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Komplizierter Fußball

Das Handauflegen des Fußball-Messias Klopp hat nicht gereicht, die deutschen Kicker kickten gegen Griechenland auch nicht besser als bei der vergeigten WM. Als Entschuldigung wird vorgebracht, dass der neue Chefcoach keine Zeit hatte, den Spielern seine Philosophie zu vermitteln. Vielleicht war die Gruppenarbeit zu kurz oder zu ineffektiv oder die Arbeitsblätter haben nichts getaugt? Die Vorstellung Klopps vom Fußballspiel wird oft mit dem Adjektiv „ballorientiert“ beschrieben. Das sollte nicht so schwierig sein. Seit jeher wird Fußball mit dem Ball am Fuß gespielt. Den Ball muss man treffen und nach Möglichkeit in eines der Tore „schießen“, die an den Enden des Feldes platziert sind. Dort steht allerdings ein Torhüter oder Torwart, der das Spielgerät daran hindert, dass es ins Tor geht. Auch die griechische Mannschaft hatte einen Torwart. Er steht jeder Mannschaft zu. Dieser ließ es einfach nicht zu, dass der von den deutschen Kickern auf den Weg geschickte Ball ins Tor ging. Doch halt: Einem ist es gelungen, dem deutschen Mannschaftsführer, den man auch Kapitän nennt. Er schlenzte den Ball ins Tor und düpierte den Torwächter. Allerdings verwechselte er das eigene Tor mit dem gegnerischen. Die Ballorientiertheit ist den Klopp-Schülern meines Erachtens durchaus gelungen. Sie haben es geschafft, sich das „Leder“ gegenseitig zuzuschieben, aber es fehlte eine andere Orientierung: die in Richtung griechisches Tor. Aber wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Nachdem die erste Auswahl mit der Spielphilosophie ihre Schwierigkeiten hatte, könnte die andere erste Mannschaft beweisen, dass es gar nicht so schwierig ist, den Ball ins richtige Tor zu bringen.

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Garantierter Job

Das Eindrucksvollste am schmählichen Aus der deutschen Kicker bei der Weltmeisterschaft ist nicht so sehr deren Unfähigkeit, gegen eine mittelmäßige Mannschaft Tore zu erzielen, sondern die Äußerung des gescheiterten Trainers Nagelsmann, seinen Job behalten zu wollen, und die Zusage des übergeordneten Chefs Völler, dass der Trainer „im Amt“ bleiben soll. Ist der Mann denn „beamtet“, hat er wie ein Beamter trotz Erfolglosigkeit Kündigungsschutz? Irgendwie scheinen die Funktionäre des bezahlten Fußballs der Wirklichkeit enthoben zu sein. Die Impertinenz des großen Infantino an der Spitze des Fußballweltverbands strahlt offenbar auf die kleinen Infantinos in den Landesverbänden ab. Das Spiel am 29. Juni, das bis in den 30sten hineinging, war für den zahlenden Kunden am TV-Gerät eine Zumutung. Ein unentwegtes Ballverteilen, quer über den Platz, ein Zögern weit vor dem Strafraum, immer wieder Ballverluste, die den Paraguayern Möglichkeiten zu Kontern boten. Es war grauslich anzusehen und zum Weinen. Man hatte den Eindruck, dass die Männer, die Deutschland auf dem Platz in Boston repräsentieren sollten, es mit der Repräsentanz ihres Landes zu ernst nahmen. So wie die große Politik viel von Torschüssen (grundlegenden Reformen) redet, aber das Tor (den Schlüssel zu diesen grundlegenden Reformen) nicht findet, so machten auch die Kicker in Weiß nicht den Eindruck, sie wüssten, wo der Ball letztlich hinmuss: ins Tor. Der Gegner versperrte ihnen den Blick und so trafen sie eben nicht. Es führt kein Weg daran vorbei: Der deutsche Fußball ist in klägliche Mittelmäßigkeit versunken. Er schafft es bei Weltmeisterschaften schon lange nicht mehr ins Achtelfinale. Der Trainer hat uns glauben lassen, wir gehörten zur Weltspitze. Schon deshalb muss er gehen. Goethe hat es auf den Punkt gebracht: Ein großer Aufwand, schmählich ist vertan.

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Kostbare Spiele

Damit das gleich klar ist: Häckerling hält den Fußball für einen attraktiven Sport. Er regt die Kleinen zum Kicken auf der Straße an, bewahrt Jugendliche im Verein vor Dummheiten und ist auch in seiner Profi-Variante unterhaltsam. Ich habe auch nichts gegen Wettkämpfe, muss allerdings zugeben, bei den europäischen Wettbewerben den Überblick verloren zu haben. Worin sich Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und olympische Spiele unterscheiden, vermag ich nachzuvollziehen. Die Fußball-WM fand einst in einem Land statt. Heuer erstreckt sie sich über zwei Kontinente. Die Mannschaften fliegen tausende von Kilometer, um von einem Spielort (in Kanada) zum anderen (in Mexiko) zu gelangen. Auch der CO2-Ausstoß ist also weltmeisterlich. Früher gab es eine Vorrunde und eine Hauptrunde. Wer in der Vorrunde ausschied, durfte nach Hause. Das ist der deutschen Mannschaft bei den letzten beiden Weltmeisterschaften gelungen. Damit hat sie die Umweltbelastung aus deutscher Sicht gesenkt. In der Hauptrunde gab es vor dem Endspiel das Achtel- (mit 16), Viertel- (mit acht) und Halbfinale (mit vier Mannschaften). Wer verlor, schied aus. So ist das im Sport. Neu bei der WM 2026 ist das Sechzehntelfinale, an dem 32 (von ursprünglich 48) Teams beteiligt sind. So viele waren es früher zu Beginn der Vorrunde. Bei der nächsten WM 2030 werden vermutlich 64 Mannschaften dabei sein. Dann ließe sich ein Zweiunddreißigstel-Finale mit allen Mannschaften einrichten. Mein Vorschlag wäre, dann auf die Vorrunde zu verzichten. An jedem Spiel, es sind diesmal über 100, verdient der Weltfußballverband. Der Vermögenszuwachs der Funktionäre ist damit gesichert, auch deshalb, weil man die Eintrittspreise der Inflation angepasst hat. Leider ist der Zuschauerzuspruch nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Sind die Leute knauserig geworden, wollen sie keine 100 Dollar für ein Spiel zahlen, das doch immerhin (mit Pausen) fast drei Stunden dauern kann, sofern es erst im Elfmeterschießen entschieden wird? Für einen europäischen Fan kommen allerdings noch ein paar tausend Dollar dazu, wenn er den Hin- und Rückflug und zwei Tage im Hotel einrechnet. Manche sagen, das werde die teuerste WM aller Zeiten. Was für Miesmacher!