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Richtige Schreibung

Zum Beginn des neuen Schuljahrs hat sich das KM in BW etwa ausgedacht, was zur Steigerung der Qualität der Schülerleistungen beitragen soll. Es ist ein Griff in die schulrechtliche Mottenkiste. Dort lag sie unbeachtet und wirkungslos, die Verordnung über die Beurteilung von Rechtschreibleistungen im Fach Deutsch und den anderen Fächern. Sie wurde vor Jahren ein Opfer der Abwertung des korrekten Schreibens. Das sei lange überbewertet worden, hieß es, es gebe keinen Aufschluss über die Qualität eines Schülers, sei bloße Konvention, gängle die Kinder beim Formulieren … Und so fiel das Thema Orthografie der Vergessenheit anheim. Nichts war es mehr mit dem Abzug von Noten oder Punkten bei schlechter Darstellung in den anderen Fächern. Selbst im Fach Deutsch blieben die formalen Mängel bei der Leistungsbeurteilung fast völlig außer Betracht. Mit der Folge, dass auch die Lehrkräfte selbst in ihrer Rechtschreibkompetenz spürbar schwächer wurden. Aber nun soll das Steuer herumgerissen werden. Das richtige bzw. unrichtige Schreiben soll wieder in die Notengebung eingehen. Man darf gespannt sein, ob diese Neuerung, d. h. die Wiedergeburt des Alten, auf Gegenliebe oder wenigstens Beachtung stößt. Häckerling hat seine Zweifel. Mit dem Verordnen allein ist es nicht getan. Wer selbst Probleme mit der Orthografie hat, wie soll der (oder die) den Rotstift an der richtigen Stelle ansetzen? Wer ohne orthografischen Druck aufgewachsen ist, wie soll der (oder die) nun einen solchen ausüben?

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Gescholtene Rechtschreibreform

Zu den besonders beliebten unter den gedankenlosen Äußerungen gehört der Satz: „Früher war alles besser.“ Abgesehen davon, dass unklar ist, wann „früher“ war und was man unter „alles“ versteht, ist auch das Wörtchen „besser“ von teuflischer Ungenauigkeit. Der Komparativ eines Adjektivs bedarf des Vergleichs, sonst ist er inhaltsleer. Besagter Satz wird gerne auf die Rechtschreibung gemünzt. Deren Reform, die vor über 20 Jahren begonnen hat, wird von vielen, die keine Ahnung haben, gerne als Teufelswerk gegeißelt. Dabei war man sich in den 1990er Jahren einig, dass der Schreibwildwuchs, den der Duden-Verlag neun Jahrzehnte mehr schlecht als recht verwaltet hatte, ein Ende haben müsse. Dabei hatte sich seit der letzten Rechtschreibreform, der von 1902, einiges verändert. Aus dem Bureau war das Büro geworden, aus den Cakes der Keks und anderes mehr. Aber es gab barocke Regelungen, die jeden Deutschlehrer zur Verzweiflung brachten: das Komma beim erweiterten Infinitiv zum Beispiel. Stunden haben wir zugebracht, um die etwa zehn Regeln zu vermitteln und zu üben. Das vereinfacht zu haben ist eine der großen Errungenschaften der letzten Reform. Auch hält Häckerling es für einen beträchtlichen Fortschritt, dass man das ß eingedämmt hat und nach kurzem Vokal nun ss verlangt. Endlich kann man hören und es schreibend umsetzen, ob man eine Fressmeile (kurzes e) aufsucht oder sich über den Fraß (langes a)in der Kantine beklagt. Nein, Rechtschreibung und Zeichensetzung waren vor der Reform nicht besser, im Gegenteil, sie hat vieles vereinfacht, auch für die Schüler. Dass das neue Regelwerk in den Schulen nicht richtig vermittelt wurde, hat einen anderen Grund: Die Lehrkräfte sind nicht richtig eingeführt worden. Als ahnungslose Rechtschreiber haben sie ihren Zöglingen die Systematik der neuen Regeln vorenthalten. Die Folgen sind bekannt.

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Überforderte Studierende

Der massenhafte Exodus von Studenten und (möglicherweise auch) Studentinnen bei einer Prüfung an der Universität Hohenheim sorgt für Stress dort und im Wissenschaftsministerium. Mit akademischer Gründlichkeit hat man nun erforscht, warum dutzende (schreibt Häckerling klein, weil er es als Zahlwort nimmt) junger Leute die Prüfung unter Vorlage eines ärztlichen Attestes lautstark verlassen haben. Nun hat man ermittelt, dass diese Jungakademiker heillos überfordert sind. Es ist alles so schwierig und gar nicht so, wie sie es von der Schule her kannten. Dort wurde ihnen das Leben leicht gemacht und „der Stoff“ mundgerecht serviert. Warum macht es ihnen die Universität so schwer? Warum hilft sie ihnen nicht beim Lernen des Wissensstoffes? Warum ist der überhaupt so unverständlich? Und dann möchte die Uni auch noch, dass man die Rechtschreibung beherrscht! Nachdem man in der Grundschule nach dem Gehör hat schreiben dürfen und die Vermittlung eines Regelwerks in den Anfängen stecken geblieben ist, nachdem die Gymnasien in der Vermittlung der Orthografie keine wichtige Aufgabe gesehen haben und man auch mit zig Fehlern eine ordentliche Note im Abitur bekommen hat, will nun die Hochschule plötzlich, dass man korrekt schreibt. Ist das nicht eine ungeheure Zumutung? Alle wissen doch, dass Rechtschreibung und Zeichensetzung unwichtig sind. Und jetzt plötzlich dieser Aufstand wegen ein paar Buchstaben! Häckerling versteht die jungen Leute. Sie sollen Versäumnisse ausbaden, die sich in Jahren angesammelt haben. Leider ist es so: Orthografie und Zeichensetzung wurden schon vor geraumer Zeit auf dem Altar der Kuschelpädagogik geopfert.