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Kapitale Fresser

Gelegentlich fragt man sich als alternder Mensch, was sich gegenüber früheren Zeiten verändert hat. Natürlich fallen einem zuerst das Internet, der Mobilfunk, die Mediathek und dergleichen technische Neuerungen ein. Im Krankenhaus gibt es bessere Maschinen, auf den Straßen fahren größere Autos, die Durchschnittstemperaturen steigen, extreme Wetterlagen nehmen zu. Auf den Straßen und in den Bussen und Bahnen hört man viele verschiedene Sprachen. Weihnachten ist zur Konsumorgie degeneriert. Aber auch der Finanzbereich hat Novitäten im Angebot. Die Banken und Sparkassen haben es mit der Hilfe der europäischen Zentralbank geschafft, das Sparen, zu einer sinnlosen Tätigkeit zu machen. Aufgewachsen ist unsereins mit der Devise „Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“ Wer heute spart, hat in der Not wenig, weil sein angespartes Geld geschrumpft und dank Inflation entwertet wurde. Für die Not ist inzwischen der Staat zuständig. Er sichert uns im Alter mit Zuschüssen ab, die er den Bürgern vorher aus der Tasche gezogen hat. Die Banken verzinsen anvertrautes Geld nicht mehr, sondern neigen mehr und mehr dazu, es durch Negativzinsen zu vermindern. Welcher Mensch mit Verstand wird sein Geld noch anlegen? Er soll es ja auch nicht, er soll es vielmehr ausgeben, dann haben wenigstens die Händler, der Staat (über die Mehrwertsteuer) und die Müllverwerter etwas davon. Einst habe ich als Junglehrer das Schulsparen betreut. Aus heutiger Sicht war das eine sinnlose Zeitverschwendung und eine pädagogisches Fehlverhalten. Nicht besser, nein sogar noch schlimmer sind die Versicherungen. Wer einst dem Rat seines Bankberaters gefolgt ist und einen Vertrag mit ihnen abgeschlossen hat, gerät in Wut. Dabei sollte er sich freuen, wenn er nach zehn Jahren das eingezahlte Geld mit einem überschaubaren Verlust zurückbekommt.

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Schlechte Banken

Das war sie also, die hochgelobte TV-Serie „Bad Banks“. Die Kritik im Vorfeld war geradezu überschwänglich. Endlich eine Serie, mit der Deutschland im internationalen Wettbewerb mithalten könne! Ich weiß nicht. Nach den sechs Folgen bleibt ein schales Gefühl zurück. Gewiss, es ist „was los“: Drogen, Sex und Verbrechen, starke Frauen setzen sich gegen unfähige Männer durch. Bilder aus aller Welt (London, Paris, Brüssel, Luxemburg, Bahrain) konkurrieren mit denen deutscher Großstädte (Berlin, Leipzig) und natürlich der stete Blick aufs Frankfurter Bankenviertel. Der Blick in Großraumbüros mit eifrig arbeitenden jungen Menschen, die ständig auf ihre Handys starren, Kurznachrichten austauschen und sich des Nachts intensiv vergnügen. Das alles sieht so aus, als wäre es die Realität. Aber leider gibt es zwei Defizite: Man versteht nicht, an welchen „Produkten“ diese Banker arbeiten. Sie „erklären“ es in zwei Sätzen, die so schlecht gesprochen werden, dass man sie schon akustisch nicht versteht. Das alte Problem: Der junge deutsche Schauspieler kann nicht sprechen. Zum Glück gab es auch noch ein paar ältere, deren Sätze sogar bis zu meinen Ohren durchgedrungen sind. Aber selbst wenn die Erklärungen der Finanztransaktionen verständlich gesprochen worden wären, sie wären unverständlich geblieben. In dieser Kürze lässt sich das einfach nicht ausdrücken. Sollte es auch nicht. Es geht hier gar nicht um die Banken, sondern um den Wettbewerb im Seriengeschäft. Und die Moral? Am Ende lohnt sich das Verbrechen. Das junge Team wird weiter an seinen Betrügereien arbeiten. Es zählt nur der Erfolg, es geht nur um die Karriere. Schöne neue Welt.

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Banken und Moral

Die Ausgabe Nr. 29 der ZEIT ist geeignet, die Zahl der wütenden Bürger deutlich zu vermehren. Denn sie schürt die Wut über die Banken. Nur am Rande findet der Skandal Erwähnung, dass die normalen Sparer von der deutschen Finanzagentur weggemobbt werden. Es wird keine Tagesanleihe des Bundes mehr geben. Damit sie möglichst schnell verschwinden, wurde der Zins heute (12.7.) auf 0,0% gesetzt. Auch die einst so beliebten Bundesschatzbriefe werden gewöhnlichen Bürgern nicht mehr zur Verfügung stehen. Sie sollen sich, wenn sie denn sparen wollen, gefälligst an ihre Bank wenden. Aber das ist nur eine Randnotiz.

Was die ZEIT auf Seite 1 zur Moral der Bankmenschen sagt, übertrifft in der sprachlichen Schärfe alles bisher dazu Verlautbarte: Die Bankleute haben, so ist zu lesen, die Demokratie gedemütigt und den Bürgern gezeigt, dass nicht nur sie selbst, sondern auch die Politiker ihnen gegenüber ohnmächtig sind – siehe Notheis und wie er sein Zirkuspferd Mappus vorgeführt hat. Die Bankmenschen handeln, so schreibt Jens Jessen, „verantwortungslos“. Ihre „Gier“ übertreffe alles, was wir uns bisher vorstellen konnten. Die ZEIT nennt das „charakterliche Deformation“. Und das Zynische daran ist: Wenn diese Typen versagen, werden sie sogar noch dafür belohnt. Für Menschen bei der Bank bedeute der Slogan von der Leistung, die sich lohnen soll: „Rücksichtslosigkeit, Lüge, Frechheit und Betrug“.

Die südeuropäische Haushaltsschlamperei sei, so lese ich, vergleichsweise harmlos gegenüber der nordeuropäischen Bankenschlamperei, sagt die ZEIT mit Blick auf London. Ihr, der Finanzwirtschaft, könne „höchstens eine Revolution ein Ende bereiten“. Ein verschlüsselter Aufruf zur Revolution! Und so etwas steht in einer bürgerlichen Wochenzeitung!