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Klima Schule

Dürftiges Klimagerede

Für den amerikanischen Präsidenten gibt es kein Klimaproblem. Daher kann er auch guten Gewissens alle Umweltgesetze der Obama-Regierung außer Kraft setzen. Sein Credo: Das amerikanische Jobwunder darf nicht durch Auflagen zum Schutz vor dem Klimawandel behindert werden. Man muss Tramp bewundern für seine Geradlinigkeit, für die Gabe, alles ausblenden zu können, was seinen engen Horizont stören könnte. Und seine Partei macht mit. Hierzulande hätte man das einst, als es noch anders zuging im Deutschen Reich, „Nibelungentreue“ genannt. Eine bekannte Kolumnistin der Stuttgarter Zeitung hat einen anderen Weg gefunden, sich die Klimafrage vom Hals zu schaffen. Sie gießt Kübel von Häme über Greta aus. Es gibt wohl kein Klischee, das ihr nicht einfiele, um der jungen Frau jede Glaubwürdigkeit abzusprechen, auch das gängige von der „Heiligen“ ist aus ihrem PC gerutscht. Die Logik: Wenn ein solch unbedarftes Wesen sich („frech“) über die Klimaprobleme auslässt, dann kann nichts dahinter stecken außer dem Sich-Aufspielen einer Schülerin. Sie empfindet es geradezu als skandalös, dieses Fräulein nach Davos einzuladen, wo schließlich nur bedeutende Menschen was zu suchen haben und keine Schulschwänzer. In einem Leserbrief der örtlichen Zeitung stand gestern das ultimative Argument gegen den verrückten Klima-Hype: CO2 gibt es schon immer und offenbar wüssten nicht alle, wie wichtig CO2 für unser Leben sei. Wie kann man da auf die Idee kommen, die Emission von Kohlendioxid für schädlich zu halten? Als einstiger Lehrer fasse ich mir an die Nase: Was haben wir Pauker in den Köpfen der Menschen bloß angerichtet?

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Satirische Destruktion

Am Ende dieses krummen Jahres 2019 zeichnet sich ab, wohin die Reise des Globus geht. An der Veränderung des Klimas gibt es so gut wie keine Zweifel mehr – dieses Jahr war das drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen und es reiht sich würdig ein in die Reihe der warmen Jahre nach der Jahrtausendwende. Manchen ist das sogar recht, sie haben schon ihren Sommerurlaub an Nord- und Ostsee gebucht. Manche regen sich auf und fordern drastische Änderungen. Aber vielen ist es völlig egal, sie lassen sich ihren Lebensstil nicht nehmen – übrigens dasselbe Argument wie nach Terroranschlägen. Offenbar gibt es nichts, was diese Menschen aus dem Konzept bringen kann. Dazu kommen jetzt noch die Satiriker; sie machen sich über die Klimahysterie lustig, sie übergießen die Besorgten mit Kübeln von Spott. Das Mädchen Thunberg wird nur noch als „Heilige“ apostrophiert und damit ins Lächerliche gezogen. Ein dürftig-lustiges Lied über Oma, die Umweltsau, erschüttert den Westdeutschen Rundfunk. Der Intendant soll zurücktreten. Aber was ist an dem Lied so schlimm, außer dass es einen recht mageren Humor verbreitet. Natürlich sind nicht alle Großmütter so, wie hier besungen. Manche haben zu wenig Geld für große Reisen und das tägliche Schnitzel. Und ein Auto haben auch nicht alle. Wer sich in Busse und Bahnen setzt, kann diesen Autolosen begegnen. Aber andererseits: Es gibt sie, die wohlhabenden Rentner, die sich lange überlegen müssen, wohin sie reisen sollen, weil sie schon überall waren. Es gibt sie, die Pensionäre, die sich in gehobenen Lokalen raffinierte Menus bestellen. Und es gibt sie, die Alten, die ihre fetten Autos zum Einkaufen beim Bäcker in Bewegung setzen. Allerdings gibt es dergleichen auch unter Jüngeren. Ihr Lebensmotto: Lasset uns essen und trinken, Autofahren und reisen, denn morgen sind wir tot. Nach uns die Sintflut. Die Satire kann an diesen Menschen nicht einmal kratzen. Sie lachen über sie und nehmen sie nicht ernst. Oder nehmen sie die Satire nicht ernst, weil man über sie lachen kann?

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Klimatische Mutlosigkeit

Es war ja zu erwarten, dass sich im Klimapaket der GroKo viel heiße Luft sein würde: Das Bahnfahren wird ein bisschen billiger, das Fliegen ein wenig teurer, CO2-Emissionen bekommt man ab 2021 im Sonderangebot, zu einem Preis, der ein Achtel dessen beträgt, den man in der Schweiz zahlen muss, Pendler, die außerhalb der Städte eh schon billig im Grünen wohnen, dürfen auf mehr Zuschüsse für ihre PKW-Fahrten zur Arbeit hoffen, Ölheizungen werden nicht stillgelegt, dürfen aber vielleicht in der übernächsten Legislaturperiode nicht mehr verkauft werden. Einen wichtigen Klimakiller, die technisierte Landwirtschaft, lässt man weiter den Markt mit Billigfleisch überschwemmen. Dass man für das Schnüren dieses inhaltsarmen Pakets 19 Stunden tagen muss, unverständlich. An der Sindelfinger Martinskirche sollte die Uhr fünf vor zwölf angehalten werden, um den Menschen zu zeigen, wie ernst die Lage ist. Das ist nicht gelungen. Die Uhr zeigte auf fünf nach zwölf und damit an, dass der Klimawandel bereits voll im Gange ist und es für viele Rettungsaktionen zu spät ist. Den Menschen meiner Generation kann das eigentlich egal sein, denn wenn die Welt die Folgen unseres Lebensstils zu tragen hat, liegen wir bereits auf dem Friedhof. Wie gut, dass die Bibel dafür ein treffliches Bild bereitstellt: Nach uns die Sintflut. Verantwortliches Handeln sieht anders aus. Aber seit wann wollen die Menschen Verantwortung für das Große und Ganze übernehmen? Eigennutz first.