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Digitale Querelen

Die baden-württembergische Landesregierung hat sich vorgenommen, im Digitalen einen Spitzenplatz anzustreben. Das ist ein löbliches Unterfangen und ein anspruchsvolles dazu, weil man derzeit allenfalls im Mittelfeld herumkrebst. Nun ist der Streit darüber entbrannt, ob es zur Realisierung der digitalen Welt eines eigenen Ministeriums bedarf oder ob die derzeitige Lösung, die Kooperation verschiedener Ministerien, ausreicht. Leider wissen wir um die Schwerfälligkeit der Entscheidungsprozesse in den Ministerien. Bis alle Zuständigen ihren Segen gegeben haben, dauert es Wochen, Monate, Jahre. Wenn dann auch noch mehrere Ministerien zusammenarbeiten sollen, ergeben sich weitere Hindernisse. Verwaltungen sind nun mal langsam, das liegt an den komplizierten Zuständigkeiten, an den oft verwirrenden rechtlichen Vorgaben, an der Resignation der Mitarbeiter, deren gute Vorschläge oft im Dickicht der Administration versanden. Auch ein Digitalministerium ist nicht der Weisheit letzter Schluss, wenn dort keine Experten sitzen und wenn man nicht die Entscheidungsabläufe optimiert. Das Thema „Abbau der Bürokratie“ ist in fast jedem Wahlprogramm zu finden, der tatsächliche Abbau indes findet eher selten statt. Vor geraumer Zeit, es dürften bald zwei Jahre her sein, hat die Bundesregierung einen Digitalpakt beschlossen, einen für die Schulen wohlgemerkt, aber die Meldung, dass Geld „vor Ort“, also in den Rektoraten angekommen sei, lässt immer noch auf sich warten. Etwas zu wollen und zu beschließen ist eines, es Realität werden zu lassen, etwas anderes. Daran ist kein Einzelner in diesem Staat schuld, es ist offenbar das System, an dem es krankt.

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Verordnete Mehrarbeit

Wenn ein Mangel an Lehrkräften herrscht, gibt es verschiedene Lösungen: Man stellt mehr Lehrerinnen und Lehrer ein, sofern es welche gibt, man lässt die vorhandenen Lehrenden fachfremd unterrichten, was allerdings nicht immer geht, denn nicht jede oder jeder kann statt Französisch Chemie unterrichten, oder man vergrößert die Klassen, was aber auf wenig Gegenliebe bei den Eltern stößt, oder man erhöht das Deputat, was dann einer Gehaltssenkung entspräche und die Bereitschaft junger Menschen, das Lehramt zu studieren, eher senkt, oder man ordnet Überstunden an. Letzteres hat die Schulministerin von BW nun vor. Allerdings wird im KM so getan, als ob das freiwillig wäre. Das aber kann es nicht sein, denn die freiwillige Mehrarbeit war schon bisher möglich. Wer wollte, konnte ein oder zwei Stunden mehr unterrichten – mit der Auflage, sie möglich bald, also im nächsten oder übernächsten Schuljahr durch eine entsprechende Senkung der Stundenzahl wieder auszugleichen. Es kann also bei der jetzigen Maßnahme nicht ums Dürfen, sondern ums Sollen oder eigentlich Müssen gehen. Bezahlt wird diese Art der Mehrarbeit nicht, sondern in ein paar Jahren durch Freizeitausgleich abgegolten. Das birgt Risiken für die Lehrerinnen und Lehrer. Was ist, wenn sie dann gar nicht mehr in der Schule sind, weil Kinder zur Welt kommen, der Ruhestand ansteht oder ein Wechsel in ein anderes Bundesland? Ob dann die unfreiwillig freiwillige Mehrarbeit finanziell ausgeglichen wird oder als „Geschenk“ des Staatsdieners an den Staat einkassiert wird?

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Strittige Ferienregelung

Die uralte Frage, ob die Ferien der Schule wegen da sind oder die Schule wegen der Ferien, wird derzeit wieder einmal heftig diskutiert. Es geht um zwei Probleme: Soll der Ferienzeitraum im Sommer gleich bleiben, vergrößert werden oder verringert. Für alle Positionen gibt es gute Gründe: Fürs Gleichbleiben spricht, dass Änderungen nur Probleme machen, will man sich umstellen muss, fürs Verringern spricht, dass ein Sommerferienzeitraum von Mitte Juni bis Mitte September dazu führt, dass Deutschland in Dauersommerferien verfällt und es kaum gemeinsame freie Zeiten gibt. Die einen gehen Anfang August schon wieder in die Schule, die anderen packen erst die Koffer für den Sommerurlaub. Fürs Vergrößern der Sommerferienzeit gibt es ein gutes Argument: Man findet eher ein Hotel, vielleicht sogar zu einem günstigeren Preis, und trotzdem macht die Touristikbranche gute Geschäfte. Das Zeitraumproblem wird (zweitens) ergänzt um das Rollierungsproblem. Außer Baden-Württemberg und Bayern müssen alle Bundesländer jedes Jahr mit einem anderen Sommerferientermin fertig werden. Das hat zur Folge, dass ein Schuljahr mal kürzer ist als das vorige und ein anderes Mal länger. Und das hat Folgen für die Prüflinge. Die einen können sich mehr vorbereiten, weil ihre Prüfung eher spät liegt, die anderen müssen in kürzerer Zeit fit sein, weil sie weniger Zeit haben. Dieses Problem haben sich die Südländer vom Hals geschafft mit ihren fixierten Ferien. Nun ist es natürlich keine reine Freude am 10. September Ferien zu haben, weil da der Herbst schon „auf der Leiter“ steht, wie es in einem Gedicht aus den Lesebüchern heißt. Und es ist auch manchmal mörderisch, in der Sommerhitze Mitte Juli noch zu unterrichten. Aber die Süd-Regierungen beharren (für Häckerling unverständlich) stur auf ihrer Verweigerung des Rollierens. In Bayern möchten sie ihre Sommerferien sogar als Kulturerbe registrieren lassen. Vermutung: Es wird sich nach der Ferien-Debatte nichts ändern.