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Benannte Gesetze

Mit dem „Gute-Kitas-Gesetz“ hat es angefangen, mit dem „Starke-Familien-Gesetz“ ging es weiter, der Trend zur verständlichen Benennung von Gesetzen ist unverkennbar. Derlei Bezeichnungen haben den großen Vorteil, dass sie ausdrücken, was das Gesetz zu erreichen vorgibt, aber in der Regel nicht schafft. Diese Gesetze werden keine guten Kitas und starke Familien schaffen, sondern allenfalls ein Zwischenschritt auf dem Weg dahin sein. Die Gesetzesnamen suggerieren also, was sie in Wirklichkeit nicht leisten. Sie sind Propaganda und damit Teil des permanenten Wahlkampfs. Die Regierung von Baden-Württemberg könnte diese Möglichkeiten auch nutzen. Wie wäre es mit einem „Gute-Schulen-Gesetz“ oder einer „Erfolgreicher-Unterricht-Verordnung“. Dann hätte man wenigstens mit der Benennung das Ziel erreicht, das tatsächlich noch weit entfernt ist. Denkbar wäre auch ein „Kein-Unterrichtsausfall-Gesetz“ oder eine „Digitalisierte-Schule-Initiative“. Häckerling fragt sich, warum unser Land nicht auf diese sprachliche Möglichkeit zurückgreift. Die Idee, an die Stelle erfolgreicher Politik erfolgreiche Propaganda zu setzen, ist uralt. Schon immer haben Politiker mit sprachlichen Mitteln versucht, ihr Versagen zu kaschieren. Treffende Bezeichnungen könnten das Land wieder in die Erfolgsspur bringen. Frau von der Leyen soll bereits an einem „Schlagkräftige-Bundeswehr-Gesetz“ arbeiten und der Finanzminister an einem „Bürgerfreundliche-Steuerentlastung-Gesetz“, im Verkehrsministerium liegt der Entwurf für das „Staufreie-Straßen-Gesetz“ und im Innenministerium das „Integrierte-Migranten-Gesetz“. Die Welt wird besser mit jedem Tag, wenigstens die Welt der Gesetzesnamen.

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Kostenlose Kitas

Das erste schulpolitische Thema des neuen Jahres hat bisher mit der Schule wenig zu tun, die Kita. Die ist mehr oder weniger Privatsache und liegt in der Verantwortung der Städte und Gemeinden. Ihrer Qualitätsverbesserung sollen erhöhte Mittel des Bundes dienen („Gute-Kita-Gesetz“). Das Geld könnte auch zu einer Absenkung der Elternbeiträge verwendet werden. In Berlin zum Beispiel, einer notorisch armen Stadt, kostet der Besuch einer Kita für Kinder ab drei nichts. Auch Städte in Baden-Württemberg haben sich zu diesem Nulltarif entschlossen. Andernorts zahlen die Eltern zum Teil ein paar hundert Euro im Monat. Die hiesige CDU will nichts von einer Kostenlosigkeit wissen. Darunter würde die Qualität leiden. Die Grünen sagen, ein kostenloser Kita-Besuch wäre sozial ungerecht, weil dann auch Wohlhabende von der Ersparnis profitierten. Mit dieser Logik könnten sie auch das Schulgeld für Besserverdienende wieder einführen. Häckerling leuchtet die Diskussion nicht ein. Dass die Kosten für Kinder in jeder Kommune anders sind, dass jeder Umzug zu einer Senkung oder Erhöhung der Elternausgaben für die Kita führt, das ist nicht nachzuvollziehen. Beides ist nötig: die Senkung der Gebühren und die Erhöhung der Qualität. Die lässt bei der Sprachförderung immer noch erheblich zu wünschen übrig. Ein Kind darf, so meine ich, erst eingeschult werden, wenn es Deutsch kann. Dafür zu sorgen wäre die Aufgabe der Kindertagesstätten. Dazu brauchen sie Mitarbeiterinnen, die selbst der deutschen Sprache mächtig sind. Nicht alle sind es. Dass es an Geld für die Gebührensenkung bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung fehle, stimmt nicht. Die öffentlichen Haushalte quellen von Geld über. Sie plündern den Bürger ungeniert aus und lamentieren über ein monetäres Defizit, das es nicht gibt. Dabei ist alles ganz einfach: bessere Sprachleistungen führen zu einer besseren Schulbildung.

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Verlorene Mundart

Andere Völker kämpfen um den Erhalt ihrer Sprache. Wir erinnern uns an den belgischen Sprachenstreit, den Kampf der Katalanen um die Zulassung ihrer Sprache als Amtssprache, den aktuellen Streit in Israel um die Rolle des Arabischen gegenüber dem Hebräischen. Die Schwaben, die jahrelang mit dem unsinnigen Slogan geworben haben, sie könnten alles außer Schwäbisch, haben ihre Sprache längst aufgegeben. Sie können nicht einmal mehr Schwäbisch. Das haben sie in Nischen gedrängt, wo es still vermodert. Mundartdichter treten nur noch unter ihresgleichen auf, in den Stuttgarter Nachrichten werden täglich dümmliche Sprüche aus dem Mund geistig begrenzter Pseudoschwaben abgedruckt. Man mag es nicht mehr lesen. In den Schulen ist das Schwäbische schon seit Jahrzehnten verboten, in den Kitas kann das Personal oft kaum Hochdeutsch, geschweige denn Schwäbisch. Die Folge, kein Enkel von Häckerling kann die hiesige Mundart. Sie reden, wie ihnen der Schnabel offenbar gewachsen ist: ein Durchschnittshochdeutsch ohne Dialekteinschlag. Man kann das als Zeichen von Weltoffenheit deuten, kann sich freuen über die Internationalität des Landes oder aufatmen, weil der regionale Ballast über Bord geworfen wurde. Pädagogen finden es toll, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen, wenn sie Türkisch und Deutsch, Englisch und Deutsch parlieren können. Wer locker zwischen Schwäbisch und Hochdeutsch wechseln kann, wird nicht gerühmt, sondern allenfalls bedauert. Unser Minischterpräsident, der Herr K., dem der Wechsel zum Hochdeutschen nur mit Mühe gelingt, will nun das Schwäbische retten. Da kommt er allerdings zu spät. Der Zug ist bereits abgefahren. Des hemmer vergeigt.