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Schulpolitisches Gipfeltreffen

Wenn nichts mehr hilft, muss man sich auf höchstem Niveau treffen, auf dem Gipfel sozusagen. Das ist nicht räumlich, sondern politisch zu verstehen. Die höchsten Repräsentanten, natürlich die Kanzlerin eingeschlossen, treffen sich und beraten das Problem. Gestern ging es um die Schule. Deshalb war es ein Schulgipfel. Man unterhielt sich über deren Probleme: Wie halten wir es mit den Pandemieregeln im Schulhaus? Wie schaffen wir es, die Schulen digital voranzubringen? Grundsätzlich gilt: Wir wollen die Schulen nicht mehr schließen. Und wenn wir sie doch schließen müssen, sollte das mit dem elektronischen Fernunterricht besser klappen. Eigentlich sind das einfache Probleme, sollte man meinen: AHA gilt auch in der Schule – Abstand und Hygiene, und wenn nötig Atemmasken. Und das Digitale? Dafür hat man vor Jahren einen Pakt geschlossen. 5 Milliarden sollten fließen. Aber sie wollen und wollen nicht bei den Empfängern ankommen. Jetzt hat man erkannt, woran das liegt: Die bürokratischen Hürden sind zu hoch. Also hat der Gipfel in seiner Weisheit beschlossen, diese Hürden abzubauen. Alles klar? Dass damit die digitale Lehrkompetenz noch lange nicht gesteigert ist, wen juckt es? Lehrer müssen das mit den Computern einfach können. Und wenn nicht? Dann sollen sie es lernen. Und wie? By doing.

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Unbeirrte Demonstranten

Die Gedankengänge der Corona-Gegner sind derart komplex, dass sie sich nur als Rollenprosa fassen lassen: „Endlich wieder in Berlin, endlich können wir denen da oben mal wieder zeigen, wie stark wir sind. Manche meinen, die seien nur auf einem Irrweg, aber uns macht man nichts vor. Die da oben wissen ganz genau, was sie tun: Sie wollen uns freie Bürger mit Hygiene-Regeln knechten. Und das mit Hilfe eines harmlosen Virus, dass ein paar Chinesen in ihren Laboren gezüchtet haben und das sie mit Propagandatricks als gefährlich verkaufen, um den Westen in die Tasche zu stecken. Man redet von ein paar Toten, aber das sind Menschen, die eh gestorben wären. Man lässt uns Masken tragen, aber wozu? Viren sind so klein, die kommen überall durch. Wir werden ständig betrogen. Sie haben ja starke Verbündete, diese Corona-Diktatoren im Dienste der Chinesen: Allen voran Bill Gates, der Kinder impfen will, um an ihr Blut zu kommen. Das will er zu einem Altersverhinderungsmittel verarbeiten. Wahrscheinlich wartet Trump schon sehnlichst auf dieses Medikament, damit er für immer Präsident bleiben kann. Bald werden diese alterslosen weißen Männer die Welt im Griff haben. Und unsere Regierung macht mit. Wahrscheinlich steckt sie mit denen unter einer Decke. Bei Merkel wissen wir das schon lange. Aber auch der abartige Spahn gehört dazu. Es wird Zeit, dass dieses ganze System wegkommt. Eigentlich ist diese Republik illegal. Wir leben eigentlich im Deutschen Reich und sind die legitimen Nachfolger von Kaiser Wilhelm, Hindenburg und Hitler. Es wird Zeit, dass wir mit diesem Regime aufräumen.“

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Überforderte Verwaltungen

Rasch sind die Politikerinnen und Politiker mit dem Wort, doch auf der administrativen Ebene stoßen die Realitäten hart aufeinander. Das musste jetzt sogar der zweite Aufsteiger des Jahres (neben dem Gesundheitsminister), der bayerische Ministerpräsident, unerwartet erfahren. Dass man für Massentests nicht nur massenhaft Tests braucht, sondern auch Menschen, die sie durchführen und vor allem ein durchdachtes System der Kommunikation, das wissen Regierende im Prinzip schon. Aber sie delegieren solche Aufgaben gerne „nach unten“. Und wenn es dort unten auf den Falschen bzw. die Falsche trifft, dann ist der Schlamassel da. Der hat natürlich auch einiges mit der deutschen Wirklichkeit zu tun, täglich zu erleben bei Restaurantbesuchen oder beim Eintritt in Bibliotheken. Dort stehen hübsche Bistro-Tischchen. Darauf lagert eine Einführung in die Hygienevorschriften. Zu ihnen gehört auch das Ausfüllen eines Formulars, in das der Name, der Wohnort, die E-Mail-Adresse oder die Telefonnummer einzutragen ist. Die Eintragung erfolgt mit dem bereitgelegten Kugelschreiber. Sollte nun tatsächlich eine Infektion auftreten, muss jemand die zahlreichen Zettel sichten, sich mit Unleserlichem abmühen, die Namen in neue Listen übertragen und hoffen, dass es sich bei den Eintragungen um nichts Erfundenes handelt. Die armen Tester in Bayern sollen derzeit 44000 Zettel durcharbeiten und Listen erstellen, von denen Häckerling inständig hofft, dass sie datenbanktauglich sind. In einem Land, wo Bleistift und Kuli den Höhepunkt digitaler Nutzung darstellen („digitus“ ist ein lateinisches Wort und heißt „Finger“), ist das nicht selbstverständlich. Wie schön wäre es, wenn Politiker nicht nur große Aktionen anleiern würden, sondern sich auch um den Fortschritt im Kleinen kümmerten.