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Demaskierte Leugner

Leugnen ist Alltag. Leugnen hilft, beruhigt, rettet. Schon Petrus hat sich mit seiner geleugneten Jüngerschaft vor Verfolgung gerettet. Kaum jemand, der gefragt wird, wie es ihm geht, sagt nicht „gut“, obwohl oft das Gegenteil der Fall ist. Leugnen erlaubt es, den Blick vor der Wirklichkeit zu verschließen. Nun ist es nicht immer so, dass Geleugnetes tatsächlich existiert. Wer eine Tat leugnet, kann sie begangen haben oder auch nicht. Zurzeit finden Leugner viel Aufmerksamkeit. Es gibt prominente Leugner der Mondlandung, des Klimawandels und der Covid-19-Pandemie. Man findet sie sogar unter Präsidenten. Das Leugnen ermöglicht es ihnen, auf Konsequenzen zu verzichten. Wenn sich das Klima nicht durch menschlichen Einfluss verändert, braucht der Mensch auch nicht sein Verhalten zu ändern. Wenn das C-Virus harmlos ist, sind Maßnahmen zum Schutz unnötig. Bei den Anti-Covid-19-Demonstranten kommen zum Leugnen der Gefahr noch der Ruf nach Freiheit und die Attacke auf die bösen Regierenden. Die haben nämlich die Absicht, die Bevölkerung zu unterdrücken, um ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Dabei handeln sie als Marionetten der Kapitalisten. Die wollen nur eines, uns ausbeuten. Dazu haben sie das Virus erfunden. In der Regierung finden sie willfährige Knechte, die uns die Freiheit nehmen. Aber wackere Bürger lassen sich das nicht gefallen. Häckerling fragt sich allerdings, was die Kapitalisten und der Regierenden für Vorteile haben, wenn sie die Wirtschaft mit zum Erlahmen bringen. Das schadet doch den Geschäften und lässt Gewinne einbrechen. Doch dann höre ich, es gehe um die enormen Gewinne, die man mit einem Impfstoff gegen das Virus machen kann. Die Logik ist also: Man erfindet ein Virus und verdient dann Milliarden mit dem Impfen. Wenn es aber das Virus tatsächlich gibt und ich durch mein Leugnen seine Verbreitung erleichtere, dann betreibe ich erst recht das Geschäft der Pharmaindustrie. Vielleicht sind die Virus-Leugner ja in Wirklichkeit von ihr gekauft.

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Neue Normalität

Die einen wollen, dass alles wieder so wird, wie es vor der Seuche war, die anderen erkennen in ihr eine Chance, dass künftig vieles anders wird. Sie meinen damit besser. Soziologen werden in einigen Jahren sagen können, welche Erwartung sich erfüllt hat. Vermutlich wird vieles gleich und manches anders sein. Ein ambivalentes Wortpaar hat sich dazu gemeldet: neue Normalität. In den Schulen kann man sie sich schon vorstellen. In den Rechnern der Rektorate werden zwei Stundenpläne lagern, der normale Plan und der Notfallplan. Neben den Unterrichtsentwürfen für den Präsenzunterricht warten die Materialien für den digitalen Fernunterricht auf ihren Einsatz. Die Notenbildungsverordnung bekommt einen Zusatz, der regelt, wie die Leistungen der zu Hause erbrachten Leistungen in die Gesamtnote eingehen sollen. Das von den Lehrkräften erwartete Verhalten in pandemischen Situationen wird in einer Verwaltungsvorschrift rechtssicher formuliert. Im Keller der Schule stehen Kartons mit gesichtsbedeckenden Masken, der Schulhof ist per Graffiti in Zonen eingeteilt, in den Klassenzimmern oder in den Fluren wird man mehr Schränkchen sehen, für jeden Lernenden eines. In den Umkleideräumen der Sporthallen findet man auch welche. Sie sind nach jedem Gebrauch zu reinigen. Aber von wem? Der Schwamm zum Tafelputzen wird zum Problem werden und möglicherweise verschwinden. Er war schon immer eine Brutstätte für Keime. Vielleicht fallen die Tafeln überhaupt dem Virus zum Opfer und müssen Whiteboards weichen. Lehrkräfte mit vulnerablen Eigenschaften müssen wieder arbeiten, aber sie werden jede Woche getestet. Die Gewerkschaften werden dies als diskriminierend geißeln. Die Betroffenen arbeiten an ihrem vorzeitigen Ruhestand. Das erhöht die Chancen der Lehramtsanwärter. Nach einem Jahr etwa wird die neue Normalität so gut wie vergessen sein, wenn das Virus mutiert ist und keine Lust mehr hat, sich zu vermehren.

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Umstrittener Regelbetrieb

Endlich haben die rot-schwarzen Koalitionäre ein Thema gefunden, über das sie sich publikumswirksam streiten können. Kann nach den Sommerferien an den Schulen wieder der „Regelbetrieb“ losgehen, wie es die KMK vereinbart hat und wie es die Ministerin E. beteuert, oder ist das wenig wahrscheinlich, wie der Ministerpräsident K. mutmaßt? Diese Differenz zwischen den Aussagen der beiden Wahlkämpfer ist gar keine. K. ist skeptisch, weil über 20 % der Lehrkräfte fehlten, sie seien „vulnerabel“, also verletzlich oder gefährdet, wenn das Virus sie erwischt. E. ist optimistisch, muss aber einräumen, dass es wegen der fehlenden Lehrkräfte nicht ohne Einschränkungen gehen werde. Ein Streit um des Kaisers Bart. Oder, um es paradox auszudrücken: Wir werden im Herbst an den Schulen einen ungeregelten Regelbetrieb haben. Der müsste allerdings klug geregelt werden. Die Vulnerablen sind ja nicht krank, sondern nur schützenswert, wie wir alle eigentlich. Sie können arbeiten, in der Schule unter Einhaltung der Hygieneregeln oder zu Hause am Bildschirm. Steht ihre Stunde an, so Häckerlings Vorstellung, werden sie „zugeschaltet“. Falls das von einem Nebenraum des Schulhauses aus geschieht, einem Studio sozusagen, wäre das fast wie normaler Unterricht. Ob die Klasse eine zusätzliche Aufsicht braucht oder ob Videoüberwachung ausreicht, müsste von Fall zu Fall entschieden werden. Man könnte eine Hoffnung haben: dass die Schützenswerten dann doch lieber ins Klassenzimmer gehen, wenn ihnen die Videoauftritte zu lästig sind. Oder werden sie nur darüber jammern, was man ihnen zumutet? Sorry, aber ich sehe in den Geschäften, den Lokalen und auf den Flughäfen viele, die mir ziemlich vulnerabel vorkommen. Warum sollte man sie nicht im Unterricht sehen?