Das Weichen der Männer

Die Überschrift ist natürlich einseitig; denn es sind jüngst auch bedeutende Frauen gegangen. Denken wir nur an Margot Käßmann oder an Maria Jepsen, zwei auffällige Repräsentantinnen des deutschen Protestantismus. Frau K. ist nach dem Rücktritt noch populärer geworden; Frau J. hatte nach 18 langen Jahren als Bischöfin wohl einfach genug. Andere bedeutende Kirchenmenschen, solche aus dem katholischen Lager, „naturgemäß“ handelt es sich hier um Männer, taten oder tun sich mit dem „Hinwerfen“ etwas schwerer. Bei Herrn M. musste der mächtige Vorgesetzte in Rom offenbar ein Machtwort sprechen, bei Herrn Z., dem in Freiburg Residierenden, ist das Maß noch nicht voll. Er könnte den Sturm überstehen. Nicht alle Männer also, bei denen man sich’s vorstellen mag, weichen aus dem Amt.

Dagegen sind aus der Politik einige verschwunden und es herrscht darob große Betroffenheit. Dabei schert man sie gerne über einen Kamm; doch das Vergleichen von Äpfeln mit Birnen hat noch nie viel gebracht. Um es schon vorweg zu sagen: Häckerling respektiert nicht nur das Zurückgeben der Amtswürde, er findet es sogar ganz gut, wenn etwas Bewegung in die politischen Führungsetagen kommt.

Warum soll ein Günther Oettinger nicht EU-Kommissar werden, wenn er das erkennbar besser kann als das Land Baden-Württemberg regieren? Nun hat Stefan Mappus die Chance, zu zeigen, was er drauf hat.

Warum sollen Roland Koch in Hessen und Ole von Beust in Hamburg nach langen Regierungsjahren nicht das Recht haben, etwas anderes zu machen? Politiker sind keine Beamte, bei denen das Lebenszeitprinzip zu den hergebrachten Grundsätzen gehört; sie haben ihre Aufgabe auf Zeit übernommen. Dass sie die selber begrenzen wollen, ist verständlich.

Jürgen Rüttgers hat nicht etwa „hingeworfen“, er hat eine Wahl verloren; da ist es guter Brauch, die Konsequenzen zu ziehen und einen Neuanfang zu ermöglichen.

Horst Köhler hatte keine Freude mehr an seiner Rolle als Bundespräsident; da ist es doch besser, er machte Platz für einen Neuen. Der heißt Christian Wulff und hat in Niedersachsen einen offenbar fähigen Nachfolger gefunden.

Verantwortung beweist man nicht nur, indem man an seinem Sessel klebt, man kann es auch, wenn man aufsteht und geht, weil es genug ist.

(Blog-Eintrag Nr. 201)

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Ein Kommentar zu Das Weichen der Männer

  1. Boris sagt:

    Eigentlich war es eher eine Unsitte, in manchen Fällen eine Schande, dass so sehr am Posten festgehalten wurde. Jeder der Herren hat seine Rechte genutzt, keiner hat gegen ein Gesetz verstoßen, und was man jedem anderen zubilligt, nämlich seinen Job aufzugeben und etwas anderes zu machen, das sollte auch den Politikern freistehen. Klar, jemand der unersetzbar ist (und das sind sehr wenige), sollte bleiben. Wer kann, sollte einen Nachfolger in seine Tätigkeit einweisen, und sollte man was verbrochen haben, nehme man die Strafe dafür auf sich. Ich respektiere jeden der Rücktritte und wenn ich es nicht täte, würde es die Damen und Herren völlig zurecht auch nicht stören.

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