fatal. Und dabei seien, heißt es, die Folgen der Pandemie noch gar nicht berücksichtigt. Da hat sich gezeigt, dass es nicht nur am Technischen mangelt, sondern auch (und vor allem) am pädagogisch sinnvollen Umgang mit den digitalen Ressourcen. Nun ist Bildung Ländersache. Der aktuelle Befund müsste dort eigentlich für Aufregung sorgen. Aber weit gefehlt. Man preist die (unsichtbaren) Erfolge der schulischen Arbeit und erkennt die grundsätzlichen Defizite nicht. Eine andere dieser Tage publizierte Studie hat ergeben, dass die Schreibleistungen der Abiturient*innen (das Formulieren von Sätzen, das korrekte Schreiben von Wörtern und die regelkonforme Setzung der Kommas) in den letzten 50 Jahren stetig gesunken sind. Das konnte man sich denken. Aber unsereins hat den Eindruck, dass dies den Verantwortlichen ziemlich egal ist.

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Mediales Analphabetentum

Ein Gespenst geht um in der Welt: der naive Glaube an die Wahrheit von Posts in den sozialen Medien. Wenn die Zahlen stimmen, sind sie besorgniserregend. Dass nämlich rund ein Viertel der Bevölkerung anfällig ist für Unwahrheiten, für erfundene Theorien und dümmliche Weltdeutungen. Dass Menschen für wahr halten, was längst als falsch entlarvt wurde. Wir könnten mit dem Finger auf die USA zeigen, wo ein Präsident verkündet, er habe eine Wahl gewonnen, die er verloren hat, wo ihm Anhänger blindlings folgen und auch vor Gewalttaten nicht zurückschrecken. Aber wenn es bloß im bildungsdefekten Amerika so wäre, könnten wir uns entspannt zurücklehnen. Aber es soll auch bei uns Menschen geben, die sich als Virus-Leugner bekennen, die hinter der Pandemie eine Weltverschwörung wittern und im Impfen den Versuch, uns genetisch zu verändern. Es gibt auch Leugner des vom Menschen gemachten Klimawandels. Es gibt Antisemiten, die hinter allem, was derzeit an Ungutem geschieht, das Weltjudentum als Akteur sehen. Derlei Zeug wird allenthalben verbreitet. Und es wird geglaubt. Es ist Zeit für eine PISA-Studie, die sich der medialen Dummheit annimmt. Hat die Schule versagt? Haben wir mediale Analphabeten herangezogen? Ein Korn Wahrheit steckt darin. Die mediale Bildung ist rudimentär. Wir haben zu wenig Kompetenz im Umgang mit medialer Desinformation vermittelt. Wir haben zu wenig darauf geachtet, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, bei Informationen die Spreu vom Weizen zu trennen, Falsches von Richtigem zu unterscheiden, guten und schlechten Journalismus auseinanderzuhalten. Die Kultusministerkonferenz, von der man derzeit fast nichts hört, hätte hier eine systemrelevante Aufgabe.

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Verdummendes Deutschland

Deutschland verdummt – der Titel dieses 2019 erschienenen Buches von Michael Winterhoff soll provozieren und zum Widerspruch anregen. Winterhoff ist Kinder- und Jugendpsychiater, schaut also aus der Distanz des Bildungslaien auf die schulische Entwicklung der letzten 20 Jahre. Sie sei katastrophal verlaufen, stellt er fest. Ein wachsender Teil der Kinder und Jugendlichen habe in den Schulleistungen stark nachgelassen. Er führt das auf die Zunahme des „offenen Unterrichts“ zurück; der überlasse es Kindern, was und wie sie lernen wollten. Die Lehrer seien zu „Lernbegleitern“ geschrumpft, sie zögen sich aus der Verantwortung zurück. Eine didaktische Fehlentscheidung, meint Winterhoff: Kleine Kinder seien noch nicht in der Lage, ihren Lernweg selbst verantwortungsvoll zu bestimmen. Diese Aufgabe komme den Erwachsenen, den Eltern, Erziehern und den Lehrenden, zu. Sie hätten die Aufgabe, den ihnen Anvertrauten den Weg ins Leben zu weisen. Aber nicht das Nachlassen der Schulleistungen sei das größte Problem, sondern die Unreife der Kinder und Jugendlichen. Um zu einer Persönlichkeit zu werden, müssten sie an Aufgaben, Anforderungen und Herausforderungen wachsen. Wenn man ihnen alle Steine aus dem Weg räume, blieben sie Kleinkinder, die später unfähig sind, sich in der Welt zurechtzufinden. Der Fehler der Schule: Wenn es schon dem Elternhaus nicht gelinge, die Kinder zur Reife zu bringen, dann hätten Kita und Schule die Pflicht, das nachzuholen. Die aber versagten ebenfalls. Dort werde nicht gefordert, sondern so getan, als wären die Kleinen erwachsen und wüssten selbst am besten, was sie zu tun hätten. Das aber sei grundfalsch. Mit freiwilligen Lernangeboten lerne man nichts, sondern gehe den Weg des geringsten Widerstands. Ohne Orientierung sind die Kinder verloren.