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Umstrittener Regelbetrieb

Endlich haben die rot-schwarzen Koalitionäre ein Thema gefunden, über das sie sich publikumswirksam streiten können. Kann nach den Sommerferien an den Schulen wieder der „Regelbetrieb“ losgehen, wie es die KMK vereinbart hat und wie es die Ministerin E. beteuert, oder ist das wenig wahrscheinlich, wie der Ministerpräsident K. mutmaßt? Diese Differenz zwischen den Aussagen der beiden Wahlkämpfer ist gar keine. K. ist skeptisch, weil über 20 % der Lehrkräfte fehlten, sie seien „vulnerabel“, also verletzlich oder gefährdet, wenn das Virus sie erwischt. E. ist optimistisch, muss aber einräumen, dass es wegen der fehlenden Lehrkräfte nicht ohne Einschränkungen gehen werde. Ein Streit um des Kaisers Bart. Oder, um es paradox auszudrücken: Wir werden im Herbst an den Schulen einen ungeregelten Regelbetrieb haben. Der müsste allerdings klug geregelt werden. Die Vulnerablen sind ja nicht krank, sondern nur schützenswert, wie wir alle eigentlich. Sie können arbeiten, in der Schule unter Einhaltung der Hygieneregeln oder zu Hause am Bildschirm. Steht ihre Stunde an, so Häckerlings Vorstellung, werden sie „zugeschaltet“. Falls das von einem Nebenraum des Schulhauses aus geschieht, einem Studio sozusagen, wäre das fast wie normaler Unterricht. Ob die Klasse eine zusätzliche Aufsicht braucht oder ob Videoüberwachung ausreicht, müsste von Fall zu Fall entschieden werden. Man könnte eine Hoffnung haben: dass die Schützenswerten dann doch lieber ins Klassenzimmer gehen, wenn ihnen die Videoauftritte zu lästig sind. Oder werden sie nur darüber jammern, was man ihnen zumutet? Sorry, aber ich sehe in den Geschäften, den Lokalen und auf den Flughäfen viele, die mir ziemlich vulnerabel vorkommen. Warum sollte man sie nicht im Unterricht sehen?

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Verhinderter Schulbesuch

Die Kinder sollen wieder zu Schulkindern werden. Wenigstens für zwei Wochen, ehe die sechseinhalb Wochen dauernden Sommerferien sie wieder der häuslichen Quarantäne unterwerfen. Das gehe nicht, liest man in der regionalen Zeitung. Dazu fehlten sowohl die Lehrkräfte als auch der Platz. Warum es an Räumen fehlen soll, wenn nur die Hälfte der Kinder kommen darf, erschließt sich nicht so recht. Die Abstandsregeln sind bei (höchstens) 15 Personen eigentlich gut einzuhalten. Dass man notfalls auch „schichten“ könnte, müsste inzwischen allen klar sein. Zwischen acht und 18.00 Uhr lässt sich viel Unterricht unterbringen. Aber der Platz sei nicht das Hauptproblem, es seien die Lehrerinnen und Lehrer, die fehlten. Warum das? Wo sind die hingekommen. Ach so, sie müssen zu Hause auf ihre Kinder aufpassen. Aber da beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn die Kinder in der Schule wären, müssten Eltern nicht zu Hause bleiben und auf sie aufpassen. Nun gebe es allerdings auch ältere Lehrkräfte, die zu den Risikogruppen gehörten. Die sind „freigestellt“. Offenbar traut man den älteren Menschen nicht zu, dass sie sich durch Abstand und MNS selber schützen. Testen könnte man sie ja auch. Was bei Fußballspielern möglich ist, müsste auch bei Pädagogen leistbar sein. Aber dann steht in der Verlautbarung noch etwas, was Häckerling irritiert. Ein Fünftel der Lehrenden habe sich selbst vom Dienst suspendiert. Wie geht das? Sie fehlen einfach und müssen nicht einmal nachweisen, warum sie nicht arbeiten wollen. Da ist was in der Ausbildung schiefgegangen. Lehrer in BW sind Beamte. Und die haben gefälligst die Pflicht, „mit vollem Einsatz“ ihrem „Dienst“ nachzukommen. Das ergibt sich aus dem privilegierten Beschäftigungsverhältnis zwischen dem Staat (dem „Dienstherrn“) und seinen beamteten „Bediensteten“. Sollten sich unter den 20 % der Selbstbefreiten, die ihre monatlichen Bezüge dennoch gerne einstreichen, Drückeberger befinden, wäre das ein treffliches Argument gegen das „Beamtenverhältnis“.

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Fleißige Lehrende

Dass es neben dem C-Virus auch noch andere Themen in die Zeitung schaffen, ist erstaunlich. Dieser Tage wurde wieder einmal die Klage der Gymnasiallehrer publiziert, sie seien zeitlich überbelastet. Ihre Wochenarbeitszeit betrage (die Ferien eingerechnet) 45,5 Stunden. Diese Zahl wird seit vielen Jahren unverändert genannt. Auf welchen Daten sie beruht, weiß niemand. Sie mag ja sogar stimmen, aber sie ist folgenlos, denn es fehlt ihr an Eindrücklichkeit. Zumal es ein Durchschnittswert ist. Alle wissen, sie sagen es aber nie laut, dass die Belastung der Lehrkräfte saisonal stark schwankt, dass sie von ihren Fächern abhängig ist und ihrer Arbeitsweise. Wissen sollte man auch, dass die Mehrzahl der Lehrenden keinen vollen Lehrauftrag hat, also der Wert 45,5 nur auf einen Teil zutrifft. Dass die Arbeitszeit davon abhängig ist, wie jemand arbeitet, d. h. wie gründlich, wie strukturiert, wie redundant. Man kann an einem Oberstufenaufsatz eine Stunde sitzen oder auch nur eine halbe – macht bei 20 Arbeiten 10 Stunden Unterschied. Natürlich findet man in einer Stunde mehr Probleme im Schülerprodukt, aber niemand hat bisher bewiesen, dass erhöhtes Anstreichen von Falschem einen höheren Lerneffekt beim Zögling hat. Es gibt weitere Möglichkeiten der Reduktion von Arbeitszeit: kürzere Klassenarbeiten, gemeinsam erarbeitete oder von Verlagen fertig gelieferte Unterrichtseinheiten, eine sinnvolle Ablage der Materialien, die zügigere Abwicklung von Konferenzen, eine bessere Nutzung des Digitalen (zum Beispiel bei der Notengebung), strengere Regeln für Elterngespräche etc. Auf eine Senkung des Deputats zu hoffen ist müßig.