Zu den teuren bürokratischen Sinnlosigkeiten im Energiebereich gehört das regelmäßige flächendeckende Überprüfen der Hausanschlüsse für Strom, Gas und Wasser. Die Geräte werden alle paar Jahre ausgetauscht, sind also in der Regel korrekt installiert. Jedes Jahr werden die aktuellen Verbrauchsstände abgefragt. Wenn da etwas auffällig wäre, könnte man ja im Einzelfall „nach dem Rechten sehen“. Nun aber haben sich die Stadtwerke Sindelfingen vorgenommen, alle Geräte aller Haushalte durch eine Fremdfirma kontrollieren und dokumentieren zu lassen. Dabei werden Unmengen an Daten anfallen, die vermutlich kein Mensch genauer anschaut, vermutlich auch keine KI. Ist das die Wirklichkeit des großen Versprechens, die Bürokratie abzubauen und die Dokumentationspflichten zu reduzieren? Warum folgen auf die vollmundigen Ankündigungen keine Taten? Oder dauert es Jahre, bis aus dem Beschluss, etwas zu ändern, die tatsächliche Änderung wird? Was tun? Sich ergeben, dieser bürokratischen Orgie beugen und einen Tag zu Hause auf den Besuch des Überprüfers warten? Ich versuche einen anderen Weg. Nach dem Einbau einer neuen Heizung plus Wärmepumpe vor ein paar Monaten sind Strom-, Gas- und Wasseranschluss überprüft worden. Das teilte ich den Stadtwerken mit. Der zuständige Mitarbeiter der Stadtwerke sagte dazu, das betreffe eine andere Abteilung, unsere Anschlüsse müssten auch von seiner Abteilung überprüft werden. So seien eben die Vorschriften. Das ist empörend sinnlos. Was mir zu tun bleibt: die erneute Überprüfung zu verweigern.
Elon Musk
Was die beiden amerikanischen Autoren Quinn Slobodian und Ben Tarnoff über Elon Musk recherchiert haben, fassen sie unter dem Begriff „Muskismus“ zusammen. Das klingt wie „Marxismus“, variiert aber den aus dem 20. Jahrhundert geläufigen Begriff des „Fordismus“, mit dem man das von Henry Ford entwickelte System des Autobaus bezeichnet hat. Slobodian und Tarnoff erzählen „Aufstieg und Herrschaft eines Technoking“. Der habe in seiner Kindheit und Jugend im von Weißen beherrschten Südafrika. gelernt, dass nur Erfolg hat, wer alles im Griff hat. Nie dürfe man von anderen abhängig sein. Musks Modell der vertikalen Unternehmenskultur macht ihn unabhängig von globalen Störungen. In seinen Firmen ist er der Chef, der sich von niemandem hineinreden lässt. Mit den Firmen Paypal, Tesla und SpaceX und der Unterstützung des amerikanischen Staates hat Musk Milliarden verdient. Er konnte es sich leisten, Twitter mit Verlust zu kaufen. Ihm ging es dabei um den medialen Einfluss, den er damit erworben hat. Mit der Bürokratie-Reform unter Trump (DOGE) hat Musk sein Ziel, die Überwachung der Bevölkerung zu erleichtern, erreicht. Was will Musk? Die Welt nach seinem Bilde formen, einem konservativen, reaktionären, rassistischen Bild. Er will die Linke vernichten, deren „Wokeness“ eine Gefahr für die weiße Alleinherrschaft sei. Nichtweiße haben allenfalls zu dienen. Musk hat deshalb 14 (weiße) Kinder gezeugt. Seine Gedanken werden oft von Sciencefiction-Filmen angeregt. Für die Zukunft plant er einen Menschen, den eine superintelligente Maschine über eingebaute Chips steuert. Wird die Erde unbewohnbar, können Auserwählte auf dem Mars weiterleben. Klingt verrückt. Aber viele nehmen es ernst, die von Musk unterstützte AfD zum Beispiel. Und Trump.
Caroline Wahl
Die Schriftstellerin Caroline Wahl ist eine Meisterin der provozierenden Selbstvermarktung. Damit erhöht sie ihren Bekanntheitsgrad. Kritik an ihrem Medienrummel lässt sie an sich abperlen. „Falsche Bescheidenheit“ lehnt sie entschieden ab. Sie kann sich das leisten. Ihre ersten drei Romane waren Erfolge beim Publikum und haben sie wohlhabend gemacht. Der Reichtum wird nun noch weiterwachsen, denn dieser Tage erscheint ihr vierter Roman. Er wird sicher auch wieder ein Bestseller. Zeitgleich wird auch Wahls publizistisches Engagement für Mercedes-Benz publik gemacht werden. Diese Zusammenarbeit hatte sich abgezeichnet. Im ersten Wahl-Roman „22 Bahnen“ fährt eine der Hauptpersonen einen Mercedes der M-Klasse. Die Symbiose zwischen dem jungen Mann, einem erfolgreich in der IT-Branche Beschäftigten, und seinem Mercedes, ist innig. Damit hat sich Wahl wohl in die Herzen des Daimler-Managements geschrieben. Natürlich werden wir nicht erfahren, wie das publizistische Engagement zwischen der trendigen Autorin und dem schwächelnden Autohersteller honoriert wird. Aber lumpen werden sich die Autobauer nicht lassen. Es ist ein Joint-Venture, das beiden nützt. Die Autobauer geben sich eine kulturelle Noten, die Autorin ist in aller Munde. Das wird die Verkaufszahlen erhöhen. Manche wundern oder ärgern sich über diese Nähe der Literatur zur Autobranche. Aber ist das nicht kleinlich? Wahl liegt es fern, kritische Töne über den Kapitalismus oder die Klimaprobleme zu äußern. Da ist sie ganz entspannt. Fröhlich huldigt sie in ihren Büchern dem Zeitgeist. Die Schreibbranche hat Probleme, die Autobranche auch – was liegt näher, als sich gegen den negativen Trend zu beider Nutzen zu verbinden?