Kategorien
Schule

Verordnete Mehrarbeit

Wenn ein Mangel an Lehrkräften herrscht, gibt es verschiedene Lösungen: Man stellt mehr Lehrerinnen und Lehrer ein, sofern es welche gibt, man lässt die vorhandenen Lehrenden fachfremd unterrichten, was allerdings nicht immer geht, denn nicht jede oder jeder kann statt Französisch Chemie unterrichten, oder man vergrößert die Klassen, was aber auf wenig Gegenliebe bei den Eltern stößt, oder man erhöht das Deputat, was dann einer Gehaltssenkung entspräche und die Bereitschaft junger Menschen, das Lehramt zu studieren, eher senkt, oder man ordnet Überstunden an. Letzteres hat die Schulministerin von BW nun vor. Allerdings wird im KM so getan, als ob das freiwillig wäre. Das aber kann es nicht sein, denn die freiwillige Mehrarbeit war schon bisher möglich. Wer wollte, konnte ein oder zwei Stunden mehr unterrichten – mit der Auflage, sie möglich bald, also im nächsten oder übernächsten Schuljahr durch eine entsprechende Senkung der Stundenzahl wieder auszugleichen. Es kann also bei der jetzigen Maßnahme nicht ums Dürfen, sondern ums Sollen oder eigentlich Müssen gehen. Bezahlt wird diese Art der Mehrarbeit nicht, sondern in ein paar Jahren durch Freizeitausgleich abgegolten. Das birgt Risiken für die Lehrerinnen und Lehrer. Was ist, wenn sie dann gar nicht mehr in der Schule sind, weil Kinder zur Welt kommen, der Ruhestand ansteht oder ein Wechsel in ein anderes Bundesland? Ob dann die unfreiwillig freiwillige Mehrarbeit finanziell ausgeglichen wird oder als „Geschenk“ des Staatsdieners an den Staat einkassiert wird?

Kategorien
Politik

Gesuchte Lehrkräfte

Eigentlich suchen die Schulverwaltungen bundesweit keine „Lehrkräfte“, auch keine „Lehrenden“, sondern junge Menschen, weibliche und männliche, die Lehrer werden wollen, meinetwegen auch Lehrerin oder Lehrer. Sie fehlen, aber nicht allenthalben, sondern besonders an den Grundschulen und bei den anderen Schularten in bestimmten Fächern, Mathematik oder Physik oder Religionslehre. Den Werbern stellt sich die Frage: Wie bringt man jemand, der das Abitur „in der Tasche“ hat (was tatsächlich nie passiert, man legt das Zeugnis, das den gymnasialen Abschluss bescheinigt, in der Regel in einen Ordner oder eine Mappe), wie bringt man sie dazu, sich für das Lehramt zu interessieren und ein Studium dafür zu beginnen? Gewiss nicht mit dem Hinweis auf ein sehr gutes Gehalt, es ist nämlich allenfalls gut, auch nicht so sehr mit den Karrierechancen, die sind begrenzt, sondern eigentlich nur mit dem Hinweis auf die Tätigkeit: Man lernt etwas und bringt es den Kindern bei. Ein Fachstudium in Chemie, Germanistik oder Kunst hat seinen Reiz, die dabei erworbenen Kenntnisse an Jüngere weiterzugeben kann ebenfalls eine erfüllende Aufgabe sein. Sie ist es nicht immer, das liegt auch an den Inhalten. Ihre Komplexität so zu vereinfachen, dass Kinder und Jugendliche „mitkommen“, ist eine schwierige Aufgabe. Das weniger Vergnügliche am Lehrerberuf kann sich auch in der täglichen Begegnung mit den „Lernenden“ zeigen, den Mädchen und Jungen, wenn man es einfach ausdrücken will. Die wollen oft nicht, haben anderes im Sinn, sind faul, geschwätzig, desinteressiert, haben Probleme zu Hause oder mit Freunden, kurz: Sie wollen nicht lernen. Das kann man ihnen oft nicht verdenken. Damit klarzukommen übersteigt oft die Kräfte der Lehrkräfte. Sie leiden auch an den Korrekturen, am Unsinn, den man ihnen zu lesen zumutet. Alles wahr, dennoch: Es gibt sie auch, die anderen Momente, in denen es gelingt, etwas „rüberzubringen“, die jungen Köpfe anzuregen. Ihretwegen wird man Lehrer.

Kategorien
Politik

Überfällige Anpassung

Einer der übelsten Bräuche der Kultusverwaltung war die Begleichung der Reisekosten von Lehrkräften durch Selbstzahlung. Seit vielen Jahren steht auf dem Antragsformular, mit dem man sich eine „außerunterrichtliche Veranstaltung“ (Ausflug, Schullandheim, Studienfahrt, Exkursion etc.) bei der Schulleitung genehmigen lassen muss, man könne die Reisekosten verlangen, auf einen Teil der Erstattung verzichten oder sie ganz selber zahlen. Diese Regelung ermöglicht es den Schulen, mehr AUV durchzuführen, als es seitens des Landes Mittel dafür gibt – ein wunderbares Argument im Kampf um neue Fünftklässler. Die Regelung hat auch Vorteile für das Land: Es konnte die Mittel für die AUV deckeln und so seinen Haushalt sanieren. Den reisenden Lehrern bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie verweigern die Übernahme der AUV, womit sie sich in Widerspruch zu einer Anordnung der Schulleitung setzen, schließlich ist die Unternehmung genehmigt worden, und sich überdies den Zorn der Schüler und ihrer Eltern zuziehen, die sich schon auf die Reise gefreut haben. Oder sie übernehmen die Kosten. Das freut alle und belastet nur den eigenen Geldbeutel. Dass man mit dieser unmoralischen Regelung, deren Rechtswidrigkeit Häckerling in seinen Schulrechtskursen immer behauptet hat, so lange durchgekommen ist, bestätigt die Leidensfähigkeit der Lehrenden. Nun hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig dieser Praxis einen Riegel vorgeschoben: Reisekosten sind zu bezahlen. Welche neue Idee, die Ausgaben zu deckeln, wird sich die Schulverwaltung nun einfallen lassen?