Kopfnoten oder Ampel

In diesen Tagen geistert ein Wort durch die politische Landschaft, das man sonst eher selten hört: Kopfnoten. Dem Vernehmen nach gehört deren Abschaffung zum Kernbereich der politischen Wende, die von der SPD und den Grünen in Nordrhein-Westfalen eingeleitet werden soll. Weil sich die FDP diesem Ansinnen verschlossen hat, wurde es nichts mit der „Ampelkoalition“. Wenn es denn daran gescheitert sein wollte, sei’s drum. Was haben die Rot-Grünen eigentlich gegen Kopfnoten?

Darunter versteht man keine Benotungen des Kopfes, sondern der sozialen und personalen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern. Die Noten in den einzelnen Fächern beruhen im Wesentlichen auf den fachlichen Leistungen. In sie auch anderes hineinzupacken, also das Verhalten des Schülers, seine Fähigkeit, mit anderen zusammen und vor allem mit ihnen zusammenzuarbeiten, seine Empathie (Einfühlungsvermögen), sein Fleiß – der ist gar nicht so altmodisch, wie manche denken – seinen Ehrgeiz oder seine Zuverlässigkeit, das würde sie überfrachten. Das kann mit den „Kopfnoten“ besser zum Ausdruck bewerten.

Wollen die grün-roten Politiker das Bewerten dieser „Leistungen“ wirklich abschaffen? Da brechen offensichtlich alte 68er-Reflexe durch, denn die Abschaffung der Noten oben, also am Kopf des Zeugnisses, die hatten wir schon einmal.

Nun geht es also in NRW den Kopfnoten an den Kragen. Die Ampeln dort stehen künftig auf Rot und Grün zugleich. Das kann zu Unfällen führen. Dafür werden die faulen Schüler nicht mehr diskriminiert. Auch so kann Fortschritt aussehen.

(Blog-Eintrag Nr. 189)

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4 Kommentare zu Kopfnoten oder Ampel

  1. Nana sagt:

    Meines Erachtens werden die alten sogenannten „Kopfnoten“ ihrem Anspruch aktuell überhaupt nicht mehr gerecht. Das zeigen auch die lebhaften Diskussionen bei Zeugniskonferenzen immer wieder: Soziale und personale Kompetenzen zeigen sich nämlich durchaus in Abhängigkeit vom jeweiligen Fach! Außerdem stehen sie nach dem Anspruch der Bildungsreform gleichberechtigt neben den fachlichen und methodischen Kompetenzen.
    Sie sollen, dem Gedanken der Bildungsreform nach, also in die jeweilige „Fachnote“ integriert und nicht überfachlich erhoben werden.

  2. Häcker sagt:

    Nicht immer lassen sich Probleme durch Abschaffung lösen. Nana hat sicher Recht, wenn sie die Konzeption der derzeitigen „Kopfnoten“ (sagen wir mal in Baden-Württemberg) als veraltet empfindet. Dennoch sei festgehalten: Das Gespräch über den Gesamteindruck von Schülern findet fast nur am „Zeugniskonvent“ und im Zusammenhang der Noten für „Verhalten“ und „Mitarbeit“ statt. Was ich mir allerdings wünschen würde: mehr Möglichkeiten der Differenzierung als bisher, vielleicht angelehnt an die vom Bildungsplan geforderten methodischen, personalen und sozialen Kompetenzen.
    Machen wir uns nichts vor: In den Noten der Fächer drücken sich in der Regel nur die fachlichen Leistungen oder Kompetenzen aus. Das ist im Übrigen auch gedeckt durch die Formulierung im § 7 der Notenbildungsverordnung: In die Jahresnote sollen alle schriftlichen, mündlichen und fachpraktischen Leistungen eingehen. Von den im letzten Abschnitt erwähnten Kompetenzen ist nicht die Rede.
    Fazit: nicht abschaffen, sondern weiterentwickeln!

  3. Bee sagt:

    Kopfnotenpraxis – zwei Wege
    Schule A: Alle Lehrkräfte geben pro Klassen in drei Kategorien je eine „Sozialnote“, deren Schnitt errechnet wird. Bei Grenzfällen wird im Konvent diskutiert, dieser zieht sich in die Länge, alle sind genervt. Am Ende traut sich der Leiter der X-AG nicht mehr, das Engagement von Schüler Karl stark zu machen. Aussagekräftige Einser, Zweier, Dreier, Vierer?

    Schule B: Alle Lehrkräfte sammeln ihre Beobachtungen zum Arbeits-und Sozialverhalten auf einem Bogen mit mehr als drei Unterkategorien. Sie kreuzen auf einer Skala an und begründen ihr Urteil. Den Schülerinnen und Schülern gibt man den gleichen Bogen und sie schätzen sich selbst ein. Dann wird verglichen und spricht über Selbst- und Fremdwahrnehmung.

    Für mich wäre zentral, die Beurteilten hier einzubeziehen, um ihre Selbsteinschätzung zu schulen und auch, um hinter die Arbeitsprozesse zu blicken. Schüler wissen voneinander mehr als mancher Lehrer von ihnen.
    Und der überfachliche Austausch gehört für mich im Übrigen ganz selbstverständlich zu einem ganzheitlichen „Kopfnoten-Urteil“ dazu.

  4. Häcker sagt:

    Mit Bee stimme ich darin überein, dass der überfachliche Austausch über Schüler (genauer: über ihre Entwicklung in den diversen Kompetenzbereichen) eine ganz wichtige Aufgabe ist. Wie sich das Ergebnis dieses Gesprächs, in das die Beurteilten auf jeden Fall einbezogen werden sollen, wenn auch nicht „entscheidend“ (Noten oder Beurteilungen muss auch weiterhin die Lehrkraft verantworten), im Zeugnis niederschlägt, ist zweitrangig: als Notenwörter oder Wortgruppen oder auch ganze Sätze, Hauptsache: aussagekräftig.
    Die neue NRW-Koalition wird offenbar alles Kopfnotenartige abschaffen. Begründung: der Aufwand sei zu groß. So geht es nicht.

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