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Benachteiligter Kreis

Am 15. Dezember ist ein neuer Fahrplan des VVS in Kraft getreten, wie immer begleitet von vollmundigen Ankündigungen der VVS-Verantwortlichen. Die S-Bahnen in der Region Stuttgart würden viel länger als bisher im 15-Minuten-Takt verkehren, heißt es. Aber im Kleingedruckten steht Ernüchterndes. Da findet sich eine Liste der Ausnahmen von diesem Fortschritt: Die S 1 von Böblingen nach Herrenberg kann nicht mitmachen (wegen der ICs in die Schweiz). Jetzt rächt sich die sattsam bekannte Benachteiligung des Kreises Böblingen und das Zögern beim Ausbau des Schienennetzes Richtung Süden. Auch die S 60 wird vom 15-Minuten-Takt ausgenommen. Damit bleibt es beim bisherigen dürftigen Angebot auf der Querachse von Böblingen-Renningen. Und es wird auch künftig bei dem Ärgernis bleiben, dass bei einer Verspätung der S 1 in Böblingen den Umsteigern aus Stuttgart die S 60 vor der Nase wegfährt und sie eine halbe Stunde auf die nächste warten dürfen. Der Stadtverkehr Böblingen/Sindelfingen, der bislang für die Fahrt zum Beispiel ins Sindelfinger Wohngebiet Hinterweil am Nachmittag eine Alternative in Gestalt der halbstündig in Böblingen startenden Linie 704 geboten hat, verschlechtert sich für die Bewohner im Norden der Stadt seit dem 15. Dezember ebenfalls. Die bisherige Verlängerung der Linie 704 nach Böblingen in den Hauptverkehrszeiten ist gestrichen worden. Ein erster Test des neuen Fahrplans hat ergeben: Die Busse kommen verspätet oder fallen aus. Die beauftragte Firma scheint mit der Verdichtung des Stadtverkehrs überfordert.

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Sindelfingen-Nord und die Technomusik

Mittlerweile liegt das Ereignis schon eine Woche zurück, aber der Leserbriefsturm, ein shitstorm der besonderen Art, tobt in der regionalen Zeitung immer noch. Unbestritten ist, dass der Sindelfinger Norden am Samstag, 25.8.12, geschlagene zehn Stunden mit Open-Air-Technomusik beschallt wurde. Dank günstiger Winde konnte man das häusliche Radio stilllegen und sich ganz dem Rave hingeben. Gratis sogar.

Nun gefällt diese Art von Musik nicht jedem und so erhob sich ein Protestgeschrei in Form von Anrufen bei der Polizei und danach in offline- und online-Leserbriefen an die Sindelfinger Zeitung. Die Stadtverwaltung reagierte betreten. Man hatte das Event genehmigt und damit dem klammen Glaspalast zu Einnahmen verholfen. Dass daraus ein Kulturkampf werden würde, hatte man nicht bedacht.

Es ging um verschiedene Fragen. Ist Techno überhaupt Musik oder nur widerliches Gestampfe und Gebrumm? Darf die Stadtverwaltung so etwas genehmigen? Soll man einem solchen Ereignis nicht mit Toleranz begegnen, wie es der Redakteur der Zeitung vorgeschlagen hat? Heute fordert eine Dame aus dem Stadtteil Hinterweil, dass sich alle hier „vereinigen“ sollten, gegen den Lärm. Aber mit Marx lässt sich das Problem auch nicht lösen. Ein anderer hier Wohnender mit fremd klingendem Namen nimmt die Sache zum Anlass, sich über die ärmliche Ruhesucht der Deutschen auszulassen. Ihm ist offenbar noch nicht aufgefallen, dass es an Lärm in diesem Land nun wahrlich nicht fehlt: Autos, Baumaschinen, Heimwerker, Flugzeuge und Radios sorgen unablässig dafür, dass es nicht zu still wird.

Mit verboten löst man solche Probleme nicht, aber die Veranstalter müssen die Lärmbestimmungen einhalten. Der Zeitung wäre zu sagen, dass Toleranz sich nicht im Aushalten von als schrecklich empfundener Musik bewährt, sondern in der Bereitschaft, dem anderen „seine“ Musik zu gönnen, solange er mich nicht zwingt, dass ich sie mir anhöre.

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Die Kirchen und ihr Personal

Es geht rund in der evangelischen Kirchengemeinde Sindelfingen. Die regionale Zeitung hat (am 21.6.12) mitgeteilt, dass im Laufe dieses Jahres fünf ihrer Pfarrer in den Ruhestand gehen oder sich auf eine andere Stelle versetzen lassen. „Auszug der evangelischen Pfarrer“ nennt es die Zeitung. Das ist ärgerlich genug. Wenn man dann noch lesen muss, das sei „reiner Zufall“, steigert sich der Ärger um einiges. Und wenn die diversen Wechsel dazu genutzt werden, Stellen zu streichen oder zu halbieren, möchte man dieser Kirche am liebsten wütend Valet sagen. Wozu leisten sich die Evangelischen hierzulande einen bürokratischen Wasserkopf namens Oberkirchenrat, wenn der es nicht schafft, den durchaus üblichen Personalwechsel in gleitendem Übergang abzuwickeln? Wozu brauchen wir eine hoch dotierte kirchliche Administration, wenn die nur den Zufall regieren lässt? Was ist das für eine Kirche, die ständig Pfarrstellen abbaut, aber an der eigenen Verwaltungspräsenz nicht rüttelt?

Die Übergangszeit wird ausgesprochen ärmlich organisiert. Die Pfarrerin der Christuskirche soll ganz nebenbei den wegfallenden Kollegen vom Hinterweil vertreten und natürlich noch in der ganzen Stadt aushelfen. Das neue Pfarrerehepaar in der Johanneskirche, wenn es denn kommt, muss sich erst einarbeiten, der Pfarrerin vom Eichholz verweigert man hartnäckig die Aufstockung ihrer halben Stelle und nimmt dafür billigend in Kauf, dass sie in dieser dramatischen Lage „nur begrenzt helfen“ kann. Die ins Auge gefasste neue Pfarrerin der Martinskirche soll und wird hoffentlich im Herbst anfangen. Sie muss sich ganz schnell einarbeiten, denn auch sie darf zwei Stellen gleichzeitig bedienen. Wird ihr dazu die Versorgung der vakanten Stelle auf dem Goldberg aufgedrückt? Dem treuen Kirchensteuerzahler graust es ob dieser Zukunftsperspektiven.