Es soll Menschen geben, die sich ein Auto nur mit einem Motor vorstellen können, der gut hörbar ist, weil im Viertaktsystem „Kraftstoff“ verbrannt wird. Die Zahl dieser Menschen ist in Deutschland hoch. Zwei Drittel aller Befragten haben sich jüngst den Demoskopen gegenüber so geäußert. Sie lehnen das von der EU beschlossene „Verbrenner-Aus“ für 2035 ab. Man darf annehmen, dass sie es auch für 2040 oder 2050 ablehnen. Sie sind mutmaßlich grundsätzlich dagegen, Autos anders zu denken, als sie es gewohnt sind. Der durch den CO2-Ausstoß der Autos beflügelte Klimawandel kratzt an dieser Haltung nicht. Gibt es diesen Wandel tatsächlich? Ist er nicht eine Erfindung grüner Dogmatiker? Die Europäische Union hat vor drei Jahren ein rigoroses Verbrenner-Aus beschlossen. Damals verschloss man sich den Wünschen, Ausnahmen zuzulassen. Man hielt das für Larifari. Jenen, die das wollten, begegnete man mit Hohn und Spott. Nun hat man das Aus doch noch „aufgeweicht“. Man will 2035 allerlei Ausnahmen zulassen, wohl auch Verbrenner-Autos, sofern sie aus „grünem Stahl“ gefertigt sind. Unsereins fragt sich, ob man dann überhaupt noch Stahl für Autos verwendet. Häckerling stellt sich vor, dass die EU ihr Auto-Gesetz alle drei Jahre ändern wird, zuletzt 2034. Vermutlich wird man dann die Jahreszahl „2035“ in „2045“ ändern. Dazu kommt die „feste Zusicherung“, man werde bis 2050 „klimaneutral“ sein. Dieses Adjektiv wird in einer neu eingefügten Fußnote folgendermaßen erläutert: Der Begriff „klimaneutral“ wird künftig nicht mehr auf Fahrzeuge angewendet, denn der Straßenverkehr ist im Sinne dieses Gesetzes „neutral“ und damit ohne Auswirkung auf das Klima.
Schlagwort: Klimawandel
Gewendete Energiewende
Der große Wochenend-Deal der Kommissionspräsidentin VDL mit dem größten Dealer aller Zeiten wird Folgen haben: Er bedeutet auch eine Wende in der Energiepolitik. Denn um den Amerikaner von höheren Zöllen abzuhalten, haben wir uns verpflichtet, amerikanische Produkte im Wert von Hunderten von Milliarden Euro zu kaufen. Vor allem US-Autos. Die werden künftig fast so billig zu bekommen sein wie chinesische und es werden Benziner sein, denn schließlich wollen und sollen auch die US-Mineralölkonzerne in Europa Geld verdienen und es in den USA abliefern. Auch beim Heizen ist es T gelungen, eines seiner wichtigen Ziele zu erreichen: das Ende der Energiewende. Wir kaufen künftig Unmengen an günstigem US-Gas aus Fracking-Förderung. Dieses Gas muss natürlich verbrannt werden. Dazu bedarf es eines neuen Heizungsgesetzes. Wärmepumpen, die von Strom am Leben gehalten werden, können bald nicht mehr gefördert werden. Man wird sie mit hohen Steuern belegen, damit die deutschen Hausbesitzer wieder Gas- und Ölheizungen einbauen. Der nächste Schritt der EU-Kommission wird der Verzicht auf die CO2-Bepreisung sein. Denn wenn das Gas teurer wird, kauft es niemand. Also darf das nicht sein. In der neuen Wirtschaftsministerin haben wir offenbar eine überzeugte Gegnerin der alternativen Energien. Sie wird den Bau neuer Gas- und Atomkraftwerke veranlassen und vor allem die Klimaziele abschaffen. Denn wie so manche in der neuen Politikergeneration sieht sie in der Theorie vom Klimawandel eine Propagandalüge, die nur dazu da ist, die Menschen zu verunsichern und die Gewinne der Wirtschaft zu schmälern.
Das Schöne an der Politik ist ihre Berechenbarkeit. Wenn ein Terroranschlag erfolgt, wird über die Bekämpfung des Terrorismus, über die Ausweisung von Gefährdern und die Abweisung von Migranten an den Grenzen diskutiert. Wenn es viel regnet, rückt das Thema Hochwasserschutz in den Vordergrund, ist es heiß, dann redet man über dringende Maßnahmen gegen die Hitze. So auch jetzt. Dabei ist das völlig sinnlos; denn Maßnahmen wie Kühlräume, Schattenplätze, Parks und Hilfen für Alte gibt es in der Hitze nur dann, wenn sie rechtzeitig – möglichst noch im kalten Winter – vorbereitet werden. Bemerkenswert ist auch, dass plötzlich wieder über den Klimawandel gesprochen wird. Vor Kurzem noch hatte man den Eindruck, er sei aus den Köpfen verschwunden. Aber nicht nur die politisch Tätigen, wir alle reden gerne zur Unzeit über wichtige Themen. Derzeit sagen wir uns, dass es heiß sei und dass das auch mit dem Wandel des Klimas zu tun haben könnte. Offenbar hat das etwas Entlastendes. Aber es ist ein folgenloses Reden. Dass sich daraus konkretes Handeln ergibt, ist eher unwahrscheinlich. Sobald die Temperaturen wieder unter 30 Grad liegen, reden wir wieder über etwas anderes, über den Fußball vielleicht oder über die lästigen Flüchtlinge, über die zerstrittene Regierung – offenbar sind Regierungen immer zerstritten – oder über die schlechten Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Die Debatte über Letzteres hat etwas Absurdes. Die Leistungen der Lernenden sollen besser werden, aber selbstverständlich sollen sie hitzefrei bekommen, sobald das Thermometer über dreißig Grad steigt. Man fragt: Warum gibt es keine Klimaanlagen in den Schulräumen? Warum darf ich mein Kind nicht mit dem Auto bis zum Schultor fahren, wenn es so warm ist? Warum gibt es keine kostenlosen Getränke für die armen Kinder? Und warum sollen sie bei der Hitze auch noch Hausaufgaben erledigen? Warum wohl?