Der amerikanische Präsident und die ihm hörige Partei sind Opfer eines „blauen Tsunami“ geworden. Das lässt hilfreiche Deutungen für die Unterlegenen zu. Ein Tsunami ist ein Naturereignis und damit außerhalb menschlicher Einflussnahme. Selbst wenn der Klimawandel dazu beigetragen hätte, wäre der Tsunami unvermeidlich gewesen, denn nach der fundierten Meinung der US-Regierung hat der Mensch damit nichts zu tun. Ein Dekret verbietet dem Volk, an die Klimalüge zu glauben. Das Wetter kommt, wie es kommt. Dagegen sind wir Menschen machtlos. So ganz verstanden hat Tramp seine Niederlage noch nicht. Er vermutet, dass eine große Zahl seiner Fans beim Blick auf den Stimmzettel seinen Namen nicht gefunden haben. Weil sie die Unterschiede zwischen Demokraten und Republikanern eh nicht so recht verstehen, kreuzten sie einfach irgendwas an. So haben sie den erwarteten Erdrutschsieg ihres geliebten Präsidenten versemmelt. Einige humorlose Kommentatoren meinen, die Stimmabgabe habe mit der Teuerung zu tun und irgendwelchen Kriegen irgendwo auf der Welt. Aber diese Deutungen unterstellen, dass sich die Amerikaner die Preise im Supermarkt und an der Tankstelle merken können. Aber wer kann das schon? Die ändern sich doch ständig Auch die deutsche Regierung traut der Sache nicht. Sie nimmt an, dass bei der Wahl in zwei Jahren, wenn die Kriege und Preise vergessen sind, die Mehrheit der Stimmen des Volkes wieder jenem zufallen, der ihnen das Blaue vom Himmel verspricht (blauer Tsunami). Denn nach einer Änderung der Verfassung wird der Name des größten Präsidenten aller Zeiten wieder auf dem Wahlzettel stehen und endlich jener Erdrutschsieg stattfinden können, der 2026 versehentlich versäumt wurde.
Ungeregelte Proteste
Die Organisation der Generation-Z-Proteste nennt sich „regelnd“. Sie hat es tatsächlich geschafft, einige Zehntausend junger Leute auf die Straße zu bringen. Aber allem Regeln zum Trotz gab es in manchen Städten Krawalle mit Sachbeschädigungen. Das trägt nicht zum guten Image der Demonstranten bei, obwohl sich deren große Mehrheit ordentlich verhalten hat. Fast alle sind sich einig, dass die vorgebrachten Anliegen ernsthaft geprüft werden müssen. Es ist nicht gut, wenn man die Jugend verliert. In Frankreich scheint das der Fall zu sein. Aber was sind die Anliegen? Es sind diverse Forderungen: Wohnraum soll erschwinglich sein – das kann man gut verstehen, aber der Weg dorthin ist komplex; die Dinge des Alltags sollen bezahlbar sein – wer könnte dem nicht zustimmen? Marode Schulen sollen saniert werden – einverstanden. Die schulische Ausbildung soll besser werden – Bildungsforscher fordern das schon lange. Die Jugend möchte an politischen Entscheidungen stärker beteiligt werden – der Weg dafür steht offen, es gibt das allgemeine Wahlrecht, alle dürfen den politischen Parteien beitreten und auf diese Weise Einfluss nehmen. Krieg und Wehrpflicht werden abgelehnt – Ersterem wird jeder zustimmen, Letzteres ist ein Problem, wenn man damit meint, dass unser Staat auf jegliche Art militärischer Verteidigung verzichten soll. Dennoch: Über alle diese Punkte muss man mit den jungen Menschen diskutieren, auch in den Schulen. Man wird ihnen nicht in allem beipflichten können, sollte ihnen dann aber unbedingt erklären, warum. Demokratie ist eine komplizierte Staatsform. Aber nur sie eröffnet Wege für faire Lösungen.
Leidiges Papier
Es gehört zu den altertümlichen Bräuchen der medizinischen Welt, dass Privatpatienten sowohl die Rezepte als auch die Rechnungen für ihre Behandlungen in Papierform erhalten. Warum das so ist, lässt sich nur mit leidiger Gewohnheit erklären. Dieses Verfahren ist teuer, umständlich und belastet die Umwelt. Das Porto zum Versand der Rechnungen wird demnächst ins Astronomische steigen. Diese Papiere müssen vorher ausgedruckt werden, was nicht ohne CO2-Ausstoß geht. Die Rezepte muss der Behandelte beim Arzt abholen und dann in die Apotheke bringen oder fahren. Und was geschieht mit den papierenen Zeugnissen ärztlicher Aktivität? Sie werden nicht gebraucht, also vernichtet. Sowohl das LBV (Landesamt für Besoldung und Versorgung) als auch die Krankenkassen wollen diese Zettel nicht haben. Also fertigt der Patient digitale Kopien davon an, die er dann entweder direkt einreicht oder auf seinem Rechner als Datei speichert. Diese Dateien werden dann später bei der Einreichung elektronisch verschickt. Dann heißt es warten. Nach einigen Wochen bekommt man die ausgelegten Beträge, die manchmal in die Tausende gehen, vom staatlichen Arbeitgeber und der privaten Krankenkasse (weitgehend) aufs Konto überwiesen. All das geschieht papierlos. Daher nochmals die Frage: Was bezweckt man mit diesem umständlichen Verfahren, außer dass man die Kunden auf Trab hält? Häckerling meint: Das Gesundheitssystem ist teuer und bürokratisch ineffizient. Die vorherrschende Meinung, dass Privatpatienten privilegiert seien, möchte er insofern korrigieren, dass diese Menschen ihre Privilegien mit einem bürokratischen Aufwand und schon deshalb höheren Beiträgen bezahlen.