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Digitaler Offenbarungseid

Das Land Baden-Württemberg will in der Digitalisierung führend werden, habe ich heute Morgen gelesen. Man wolle sich an Estland orientieren, wo die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte tatsächlich gelungen zu sein scheint, während sie hierzulande noch vor sich hin kränkelt. Die Esten können, heißt es, ihre Steuererklärung in wenigen Minuten erledigen. Nun haben die Schwaben erkannt, dass sie von den Balten etwas lernen können. Sie müssen allerdings sehr viel ihnen lernen. Denn in den Stuttgarter Nachrichtenzeitungen, ich nenne sie so, weil ihre Inhalte sich mehr und mehr gleichen, steht auch die betrübliche Information, dass „Ella“ am Ende ist. Dabei handelt es sich um eine verzweifelte Abiturientin, sondern um eine elektronische Plattform mit Material für den Unterricht. Seit Jahren wurde daran gearbeitet. Nun hat ein Gutachter festgestellt: das Ganze taugt nichts. Die Ministerin Eisenmann wird das Projekt stoppen müssen – wie schon das andere, mit dem man die Fehlzeiten der Lehrer erfassen wollte. Bei diesem Programm sind bereits 24 Millionen Euro in den schwäbischen Sand gesetzt worden. Wir werden also tatsächlich führend sein, und zwar in der Nichtverwirklichung der Digitalisierung. Die Schüler wird man weiter mit Arbeitsblättern aus Papier zuschütten (zur Freude der Kopierautomatenindustrie) und die Fehlzeiten der Lehrkräfte werden auch künftig ein großes Geheimnis bleiben. Eigentlich ist es kein Wunder, dass es am Digitalen hapert. Wo sollen die Programmierer von morgen herkommen, wenn der Informatik-Unterricht im Land von gestern ist?

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Die Baden-Württemberger und das Hochdeutsch

Nun wollen sie also doch mit diesem unseligen Werbeslogan weitermachen, dass wir hier im Südwesten alles könnten außer Hochdeutsch. Dabei hatte ich die Hoffnung, dass die neue Regierung wenigstens mit diesem Unfug aufhören würde. Diese Hoffnung ist nun zuschanden.

Ob die diese Entscheidung Verantwortlichen an „ihren“ Ministerpräsident Kretschmann gedacht haben? Aber der kann Hochdeutsch, auch wenn, was er sagt, ein bisschen nach mundartlicher Färbung klingt. Aber die Sätze entsprechen durchaus dem vom Hochdeutschen Gebotenen.

Ich fühle mich durch diesen Werbespruch diskriminiert. Das zu sagen kommt mir zu, weil ich in Württemberg geboren und aufgewachsen bin und hier auch seit Jahrzehnten wohne. Denn mir ist es, wiesehr  vielen anderen hier, gegeben, Schwäbisch zu sprechen, wenn es angezeigt ist, und Hochdeutsch, wenn dies die Situation verlangt. Nun werden wir weiterhin zu Deppen gestempelt, die nicht in der Lage sind, sich zielgruppengerecht sprachlich zu artikulieren.

Dabei ist der andere, der erste Teil des Werbewortes noch schlimmer: Wer kann schon „alles“. Allmachtsfantasien sind den noch nicht schulpfllichtigen Kindern eigen. Sie bemerken ihre Grenzen aber noch früh genug. Aber genau dieses Infantile wird den Baden-Württembergern per Agentur und Regierung zugeschrieben. Das lehne ich ab. Ich weigere mich, zu dieser Sippschaft zu gehören.

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Deutsch oder Hochdeutsch

Ob es viel nützt, wenn die baden-württembergische Werbeagentur, offenbar im Auftrag der Landesregierung, der deutschen Fußballmannschaft Erfolg beim Spiel um den dritten Platz wünscht? Wir werden es bald erfahren haben. Und ob es überhaupt sinnvoll ist, diese gewiss nicht ganz billige Anzeige in die Tageszeitungen zu setzen, zu „schalten“, wie man jetzt wohl sagt, das mögen andere, Befugtere entscheiden. Wofür haben wir schließlich eine Opposition? Klar ist, es geht bei der Anzeige gar nicht um den Fußball, es geht um Werbung fürs Ländle. Denn der Bundestrainer kommt aus ihm.

Die Schlagzeile bedient sich einer ausgelutschten Wendung, die ihren Anfang bei „Wir sind Papst“ genommen hat. Diesmal heißt es „Wir sind Trainer“. Sie wäre inhaltlich unsinnig, aber wenigstens grammatisch korrekt, wenn das Substantiv in der Mehrzahl (für Schüler: im Plural) stünde. Leider können wir das nicht erkennen: der Trainer, die Trainer – da gibt es keinen Unterschied. Aber das Wort muss wohl in der Einzahl (im Singular) stehen, in Anlehnung an das päpstliche Muster.

Das ist grammatisch nicht in Ordnung und soll es auch nicht sein. Denn der „Witz“ besteht darin, dass man durch eine „falsche“ Formulierung Aufmerksamkeit erregen will. Diese Idee ist allerdings etwas zwielichtig, wird doch weiter unten in der Anzeige behauptet, wir (in Baden-Württemberg) könnten alles außer Hochdeutsch. Die Anzeige suggeriert leider auch: Wir können nicht einmal das.

Nachtrag: Allen, die Häckerling nun ob seiner Humorlosigkeit tadeln wollen, seien darauf hingewiesen, dass er zwar auch unter der Hitze leidet, aber den Text nicht kämpferisch-hitzig meint, sondern schwäbisch-selbstironisch – das gibt es tatsächlich.

(Blog-Eintrag Nr. 197)