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Kirche

Kirchliche Fürsorge

Der württembergische Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July ruft in der Corona-Krise zu einem „Handeln in Nächstenliebe und ruhiger Verantwortlichkeit“ auf. Seine Beobachtung: Seit die neuartige Lungenkrankheit auch Deutschland erreicht hat, „bündeln sich wie durch ein Brennglas gesehen menschliche Verhaltensweisen der positiven wie negativen Art“. – Es ist nie falsch, Nächstenliebe zu üben und verantwortlich zu handeln. Und das „ruhig“ zu tun, will sagen: ohne Hysterie, ist auch kein schlechter Rat. Interessant der zweite Satz, in dem der Bischof vom „Blick wie durch ein Brennglas“ spricht. Sorry, aber ein Brennglas ist zum Entzünden von Brennbarem da, weil sich damit die Sonnenstrahlen so konzentrieren lassen, dass es sehr heiß wird. Will der Geistliche etwa zündeln? Nein, er meint vielleicht eine Lupe, ein Vergrößerungsglas, durch das man einen besseren Blick auf die Gegenstände hat. Aber sind die Menschen Gegenstände? Wahrscheinlich schwebt July so eine Art Zoom vor, das Heranholen von Ereignissen und Menschengruppen durch eine Kamera, die das Ferne näher rückt und so den Blick auf Details möglich macht. Für einen Landesbischof, einen Mann des Wortes, ist ein solch missverständliches Votum peinlich. Dass die Menschen immer positive und negative Verhaltensweisen an den Tag legen, müsste auch einem Geistlichen bekannt sein. Übrigens: Die sonntäglichen Gottesdienste sollen stattfinden, aber die Besucher sollen Abstand halten, sich nicht die Hand schütteln und auf das Abendmahl verzichten. Und was wird in der Predigt erzählt? Dass die Menschen ihren Nächsten lieben, verantwortlich handeln und sich möglichst „positiv“ verhalten sollen? Ob das reicht?

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Kirchenabbau

Wenn Höhergestellte sich zum gemeinen Volk herablassen, wollen sie die Wirklichkeit gern auf Hochglanzpapier sehen. Das galt einst für die Könige und ist heute so bei bedeutenden Ministern. Auch Prälaten, das sind in der evangelischen Kirche die Leiter von Prälaturen, also größeren Verwaltungseinheiten, auch die Prälaten stehen weit über uns gewöhnlichen Gläubigen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich bei Prälat Roses Erscheinen die evangelische Kirchenwelt in Böblingen und Sindelfingen im besten Licht zeigt. So jedenfalls steht es heute (29.3.17) in der Böblinger Kreiszeitung. Dass sich die Landeskirche Württemberg – immer noch säuberlich getrennt von der in Baden – allmählich in die Bedeutungslosigkeit auflöst, wird ausgeblendet. Und dass die gut bezahlte Kirchenleitung keine Konzepte gegen die Austritte hat, verschweigt man gerne. Eine Werbekampagne mit Luther ist zwar ein Hype, aber kein Ersatz für ausbleibende Reformen. Dem Vernehmen nach will sich die Kirche erneuern. Händeringend sucht sie nach einem neuen Luther. Aber wenn er käme, wehe, er würde die erstarrten Strukturen in Frage stellen. Dazu passt, dass nur eines klappt in dieser Kirche, der Stellenabbau. Gemeinden ohne Pfarrer werden bald keine Gemeinden mehr sein. Ich sehe den Tag kommen, an dem wir uns sonntags gemeinsam vor dem Fernsehgerät versammeln, um auf dem Bildschirm Gottesdienst zu erleben. – darf man da noch „feiern“ sagen? Die Stippvisite eines Prälaten wird diese Entwicklung nicht bremsen.

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Kirchenlichter

Die evangelische württembergische Landeskirche will ihr Licht nicht auf den Scheffel stellen, obwohl sie das mit biblischem Segen tun könnte. Die rote Laterne ist ihr offenbar lieber. Die teilt sie sich mit Sachsen in der Frage des Umgangs mit gleichgeschlechtlichen Paaren. Mit denen will sie nämlich keinen Umgang pflegen. Deren Ansinnen, Pfarrer möchten doch ihren Bund segnen, löst bei der Kirchenleitung heftigen Abscheu aus. Als der Böblinger Dekan einem solchen Wunsch entsprach und ein Paar segnete, muss das den Kirchenoberen zu Ohren gekommen sein. Menschen, die ihnen solche Nachrichten zukommen lassen, gibt es offenbar zu Hauf. Die Folge: Der Dekan wird nach Stuttgart zum Oberkirchenrat zitiert, muss seine Schuld bekennen, Abbitte tun und geloben, derlei Sünden hinfort nicht mehr zu begehen. Eine Meisterleistung der Kirchenleitung. Sie hat sich mutig gegen das ganze Homo-Unwesen gewandt und die reine Lehre beschützt. Die nimmt sie aus der Heiligen Schrift. Dort, Gott sei’ geklagt, wird tatsächlich alles Homosexuelle heftig gegeißelt. Die Männer von Sodom könnten ein Lied davon singen, wenn sie noch unter den Lebenden wären. Auch Onan wird bekanntlich für seine böse Tat mit dem Tode bestraft. Auf die Idee, die Zeitbedingtheit dieses lieblosen Umgangs mit „anderen“ Menschen anzuerkennen, ist man in dieser Landeskirche noch nicht gekommen. Es wird Zeit, dass sie das christliche Mittelalter hinter sich lässt.