Stuttgart 21 und das Volk

Nun feiert er sie als Triumph der Demokratie, die Niederlage bei der Volksabstimmung, der Herr Ministerpräsident Kretschmann. Das hat er also auch schon gelernt, dass man Wahlen – oder wie hier eine Abstimmung – nicht verlieren darf, sondern in einen Sieg umdefinieren muss. Sei’s drum.

Allerdings trifft es zu, dass die fast 59%, die gegen den Ausstieg aus Stuttgart 21 gestimmt haben, auch nicht wissen, ob ihre Entscheidung richtig war. Das wird sich erst erweisen müssen. Die Zukunft ist offen und hält sicher noch einige technische und finanzielle Überraschungen bereit. In zehn Jahren Bauzeit kann viel passieren. Das Projekt kritisch zu begleiten, nicht mit Demonstrationen, sondern mit dem Verstand, das sehe ich als die künftige Aufgabe derer an, die heute unterlegen sind.  Hoffentlich schaffen sie diesen Rollenwechsel.

Warum hat sich „das Volk“ nicht von den Argumenten der Gegner überzeugen lassen? Weil es spürt, dass Argumente noch so gut sein, aber dennoch daneben liegen können. Weil es genug hat, von der Selbstherrlichkeit der Gegner, die jeden Andersgläubigen mit Häme und Verachtung gestraft haben. Weil es will, dass gebaut wird und nicht der Stillstand regiert.

Aber, wie gesagt, auch die Mehrheit kann sich geirrt haben. Eine Entscheidung ist nur eine Entscheidung, keine Feststellung der Wahrheit. 2021 wissen wir mehr.

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Ein Kommentar zu Stuttgart 21 und das Volk

  1. Boris sagt:

    Es wird gar nicht gesagt, dass alle, die nicht abgestimmt haben,
    automatisch mit „nein“ stimmen. Ein Teil der Wähler, die mit „Nein“ stimmen
    wollten, sind bestimmt nicht hingegangen, wohl wissend, dass eine nicht
    abgegebene Stimme auch eine Nein-Stimme ist.
    Ich persönlich traue es Herrn Kretschmann sogar zu, dass er Profi und
    vernünftig genug ist, seine neue Rolle auszuüben. Da hierzu aber auch
    gehört, den Bau aktiv zu unterstützen und nicht nur zuzulassen, dürfte der
    bisherige Verkehrsminister fehl am Platz sein. Er sollte der Vorsitzenden
    des B.U.N.D folgen und seinen Posten jemandem geben, der das Projekt nicht
    behindert, sondern im Rahmen seiner ministerialen Möglichkeiten fördert.

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