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Unklare Unkenntnis

Wenn man jemandem helfen will, muss man wissen, was ihm fehlt. Das gilt unstrittig im medizinischen Bereich. Vor der Behandlung kommt die Diagnose. Unser Staat will den Schülerinnen und Schülern mit Defiziten helfen, will ihnen Brücken bauen, über die sie aus ihrer nicht selbst verschuldeten Unwissenheit schreiten können, um wieder Anschluss an die anderen, die Defizitlosen, zu gewinnen. Das Problem ist: Man hat das vorhandene diagnostische Hilfsmittel, Diagnose- bzw. Vergleichsarbeiten, in der Pandemie ersatzlos gestrichen. Nun wäre in den restlichen Wochen bis zu den Sommerferien noch Zeit gewesen, auf geeignete Weise zu erheben, woran es den Zöglingen mangelt. Aber, so die ministerielle Begründung, das habe man den Schulen nicht auch noch zumuten wollen. Schade. Nun kann man nur hoffen, dass die Hoffnung des KM, die Lehrerinnen und Lehrer würden schon wissen, woran es den Kindern und Jugendlichen fehle, nicht trügt. Denn es ist natürlich logisch etwas schwer bekömmlich, zu behaupten, in normalen Zeiten brauche man solche diagnostischen Instrumente sehr wohl, in schlechten Zeiten aber nicht, weil die Lehrenden sowieso am besten wüssten, wo der Schuh drückt. Statt aufwändiger Vergleichsarbeiten, die einen jahrelangen Vorlauf haben, hält Häckerling in dieser Situation einfache „Tests“ für durchaus geeignet, Defizite zu erspüren. Man hätte doch „im Netz“ einige bereitstellen können, wenn man schon, was löblich ist, die leidenden Lehrkräfte entlasten will.

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Nachlassende Impfwilligkeit

Es war zu erwarten. Solange der Impfstoff knapp und die Zahlen hoch waren, beklagte man den Mangel und die Umständlichkeit, den Piks zu bekommen. Nun sinken die Zahlen und an Vakzinen mangelt es nicht mehr. Und prompt lässt die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, deutlich nach. Was ist daraus zu lernen? Man muss den Mangel kultivieren und die Angst aufrechterhalten: Zum Glück gibt es noch Delta. Leider haben wir das Pech, dass die Deutschen bei der EM früh ausgeschieden sind, Daher fehlen Ereignisse, bei denen Superspreader in Aktion treten könnten. Da haben die Briten es besser. Im Wembley-Stadion kann das Virus seiner Vermehrungslust ungehemmt nachkommen. Uns fehlen einfach Großveranstaltungen. Wer diese an schwarze Pädagogik erinnernden Maßnahmen scheut, muss auf andere Wege sinnen, die Menschen unter die Nadel zu bringen. Freibier scheidet aus, weil man nach der Impfung auf Alkohol verzichten soll. Aber wie wäre es mit Freikarten? Umsonst ins Restaurant (das Essen bezahlt der Staat), ins Kino, Theater oder zum Konzert – das wäre doch was. Überhaupt wäre Freiheit eines der besten Lockmittel. Jeder Geimpfte und Genesene bekommt einen Orden, einen Hecker-Hut (als Zeichen der Freiheit) oder ein Dokument aufs Smartphone, das ihn vom Dasein als Maskierter entbindet. Das hätte was, denn auch wenn manchen die Maske gut zu Gesicht steht, sie zu tragen ist eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. Vielleicht kann man auch den ersten 10 Kommunen, die die 85 % als Ziel für die Herdenimmunität schaffen, einen Teil ihrer Schulden erlassen (der Staat zahlt). Leute, lasst euch was einfallen!

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Orthografische Majonäse

Jetzt arbeiten sie sich wieder an ihr ab, an der Rechtschreibreform, deren erste öffentliche Anzeichen nunmehr ein Vierteljahrhundert zurückliegen. Wie immer in unserem Vater- und Mutterland wurde und wird das Negative besonders hervorgehoben, werden unglückliche Entscheidungen gegeißelt, zum Beispiel die, den heiligen Vater mit kleingeschriebener Apposition zu versehen. Die Begründung war, dass es kein Eigenname sei, sondern eine Bezeichnung für viele Päpste. Aber die katholische Lobby in Bayern hat diese Majestätsbeleidigung frühzeitig bekämpft und die große Heiligkeit durchgesetzt. Den Kampf um die Majonäse – oder soll man weiterhin Mayonnaise schreiben? – haben die Konservativen zum Glück verloren. Was den Skandinaviern gelungen ist, die Umschreibung des griechischen Theta mit th abzuschaffen, das ist uns hier nicht gelungen. Deshalb gibt es immer noch Thesen, Apotheken, Bibliotheken und die Orthografie, die allerdings manche immer noch gerne mit ph schreiben wollen – das griechische Phi ist ihnen offenbar heilig. Oder soll man gar „Heiliges Phi“ schreiben? Die Zeitung hat sich dieser Tage über „Ketschub“ lustig gemacht. Aber diese Schreibung wurde nie vorgeschlagen. Wer einen Blick ins Wörterbuch wirft, wird dort „Ketschup“ oder „Ketchup“ finden. Für Schulkinder heißt das: Höre sch, schreibe ch. Wenn sie die Catcher richtig schreiben können, dann werden sie auch die rote Soße orthografisch korrekt umsetzen. Dass die Reform vieles erleichtert hat, die Schreibung des s-Lautes zum Beispiel oder das Komma beim erweiterten Infinitiv, die Zusammen- und Getrenntschreibung und anderes mehr, das sei hier lobend erwähnt.