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Deutsche Debatten

Die politisch notwendigen Reformdebatten verlaufen in Deutschland immer nach dem gleichen Schema: Jemand sagt etwas Kritisches und verwendet dabei ein provozierendes Wort, dann wird aus diesem Wort eine grundsätzliche und in der Regel unsoziale Haltung herausgelesen, die dann mit großer Entschiedenheit in Frage gestellt und notfalls diskriminiert wird. Ende der Debatte. Wir erinnern uns an Wörter wie „Stadtbild“ oder die Infragestellung der „Brandmauer“. Jetzt geht es um die „Life-Style-Teilzeit“. Sie wird als allgemeine Diffamierung der deutschen Arbeitnehmer gegeißelt. Man tut so, als hätten die Erfinder dieses Ausdrucks alle arbeitende Menschen der Faulheit bezichtigt. Das gehe nicht, heißt es. Und damit droht auch diese Debatte ein Ende zu finden. Dabei wäre sie nötig. Deutschland liegt, was die Inanspruchnahme von Teilzeit angeht, in der europäischen Spitzengruppe, während es bei der wöchentlichen Arbeitszeitz ziemlich weit hinten rangiert. Zwischen beidem besteht natürlich ein rechnerischer Zusammenhang. Aber statt sich nun Gedanken zu machen, wie man diese Situation, in der sich auch die deutsche Wirtschaftskrise spiegelt, sinnvoll verändert – z. B. Arbeit attraktiver macht, Frauenarbeit durch Ganztagsbetreuung leichter ermöglicht – erregt man sich über jenes Wort, das die Debatte erst angestoßen hat. Die deutsche Flucht vor der Grundsatzdebatte, der politische Eskapismus, der in Nebensächlichkeiten flüchtet, ist ein beeindruckendes Phänomen.

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Politik

Lustige Politik

Natürlich geht diese Überschrift gar nicht. Alles, was derzeit passiert, ist furchtbar ernst und ein Grund für große Besorgnis. Aber andererseits kann man den Auftritten des mächtigsten Mannes der Welt auch Humoristisches abgewinnen. Er füllt seine mächtige Rolle auf eine Weise aus, die den erfahrenen Comedian verrät. Er sagt etwas und alle blicken entsetzt. Darüber kann er sich köstlich amüsieren. Er verkündet Zölle, weidet sich an der Aufregung der Betroffenen, nimmt dann seine Ankündigungen ganz oder teilweise wieder zurück. Er will eine Insel haben und löst mit dieser Forderung eine Krise des mächtigsten Militärbündnisses der Welt aus. Das nötigt ihm ein Lächeln ab. Er hält einen Vortrag auf einem renommierten Forum. Darin preist er sich als den größten, erfolgreichsten und klügsten aller Politiker. Seine Zuhörer schauen betreten. Meint er das ernst? Will er uns provozieren oder nur auf den Arm nehmen? Seine Kunst besteht darin, die anderen im politischen Spiel zu verwirren. Aus der Verwirrung zieht er seine Vorteile. Er nennt sie Deals. Meistens verschaffen die ihm einen propagandistischen Vorteil oder – noch wichtiger – eine Steigerung seiner Einnahmen. Er ist Präsident geworden, weil es ihm Spaß macht, seinen Spaß dabei zu haben. Dabei fehlt es ihm nicht an Sadismus. Andere zu quälen, ihnen Angst einzuflößen, das bereitet ihm offenbar ein höllisches Vergnügen. Wenn wir nicht seine Opfer wären, könnten wir diesem politischen Unterhaltungsprogramm mit einem Lächeln im Gesicht zusehen.

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Undurchsichtiger TV-Anbieter

Der klassische Fernsehzuschauer hat es nicht leicht. Das Fernsehen kommt heutzutage übers Internet. Es gelangt von einem „Übergabepunkt“ aus über eine „Leitung“ in sein Gerät. „Das Fernsehen“, das sind einige hundert Kanäle mit bekannten und unbekannten Sendern. Sie erscheinen nach einem „Suchlauf“ auf einer Liste und können dann eingeschaltet werden. Der Anbieter dieser Kanäle hieß früher „Kabel BW“, dann „unitymedia“. Nun heißt der „Versorger“ Vodafone. Dabei muss es sich um einen riesigen Konzern handeln, bei dem die eine Abteilung nicht weiß, was die andere tut. Der „Hausbesuch“ eines Mitarbeiters von V, der angeblich den „Anschluss“ im Keller überprüfen wollte, entpuppte sich bald als Werbeaktion. An soll doch das ganze Internet von V beziehen und nicht mehr von der Konkurrenz. Der Werber stellte dann fest, dass unsereins für das Kabelfernsehen zu viel bezahle (20 € im Monat). Er „verkaufte“ einen Vertrag, der sieben Euro billiger ist als der bestehende. So weit, so gut. Es kam sogar eine schriftliche Bestätigung des neuen Vertrags und die Mitteilung über die Kündigung des alten. Das Dumme daran ist, dass die „alte Abteilung“ nichts von dem neuen Vertrag weiß. Sie bombardiert den Kunden, mich, seit Wochen mit Aufforderungen, die Kündigung zu überdenken und einen neuen Vertrag abzuschließen. Zwei Anrufe bei der angebotenen Nummer offenbarten, dass man dort von dem Vertragswechsel nichts wusste. Das sei eine andere Abteilung. Ob der neue Vertrag denn irgendwo registriert sei, fragte ich. Das wurde von der Dame nach längerem Forschen in den Tiefen ihres PC bejaht. Aber auch danach kommen ständig „Mahnungen“, die Kündigung zu stornieren, weil man sonst gezwungen sei, „das Fernsehen“ am Tag XY „abzuschalten“. Mein Versuch, der Firma V den Unsinn ihrer Aktion zu vermitteln, scheiterte schon im Ansatz, weil es keine Möglichkeit gibt, ihr eine Nachricht zukommen zu lassen. Der riesige Medienkonzern hat keine E-Mail-Adresse, an die man sich wenden kann – aus Angst vor dem Kunden?