Es ist noch nicht lange her, dass Deutschlands Ambition, in den Sicherheitsrat gewählt zu werden, kläglich gescheitert ist. Offenbar gibt es viele Länder, die uns nicht mögen. Dabei wollen wir geliebt werden. Nach der NS-Zeit, als alle Welt Deutschland mit Fug und Recht hasste, haben wir uns sehr bemüht, wieder sympathisch zu werden. Wir haben uns pazifistisch gebärdet, treu zum Staat Israel gehalten, viele Geld für gute Zwecke ausgegeben, ordentlichen Fußball gespielt, unsere Jugend auf Reisen geschickt, treu zum Westen gehalten und noch weiteres getan, was uns Pluspunkte gebracht hat. Nun aber sind wir im Ranking der geliebten Staaten nach unten gerutscht. Die Treue zu Israel birgt viele Nachteile, mit dem Geld können wir auch nicht mehr um uns werfen, denn es wird knapp. Wir rüsten auf, aber ob das allen gefällt? Die Russen in Gestalt von Putin hassen uns, die Amerikaner in Person von Trump lieben uns nicht mehr. Man traut sich sogar, uns ein Tor abzuerkennen, von dem alle Deutschen überzeugt sind, dass es korrekt erzielt wurde. Die Kommentare auf das Ausscheiden bei der WM sind hämisch. Viele finden es gut, dass uns die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Was können wir tun, um die Zuneigung der Welt zurückzugewinnen? Auf die Schnelle nichts. Wir können nicht die Israelis abservieren und fortan die Palästinenser unterstützen. Wir haben nicht mehr das Geld, um uns das Wohlwollen ärmerer Staaten zu erkaufen. Wir müssen Putin weiter bekämpfen und uns von Trump nicht alles gefallen lassen. Schlimm wird es, wenn die Rechtsradikalen noch stärker werden. Dann werden wir uns bald in die alte Ecke gestellt sehen und wieder als Nazi gelten. Mein Rat: Das verrottete Land wieder auf Trab bringen, die Brücken sanieren, die Bahnprobleme lösen, das Bildungssystem wieder funktionstüchtig machen, den Reformstau auflösen, den Bürokratieabbau endlich umsetzen, in der Flüchtlingspolitik nicht noch unmenschlicher werden, die Klimapolitik wieder in den Blick bekommen, das Weinerliche überwinden, Leistungen fordern, die Befolgung der Gesetze kontrollieren – kurz: alles Überfällige erledigen. Wenn unser Land wieder vorzeigbar wird, findet es vielleicht auch wieder Freunde.
Schlagwort: Deutschland
Der amerikanische Präsident hat dem deutschen Kanzler bescheinigt, er habe keine Ahnung. Gemeint ist: vom Iran-Krieg. Offenbar will Trump dem Merz auch nicht sagen, welche strategischen Finessen hinter seiner militärischen Aktion stecken. Er hat einen Plan, nur kennt ihn keiner. Sein Ziel ist es, das iranische Volk von der Mullah-Herrschaft zu befreien, ihm das versteckte Uran wegzunehmen und die Straße von Hormus freizumachen. Bis jetzt ist ihm nichts davon gelungen. Aber wie unser Kanzler haben auch wir keine Ahnung, welche Raffinnesse sich hinter dem Vorgehen Trumps verbergen. Eines Tages, wenn alle vorgenannten Ziele erreicht sind, werden wir uns in Ehrfurcht vor dem größten Feldherrn aller Zeiten verbeugen, ihm die Füße küssen und freiwillig hohe Zölle hinnehmen. Warum weiß Merz das nicht? Warum greift er den großen Amerikaner an, statt ihm wie der englische König nette Worte zu sagen und auf die Gemeinsamkeiten hinzuweisen? Wir alle machen uns ständig über Trump lustig und lassen es an Bewunderung fehlen. Das Dumme ist nur: Der Augenschein spricht gegen Trump, die Realität will sich seiner Genialität nicht fügen. Es sieht so aus, als scheitere er auf der ganzen Linie. Aber vielleicht sieht es nur so aus, vielleicht lullt er den Feind nur ein, um dann mit einem Schlag und an einem Tag den Nahost-Krieg erfolgreich zu beenden.
Gestrandeter Wal
Keine Frage – das Tier ist arm dran. Es ist krank und desorientiert und wird wohl bald das Zeitliche segnen. Es ist auch ein gutes Zeichen, dass die Öffentlichkeit so viel Anteil an seinem Schicksal nimmt, ein vorösterliches Schicksal, das von Leiden und Sterben kündet. Aber das gestrandete Tier ist auch zum Symbol für unser Land geworden. Alle Bemühungen, Deutschland wieder flott zu machen, waren bisher vergeblich. Es gelingt uns nicht mehr, ins offene Meer zu gelangen. Die Wirtschaft siecht, die Reformen kommen nicht in Gang. Das liegt natürlich auch an äußeren Umständen, die unserem Zugriff entzogen sind. Es gibt einen Krieg in Europa, gegen den wir machtlos sind, es gibt einen anderen Krieg im Nahen Osten, den wir nicht beeinflussen können, der uns aber schwer zu schaffen macht. Dazu kommt ein Amerika, das außer Rand und Band ist. Und im ferneren Osten wächst ein Land zur Großmacht heran, dessen Pläne wir nicht durchschauen und dessen wirtschaftlicher Expansion wir nichts entgegenzusetzen haben. Unsere Regierung sieht die Gefahren und weiß auch um die hausgemachten Probleme. Sie strengt sich an, aber ob sie das gestrandete Deutschland aus seinem Siechtum befreien kann, ist nicht gewiss. Ob der Wal in der Ostsee noch den Willen zum Leben hat, entzieht sich unserer Kenntnis, ob Deutschland die Kraft aufbringen wird, sich von seinen lähmende Fesseln zu befreien, wird die Zukunft lehren. Zu einem Vogel sagt man: Friss oder stirb. Unserem Land müsste man sagen: Pack endlich deine Probleme an, sonst bleibt es nicht beim Stranden, sondern es droht der Untergang!