Karfreitag

Die Weltpolitik liefert in diesem Jahr ein ganz besonders anschauliches Begleitprogramm zum christlichen Karfreitag. Der ist kein Festtag und bietet auch keinen Anlass zum Feiern. Nie erscheint er wie Weihnachten oder Ostern in einer Grußformel. Es ist der Tag, an dem das Leiden in den Blick rückt. Gott leidet (wie viele Menschen) an der Welt, an ihrer Brutalität, der Machtbesessenheit und dem Zynismus ihrer politischen Führer, an der Idiotie ihrer Religionsfanatiker. Eine Superbombe fällt auf Islamisten und wir tun uns schwer, das nicht mit Beifall zu begleiten. Christen in Ägypten werden Opfer ihrer Schutzlosigkeit und niemand bei uns regt sich auf. In Syrien tötet Giftgas Kinder und Erwachsene und die UN streitet über das Prozedere der Reaktion. Flüchtlinge ertrinken im Mittelmeer und wir haben es zwei Minuten später vergessen. Das alles geschieht alle Tage. Offenbar ist niemand in der Lage, dies alles zu verhindern. Töten, Verletzen, Entwürdigen, offenbar ist das die „Passion“ der Menschheit. Leiden schaffen mit allen Waffen, das schaffen wir mühelos. Und keiner ist unschuldig, nicht einmal wir Deutschen sind es. Liefern wir doch auch wir in großem Umfang das nötige Material zu den Vernichtungsaktionen. Und übermorgen soll Ostern sein? Als Botschaft, dass dennoch nicht der Tod, sondern das Leben siegt, wirkt es in diesen Tagen wie ein aufgesetztes Happyend, wie eine Flucht ins Harmlose. Wenn die Trumps, Assads und Putins dieser Welt ihre Spiele veranstalten, kann wahrscheinlich nur Gott selbst (irgendwann) diesem Treiben ein Ende bereiten.

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