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Kursstufenplan

Das Kultusministerium Baden-Württembergs baut wieder einmal die gymnasiale Oberstufe um, zum wer weiß wievielten Mal seit den späten 1970er Jahren. Die neuerliche Änderung hat die KMK ausgelöst; sie war mit der jetzt geltenden Regelung nicht einverstanden, vor allem weil es da keine Leistungskurse mehr gibt. Die werden nun wieder eingeführt, heißen aber „Leistungsfächer“. Ein Fortschritt? Doch was fortschreitet, ist nicht immer fortschrittlich. Das sieht, wer einen Blick auf das Fach Deutsch wirft. Das muss derzeit von allen Schülerinnen und Schülern belegt werden, und zwar vierstündig. Und alle müssen sich im Abitur in Deutsch schriftlich prüfen lassen. Künftig kann es (wieder einmal) „abgewählt“ werden. Wer nach dem neuen Konzept z. B. Englisch („fortgeführte Fremdsprache“) und Biologie („Naturwissenschaft“) und dazu Sport („frei wählbar“) als fünfstündige Leistungsfächer wählt, für den sinkt Deutsch in der Kursstufe zum dreistündigen „Basisfach“ ab. Es wird im Abitur entweder schriftlich oder mündlich geprüft. Die schriftliche Prüfung müsste im Basisfach Deutsch „leichter“ sein als im Basisfach, denn man hat da acht Stunden weniger als im Leistungsfach Deutsch. Die mündliche Prüfung würde 20 Minuten dauern, „bestehend aus 10 Minuten Vortrag und 10 Minuten Kolloquium“. Dafür gäbe es 20 Minuten „Vorbereitung“. Wie man in 20 Minuten einen zehnminütigen Vortrag vorbereiten soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Auch kann ich nicht erkennen, wie diese Konstruktion eine Qualitätssteigerung im Fach Deutsch bewirken soll. Die Leistungen in diesem Fach sind schon jetzt beklagenswert. Aber offenbar sind die Klagen darüber es nicht wert, in die Ohren der Verantwortlichen zu dringen.

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