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Schule

Schulische Fastenzeit

Bald wird die Zeit, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre Schule nicht mehr von innen gesehen haben werden, länger sein als die üblichen Sommerferien. Auch wenn es nicht der Raum ist, der den Lernprozess maßgeblich bestimmt, so geht es doch ohne ihn auch nicht. Denn im Raum sitzt man mit 25 anderen zusammen, hat neben sich einen ungewaschenen Mitschüler, vor sich zwei tuschelnde Mitschülerinnen. Ganz vorne steht jene Person, die den Ablauf der Stunde bestimmt. Sie spricht, gibt Anweisungen, läuft kontrollierend durch die Reihen, mahnt zu Ruhe, wird lauter oder schweigt, gibt Antworten auf Fragen, lässt ein Gespräch entstehen oder würgt es ab, hält Ergebnisse an der Tafel oder auf einer Folie fest oder diktiert eine Zusammenfassung ins Heft. Diese Lehrperson wird meist hingenommen, manchmal auch geschätzt oder abgelehnt. Sie weiß Bescheid, aber sie irrt sich auch. Sie überschätzt den Erkenntnisprozess oder nervt durch Wiederholungen des sattsam Bekannten. Die Mitschüler*innen sind aktiv oder passiv, interessiert oder gelangweilt, sie lesen unter der Bank oder tippen auf ihr Smartphone, sie nehmen den Unterricht ernst oder haben keinen Bock darauf. Ihnen ist es egal, ob unter der Arbeit eine Drei oder Vier steht, oder sie regen sich auf, weil ein Punkt in der Arbeit übersehen wurde und es keine Eins gereicht hat. Die einen heben die Hände nach einer Frage, die anderen denken an etwas anderes und schalten ab. Manche sehnen die Pause herbei oder das Ende des Vormittags. Es ist der banale Alltag in der Schule, der seit Monaten fehlt. Stattdessen: Videokonferenzen, E-Mails, eine Lehrerstimme aus dem Tablet, die man mit Mühe versteht, Bilder, die langweilen, Aufgaben, die man auf die digitale Reise schickt und auf die es manchmal sogar eine Antwort gibt. Aber es fehlt der Geruch des Schulhauses und der Austausch mit den anderen, es fehlen die Appelle der Lehrer*innen und die Ängste und Freuden bei der Rückgabe von Arbeiten. Schule, du fehlst.

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