Der Minister und die Menschenwürde

Bei einem von zwei Schülerinnen des Goldberg-Gymnasiums in Sindelfingen gut moderierten Gespräch zwischen dem Bahn-Manager Dr. Kefer und dem baden-württembergischen Verkehrsminister Hermann äußerte sich Letzterer lobend über die originellen Protest-Ideen der S-21-Gegner. Daraufhin wurde ein Button gezeigt, auf dem der Slogan stand: „Grube in die Grube“. Was er davon halte, wurde der Minister gefragt.

Es zeigte sich, dass er den Spruch „originell“ und „witzig“ fand – wegen des Wortspiels, wie er sagte. Dass es sich um eine Todesdrohung handelt, schien ihm nicht bewusst. Oder ist er der Meinung, dass ein gutes Wortspiel eine solche Frage überflüssig mache? Schließlich bequemte sich Hermann dann doch noch zu der Aussage, man müsse mit dem politischen Gegner so umgehen, dass man mit ihm danach auch noch reden kann. Doch wie will er mit einem begrabenen, also doch wohl toten Bahnchef Grube reden?

Häckerling findet es bedenklich, dass ein Minister in einer Schule und vor Hunderten junger Leute keine klarere Sprache zu den in unserer Gesellschaft derzeit noch geltenden Werten gefunden hat. Aber wenn es inzwischen normal ist, andere als Lügenpack zu bezeichnen oder sie als Zeichen besonderen Abscheus nach Art des Islam mit Schuhen zu bewerfen, dann kann man wahrscheinlich auch von einem grünen Minister nicht mehr erwarten. Dabei haben wir ein Grundgesetz, in dem die Würde des Menschen als „unantastbar“ bezeichnet wird.

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2 Kommentare zu Der Minister und die Menschenwürde

  1. Tobi sagt:

    Nachdem sich die S21-Gegner noch nicht mal dem Plebiszit beugen wollen, würde ich doch fast vorschlagen, dass sie sich selbst in die Grube begeben, die sie anderen graben wollen. Wobei diese ja nun von anderen gegraben wird, sobald das mit dem Ungeziefer und den Bäumen geklärt ist. Wissen die Wutbürger eigentlich, wie viel Regenwald jeden Tag vernichtet wird? Das Äquivalent des Schlossparks dürfte binnen Sekunden vernichtet sein…

  2. Häcker sagt:

    Das Gute an der Demokratie ist ihre Langmut. Man darf demonstrieren und protestieren, streiken und blockieren, man darf dagegen sein und wird dabei noch von der Staatsmacht geschützt. Die trägt liebevoll die im Stuttgarter Schlosspark sitzenden Personen herum, hält auch aggressive Sprüche aus. Sie setzt auf Deeskalieren und will sich nur im Notfall verteidigen. Das alles ist zweifellos ein Zeichen der Stärke unseres Gemeinwesens.
    Man darf auch alle Rechtsmittel ausnützen, um seine Überzeugung durchzusetzen. Das kostet Zeit und Geld, aber es ist rechtens.
    Was man aber auch darf: den Protestkult gegen den neuen Stuttgarter Bahnhof albern nennen. Unter kritischer Begleitung verstehe ich nicht die altbekannten Demo-Rituale und das ständige Prozessieren, sondern die fachliche Begleitung mit dem Ziel der Optimierung des Geplanten.
    Man kann nicht daran Anstoß nehmen, dass Stuttgart 21 eine “ewige” Baustelle sein wird, wenn man selbst zur Verlängerung beiträgt. Und es ist absurd, das Steigen der Kosten zu beklagen, wenn man selbst an der Kostensteigerung beteiligt ist.
    Schön, dass man das auch sagen darf.

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