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Schule

Verhinderter Schulbesuch

Die Kinder sollen wieder zu Schulkindern werden. Wenigstens für zwei Wochen, ehe die sechseinhalb Wochen dauernden Sommerferien sie wieder der häuslichen Quarantäne unterwerfen. Das gehe nicht, liest man in der regionalen Zeitung. Dazu fehlten sowohl die Lehrkräfte als auch der Platz. Warum es an Räumen fehlen soll, wenn nur die Hälfte der Kinder kommen darf, erschließt sich nicht so recht. Die Abstandsregeln sind bei (höchstens) 15 Personen eigentlich gut einzuhalten. Dass man notfalls auch „schichten“ könnte, müsste inzwischen allen klar sein. Zwischen acht und 18.00 Uhr lässt sich viel Unterricht unterbringen. Aber der Platz sei nicht das Hauptproblem, es seien die Lehrerinnen und Lehrer, die fehlten. Warum das? Wo sind die hingekommen. Ach so, sie müssen zu Hause auf ihre Kinder aufpassen. Aber da beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn die Kinder in der Schule wären, müssten Eltern nicht zu Hause bleiben und auf sie aufpassen. Nun gebe es allerdings auch ältere Lehrkräfte, die zu den Risikogruppen gehörten. Die sind „freigestellt“. Offenbar traut man den älteren Menschen nicht zu, dass sie sich durch Abstand und MNS selber schützen. Testen könnte man sie ja auch. Was bei Fußballspielern möglich ist, müsste auch bei Pädagogen leistbar sein. Aber dann steht in der Verlautbarung noch etwas, was Häckerling irritiert. Ein Fünftel der Lehrenden habe sich selbst vom Dienst suspendiert. Wie geht das? Sie fehlen einfach und müssen nicht einmal nachweisen, warum sie nicht arbeiten wollen. Da ist was in der Ausbildung schiefgegangen. Lehrer in BW sind Beamte. Und die haben gefälligst die Pflicht, „mit vollem Einsatz“ ihrem „Dienst“ nachzukommen. Das ergibt sich aus dem privilegierten Beschäftigungsverhältnis zwischen dem Staat (dem „Dienstherrn“) und seinen beamteten „Bediensteten“. Sollten sich unter den 20 % der Selbstbefreiten, die ihre monatlichen Bezüge dennoch gerne einstreichen, Drückeberger befinden, wäre das ein treffliches Argument gegen das „Beamtenverhältnis“.

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Politik

Gehemmter Informationsfluss

In einer Gesellschaft, die in Informationen schier ertrinkt, fühlt man sich schnell desinformiert. Die baden-württembergischen Schulleiter beklagen heute in der Zeitung dieses Los. Sie fühlen sich von ihrer Führung nicht wertgeschätzt, weil sie schulische Neuigkeiten aus den Medien erfahren und nicht von der Schulverwaltung. Nun ist Häckerling alt genug, um zu wissen, dass dies schon immer so war. Der Kanal zwischen dem Ministerium und der Schulleitung war noch nie sonderlich belebt. Statements der Vorgesetzten in der Presse, im Fernsehen und Interviews im Rundfunk sind die traditionellen Wege, schulische Neuigkeiten zu verbreiten. Das hat einen einfachen Grund: Die Öffentlichkeit ist der Resonanzkörper der Politik, die Medien sind die Verbreiter ihrer Pläne. Die Schulen, deren Leitungen und die Kollegenschaft, sind nachgeordnete Behörden, ausführende Organe, weisungsgebundene Institute, die gefälligst zu warten haben, bis Ihnen Dienstanweisungen zuteilwerden. Minister (und Ministerinnen) sind schnell dabei, etwas zu verkünden, die Verwaltung braucht geraume Zeit, bis sie diesen raschen Sätzen zu folgen vermag, denn flott Gesagtes verwaltungsfest zu verschriftlichen, das braucht seine Zeit. Wenn sich unsereins recht erinnert, bedurfte es vor Ort selten der behördlichen Anordnung, denn fürs Leiten einer Schule genügt meist der gesunde Menschenverstand. Der Gehorsam gegenüber den Weisungen der Vorgesetzten ist wichtig, aber eher nachrangig. Wer vermittelt den Schulleitern von heute diese alte Erfahrung?

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Schule

Ausgesetzte Nichtversetzung

Es war zu erwarten, dass man im Kultusministerium zu dieser Entscheidung gekommen ist. Nach einem irregulär verlaufenen Schuljahr lässt sich nicht mehr solide über die Versetzung oder Nichtversetzung der Schülerinnen und Schüler entscheiden. Heißt das, alle werden „automatisch“ ins nächste Schuljahr übernommen? Im Prinzip ja, aber das allein kann es nicht sein. Es gibt gewiss Schüler, bei denen sich schon im März (also einige Wochen nach der Halbjahresinformation) abzeichnete, dass sie große Probleme haben würden, den Anforderungen der folgenden Klasse gerecht zu werden. Ihnen sollte man raten, die Klasse freiwillig zu wiederholen. Da mit einiger Wahrscheinlichkeit auch das Schuljahr 2020/2021 nicht „normal“ verlaufen wird, wären in diesem Kontext einige grundsätzliche Überlegungen angebracht. Die Wiederholung eines Schuljahrs ist unter Fachleuten umstritten. Sie ist teuer und oft wirkungslos. Sinnvoll ist sie nur dann, wenn es gelingt, den Lernenden zu einer Änderung seines Arbeitsverhaltens zu bewegen. Das bedarf aber der intensiven Begleitung. Ihn oder sie einfach „laufen“ zu lassen, wäre fahrlässig. Im Übrigen bietet die Versetzungsordnung noch andere Möglichkeiten: Man kann jemand probeweise versetzen und im Oktober eine neue Entscheidung treffen, evtl. nach einer Art „Zwischenprüfung“. Man kann die Versetzungsentscheidung auch aufschieben bis zum Ende des nächsten Halbjahrs, also bis Ende Januar. Wenn es sich dann als sinnlos erweist, dass der Schüler trotz eklatanter Schwächen „einfach“ weitermacht, ist die Rückversetzung (oder das Verlassen der Schule) möglicherweise der bessere Weg. Um solche Probleme zu minimieren, muss man den Schülern mit Defiziten zusätzliche Aufmerksamkeit und Förderung zuteilwerden lassen, zum Beispiel auch in der letzten Sommerferienwoche. Diese (sechste) Woche ist bekanntlich schon immer dafür gedacht, das neue Schuljahr vorzubereiten. Dazu könnte es aktuell auch gehören, virusbedingte Nachteile einzelner Schüler auszugleichen. Am Ende hätten alle was davon.