Verstärkte Kulturhoheit

Die Länder haben einen Sieg über den Bund davongetragen und ihre Kulturhoheit, die ihnen das Grundgesetz seit 1949 zubilligt, vehement verteidigt. Hoffentlich ist es kein Pyrrhussieg, ein solcher Sieg ist seit der Antike bekanntlich eher eine Niederlage. Die Milliarden des Bundes für den Digitalpakt sind fürs Erste mal weg. Ob sie jemals wieder in die Nähe der Schulen kommen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Dann aber ist der Zug der Digitalisierung schon vorbeigefahren. Man wird dann einen ganz besonders schnellen Expresszug brauchen, um ihn wieder einzuholen. Ganz wohl scheinen sich die Länder mit ihrer Hoheit nicht zu fühlen. Dafür gibt es zu viele Baustellen im Bildungsbereich: grandiose Unterschiede zwischen den Bundesländern bei Tests wie PISA, TIMMS, IGLU, IQB, signifikante Divergenzen beim Abitur trotz des beschlossenen Aufgabenpools, Merkwürdigkeiten bei den Schultypen, bei den Bestimmungen zur Notengebung und Versetzung usw. Andererseits kann man meterweise Empfehlungen in den Lose-Blatt-Sammlungen der KMK besichtigen. Aber da nichts verbindlich ist, bleibt sehr viel auf der Strecke oder vermodert in den Archiven der Schulverwaltungen. Das soll nun anders werden. Die Kultusministerin von BW schlägt vor, dass die Länder sich durch Staatsverträge zu mehr Gemeinsamkeit und Vergleichbarkeit verpflichten. Es gibt bereits Arbeitsgruppen dazu – sie ergänzen die vielen Arbeitsgruppen, die bereits seit Jahren bestehen. In den 2020er Jahren soll die Sache spruch- bzw. abstimmungsreif sein. Aber bis 16 Bundesländer sich einig sind und entsprechende Gesetze erlassen, wird es dauern. Der kulturhoheitliche Zug hatte bisher ein Bummeltempo. Warum sollte sich das plötzlich ändern?

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Verdreifachte Anstrengungen

Um das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen, bedarf es, ist zu hören, ab jetzt verdreifachter Anstrengungen. Ehe ich auf das Adjektiv eingehe, ein Blick auf das Substantiv: ein abstraktes Wort im Plural, eine Nominalisierung des Verbs „anstrengen“, mit dem wir als Pädagogen unsere unguten Erfahrungen haben. Der Appell an den Schüler, sich mehr anzustrengen, gehört zu den sinnlosen Silben im Lehreralltag. Vielleicht ist es der Bestandteil „streng“, der hier hinderlich ist. Einem Sportler kann man ansehen, ob er sich anstrengt, einem Lernenden nicht, einem Staatswesen erst recht nicht. Da bringt auch die Mehrzahl nichts. Wir haben uns bisher beim Klima kaum angestrengt, eine dreifache Anstrengung bringt da nur wenig Zuwachs. Es wird Auto gefahren und gereist, was das Zeug hält – nicht umsonst sind wir Reiseweltmeister. Den Ausbau des Nahverkehrs verstehen wir als dessen Verteuerung. Wir heizen (bald jedenfalls, wenn es kälter wird) und erzeugen Strom aus Braunkohle, und wir wollen davon auch nicht lassen. Man müsste ja Braunkohlearbeiter umschulen, wie furchtbar. Es gibt alternative Energie, aber sie vom Norden in den Süden zu transportieren, überfordert unsere Kräfte. Derzeit feiern wir Lichtorgien in den Städten – je heller, desto besser. Angeblich werde da kaum Strom verbraucht. Aber die Zeit der Märchen ist leider vorbei. Warum es in den Städten immer heller werden soll im Advent, das erschließt sich vielleicht den Verkäufern von Glühbirnen und dem Stadtmarketing. Mit dem Advent selbst hat das nichts zu tun. Verdreifachte Anstrengungen, ja, aber nur beim Energieverbrauch.

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Ausgeschlossene Zöglinge

Offenbar sind sie nicht nur als Bildbearbeiter Fortgeschrittene, auch das Veröffentlichen elektronischer Bildwerke bereitet ihnen keinerlei Mühe. Also, könnte man denken, handelt es sich um Musterschüler, die vielen anderen Jugendlichen zum Vorbild werden könnten. Dem ist aber mitnichten so. Sie können was, aber sie haben ihr Kompetenzen missbraucht. Das Problem sind die Inhalte ihrer digitalen Arbeiten. Sie haben zwei Lehrpersonen in verfängliche Bildzusammenhänge gebracht und diese entstellten und verunstalteten Lehrkörper im Netz publiziert. Ein klarer Verstoß gegen deren Persönlichkeitsrechte! Die Strafe der Schule folgte offenbar auf dem Fuß: vier Wochen Ausschluss, schreibt die Zeitung, „vorläufig“. Doch warum vorläufig? Eine Maßnahme nach Paragraf 90 des Schulgesetzes ist nicht vorläufig, sondern endgültig, sofern der Schulleiter sie beschlossen und zuvor die Klassenkonferenz sowie die Erziehungsberechtigten angehört hat. Vier Wochen Schulausschluss sind möglich, es ist die Höchststrafe bei befristetem Ausschluss. Sie könnte gekoppelt werden mit der Androhung des endgültigen Ausschlusses, sozusagen als „rote Linie“, mit der Botschaft: beim nächsten Mal seid ihr ganz draußen. Man hätte den vollständigen Schulausschluss auch gleich verhängen können. Die Begründung wäre einfach: Es ist den beiden Lehrkräften nicht zuzumuten, mit denen, die sie verhöhnt haben, im gleichen Haus zu tätig zu sein. Aber vielleicht hat die Schulleitung Grund zur Milde: Möglicherweise zeigen die beiden tätige Reue, im Netz.

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