Kapitale Fresser

Gelegentlich fragt man sich als alternder Mensch, was sich gegenüber früheren Zeiten verändert hat. Natürlich fallen einem zuerst das Internet, der Mobilfunk, die Mediathek und dergleichen technische Neuerungen ein. Im Krankenhaus gibt es bessere Maschinen, auf den Straßen fahren größere Autos, die Durchschnittstemperaturen steigen, extreme Wetterlagen nehmen zu. Auf den Straßen und in den Bussen und Bahnen hört man viele verschiedene Sprachen. Weihnachten ist zur Konsumorgie degeneriert. Aber auch der Finanzbereich hat Novitäten im Angebot. Die Banken und Sparkassen haben es mit der Hilfe der europäischen Zentralbank geschafft, das Sparen, zu einer sinnlosen Tätigkeit zu machen. Aufgewachsen ist unsereins mit der Devise „Spare in der Zeit, so hast du in der Not.“ Wer heute spart, hat in der Not wenig, weil sein angespartes Geld geschrumpft und dank Inflation entwertet wurde. Für die Not ist inzwischen der Staat zuständig. Er sichert uns im Alter mit Zuschüssen ab, die er den Bürgern vorher aus der Tasche gezogen hat. Die Banken verzinsen anvertrautes Geld nicht mehr, sondern neigen mehr und mehr dazu, es durch Negativzinsen zu vermindern. Welcher Mensch mit Verstand wird sein Geld noch anlegen? Er soll es ja auch nicht, er soll es vielmehr ausgeben, dann haben wenigstens die Händler, der Staat (über die Mehrwertsteuer) und die Müllverwerter etwas davon. Einst habe ich als Junglehrer das Schulsparen betreut. Aus heutiger Sicht war das eine sinnlose Zeitverschwendung und eine pädagogisches Fehlverhalten. Nicht besser, nein sogar noch schlimmer sind die Versicherungen. Wer einst dem Rat seines Bankberaters gefolgt ist und einen Vertrag mit ihnen abgeschlossen hat, gerät in Wut. Dabei sollte er sich freuen, wenn er nach zehn Jahren das eingezahlte Geld mit einem überschaubaren Verlust zurückbekommt.

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Soziale Demokraten

Das muss man erst einmal hinbekommen, eine solche Publicity für eine Partei, die derzeit bei 13 % Zuspruch durch die Wählerschaft liegt. Ist das der Anfang eines neuen Aufschwungs? Die Rückkehr in die Rolle als Volkspartei? Das Rezept: Man verschleißt in 23 Regionalkonferenzen eine unübersehbare Schar von Kandidatinnen und Kandidaten für den Parteivorsitz und lässt dann die Mitglieder sich zwischen zwei Paaren entscheiden. Die kommen wahrscheinlich mit der elektronischen Abstimmung nicht zurecht – jedenfalls beteiligt sich nur die Hälfte der Mitglieder. Diese Hälfte kürt zwei relativ Unbekannte – wer in der SPD bekannt ist, hat bald verspielt –, die im „Wahlkampf“ als Groko-Gegner Furore gemacht haben. Dann bestätigt man die beiden Erwählten auf einem Parteitag, nachdem sie ihrer Groko-Gegnerschaft abgeschworen haben und mit dem Koalitionspartner nur noch „reden“ wollen. Auch das muss man erst einmal schaffen: zwei profilierte (?) Linke binnen einer Woche handzahm zu machen. Wie geht es jetzt weiter mit den Sozialdemokraten? Sie werden mit der CDU erfolglos über eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 € und über eine „Verbesserung“ des Klimapakets „reden“ und dann brav weiter ihren Job als Vorsitzende machen, nämlich inhaltsleer Statements abgeben. Wegen erwiesener Unglaubwürdigkeit müssen die Neuen dann in einem Jahr zurücktreten. Anschließend wird man in 46 Regionalkonferenzen nach neuen Vorsitzenden suchen. Und dann wiederholt sich das Theater dieser Tage wieder. Ob die SPD dann noch bei 13 % ist?

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Nachlassende Schulleistungen

Die Macher der PISA-Studie haben es uns mal wieder gegeben: Unsere Neuntklässler sind allenfalls guter Durchschnitt. Es ist allerdings nicht so, dass die Zeitungszeile „Viele Schüler lesen schlechter“ die Sache träfe. Nicht die damals, vor drei Jahren, getesteten Schüler (und auch etliche Schülerinnen) lesen heute schlechter, sondern jene, die drei Jahre später von PISA unter die Lupe genommen wurden. Das sind andere, liebe Zeitung. Warum ist das so? Manche machen es sich einfach. So sagt ein „Didakt“ (SWR 2 – der Kultursender) für Mathematik, dass die PISA-Studie schuld sei an den schlechteren Leistungen im Rechnen. Denn man stelle dort die falschen Aufgaben. Das Argument kennen wir aus den 1990er-Jahren. Damals waren wir alle überzeugt, das deutsche Schulsystem sei das weltbeste. Wenn jemand etwas anderes behaupte, dann habe er die falschen Maßstäbe und das falsche Verständnis von Bildung. Beim Lesen könnte man sich folgendes Argument vorstellen: Statt zu prüfen, ob ein 15-Jähriger einen Alltagstext verstanden hat, sollte man ihn besser nach dem Verständnis einer schillerschen Ballade fragen oder ihn die Problemlage eines Jugendbuchs beschreiben lassen. Da gehörte er dieser junge Mensch sicher weltweit zu den Besten. Oder wenn man es noch einfacher haben will: Wir wären ganz gewiss exzellent, wenn wir nicht so viele Migranten hätten. Häckerlings weitergehender Vorschlag: Wir sollten beim Lesen nur noch Mädchen ohne Migrationshintergrund in den PISA-Test schicken und bei der Mathematik die Jungen mit deutschen Vorfahren. Dann wären wir unerreichbare Spitze. Oder etwa nicht?

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